Montag, 16. September 2019

Gigabell Rate-X ist neuer Mehrheitseigner

Firmengründer Daniel David hat sein Aktienpaket verkauft. Der Verbleib am Neuen Markt ist fraglich.

Frankfurt am Main - Die britische Investorengruppe Rate-X die am Montag über 50 Prozent der Gigabell-Anteile vom Ex-Vorstandsvorsitzenden Daniel David erworben hat, will die weitere Notierung der Aktien am Neuen Markt sicherstellen. Dazu sollten Gespräche mit der Deutschen Börse und dem Gigabell-Insolvenzverwalter Dirk Pfeil geführt und der fehlende Quartalsbericht schnellstmöglich nachgereicht werden, sagte Jens Schilling, Rate-X-Sprecher in Deutschland. Hintergrund dazu ist das von der Börse infolge eines fehlenden Drittquartalsausweises in der Vorwoche eingeleitete Ausschlussverfahren der Aktie vom Neuen Markt.

Die Investorengruppe, bestehend aus der im Web-Hosting tätigen Dynaweb sowie einem weiteren Unternehmen, will die Gigabell-Hülle nach den Worten Schillings "mit Leben erfüllen". Geplant sei eine sogenannte Minutenbörse für Telefonie, das heißt, eine elektronische Handelsplattform ähnlich dem Vorbild der Energiebörse EEX. Rate-X sei natürlich bereit, einen Teil der Verbindlichkeiten von Gigabell zu übernehmen und die Gläubiger möglicherweise über Nachbesserungsscheine zu bedienen. Darüber habe er mit Herrn Pfeil, dem die Übernahme am Dienstagmorgen mitgeteilt worden sei, jedoch noch nicht gesprochen, so Schilling.

Zum Verkaufspreis des zeitweilig gesperrten Aktienpakets, das nach Aussage Davids vor rund drei Wochen von der Staatsanwaltschaft freigegeben wurde, wollten sich weder Schilling noch David äußern. Der Gigabell-Gründer verriet lediglich, dass ein gewisser Risikoabschlag im Preis inbegriffen ist. Den größten Teil des operativen Geschäfts von Gigabell hatte die finnische Saunalahti vergangenen Oktober für rund fünf Millionen Euro erworben.

Mittlerweile soll auch die profitable spanische Tochtergesellschaft von Gigabell mit einem Umsatz von 1,2 Millionen Mark an die Finnen veräußert worden sein. Dies bestätigte der rein formal noch als Finanzvorstand von Gigabell fungierende Johannes Funke am Dienstag. Warum dieser – möglicherweise kursbeeinflussende - Umstand nicht ad hoc gemeldet wurde, konnte Funke nicht sagen und verwies auf den für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbaren Insolvenzverwalter Pfeil.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) prüft nach Angaben einer Sprecherin die Sachlage. Sollte das Amt zu dem Schluss kommen, dass der Verkauf ad-hoc-meldepflichtig war, werde ein Bußgeldverfahren gegen Gigabell eingeleitet, hieß es. Die Aktie verlor am Dienstag erneut deutlich mit mehr als zehn Prozent.

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