Team Communications Neuer Skandal am Neuen Markt

Metabox, EM.TV und nun finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der US-Medienfirma. Der Eklat folgt dem schon klassischen Muster: Geschäftstüchtige Emissionsbanken, willfährige Analysten und umtriebige Journalisten haben eine Firma hochgejubelt, deren Zahlenwerk sich jetzt als Mogelpackung erweist.
Von Clemens von Frentz und Andreas Nölting

Hamburg - Den 13. Februar werden die Aktionäre der am Neuen Markt und an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Team Communications so schnell nicht vergessen. Um 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit stürzte die Team-Aktie plötzlich ins Bodenlose. Binnen weniger Minuten verlor das Unternehmen rund die Hälfte seines Börsenwertes, am folgenden Tag ging die Talfahrt weiter (siehe Chart).

Leidtragende waren wieder einmal die Privatanleger. Während die institutionellen Investoren am Dienstag ihre Pakete rasch veräußerten, konnten die Kleinaktionäre auf den unerwarteten Kursverfall nicht reagieren. Denn eine Ad-hoc-Mitteilung der Team Communications in Deutschland kam zu spät.

Hoher Verlust statt Gewinn

Was war geschehen? Überraschend hatte der neue Vorstandsvorsitzende der Team Communications, Michael Jay Solomon, am Dienstagnachmittag in New York erklärt, dass sein Unternehmen Liquiditätsprobleme habe. Das Geschäftsjahr 2000 werde nicht mit einem Gewinn von fünf Millionen Dollar, sondern voraussichtlich mit einem Verlust in Höhe von bis zu 20 Millionen Dollar abschließen.

Als Grund für diese plötzliche Kehrtwende gab Solomon, der wenige Stunden zuvor den bisherigen Team-Chef Drew S. Levin abgelöst hatte, gegenüber manager-magazin.de "Fehleinschätzungen" des Managements der englischen Tochtergesellschaft Team Dandelion an. Deren angebliche Umsätze, die laut Insidern bereits von einem Wirtschaftsprüfer testiert worden waren, hätten sich als "wirtschaftlich nicht tragbar" erwiesen, meinte Solomon. Nun seien Wertberichtigungen erforderlich.

Die deutsche Tochtergesellschaft der Team Communications zeigte sich über die Meldungen aus Amerika erstaunt. Man sei über die Vorgänge nicht informiert worden, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Stattdessen erfuhren die Münchner Mitarbeiter von dem CEO-Wechsel und der Gewinnwarnung aus dem Internet.

"Plötzlich aufgetretener Liquiditätsbedarf"

Ebenso wenig wurden die deutschen Aktionäre informiert. Denn während es in Amerika eine Ad-hoc-Mitteilung zu dem "plötzlich aufgetretenen Liquiditätsbedarf" und dem Wechsel im Top-Management bei Team Communications gab, blieb diese aktienrechtlich vorgeschriebene Meldung bis Börsenschluss in Frankfurt aus.

Erst um 20.06 Uhr - also kurz nach Ende der deutschen Handelszeit - kam die fatale Nachricht über die Ticker. Begründung des neuen CEO gegenüber manager-magazin.de: "Die Übersetzung eines solchen Textes braucht seine Zeit."

Auffällig ist ferner, dass es bereits in den Tagen zuvor hohe Umsätze in der Team-Aktie gab. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel will nun den Vorgang prüfen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Team gegen die Publizitätspflicht verstoßen hat, droht eine Strafe von bis zu drei Millionen Mark, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Selbst Emissionsbank fühlt sich betrogen

Von dem Skandal betroffen ist die Frankfurter Gontard & MetallBank  , die Team Communications als Konsortialführer Ende November 1999 an den Neuen Markt gebracht hatte. Gontard & MetallBank-Chef Lothar Mark erklärte gegenüber manager-magazin.de, dass auch er sich "betrogen" fühle, sollten sich die Informationen als wahr herausstellen. "Das ist schon reichlich unverschämt", kommentierte Mark die Informationspolitik des US-Filmproduzenten.

Die Gontard & MetallBank hält 500.000 Team-Aktien, die das Institut vorbörslich erworben hatte. Kein gutes Investment, denn nach dem jüngsten Kurssturz auf 1,80 Euro betragen die Buchverluste der Gontard & MetallBank aus dieser Beteiligung mehrere Millionen Mark, räumte Mark ein.

Euphorische Kaufempfehlungen

Doch Gontard-Chef Mark ist nicht nur Betroffener, sondern er steht auch in der Verantwortung. Denn immerhin hat seine Bank die Team Communications mit angeblich glänzenden Wachstums-Prognosen auf das Parkett geführt. Und die mit seinem Haus verbundene Value Management & Research, ebenso vorbörslich an Team beteiligt, unterstützte den Börsengang durch unkritische Kaufempfehlungen.

"Der aufkommende Star" titelte Value Research im August vergangenen Jahres und gab ein Kursziel von 23 Euro aus. Im Oktober folgte die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim mit einer Kaufempfehlung ("aufstocken"), da die Team-Aktie "deutlich unterbewertet" sei.

Auch das Anlegermagazin "Focus Money" empfahl im April 2000 die Aktie zum Kauf. Analysten würden den "fairen Wert" des Papiers bei 30 bis 40 Euro sehen, begründeten die Journalisten ihre optimistische Einschätzung. Etwa zeitgleich erfolgte die Aufnahme der Aktie in das Musterdepot bei "Focus Money".

Pikanter Zufall: Wenig später meldete Team Communications die Übernahme eines Wettbewerbers. Bei dieser Firma handelt es sich nach Recherchen von manager-magazin.de um die Produktionsgesellschaft FFP Entertainment, an welcher der ehemalige Focus-Redakteur Marian von Korff beteiligt ist.

Bezahlt werden sollte diese Akquisition mit Team-Aktien. 800.000 Papiere sollten für FFP hinterlegt und später übergeben werden. Weitere 700.000 Stücke sollten später an die FFP-Eigner übergeben werden - allerdings nur dann, wenn der Kurs der Team-Aktie für einen längeren Zeitraum ein bestimmtes Niveau übertreffe. Von Korff möchte diese Vorgänge gegenüber manager magazin.de nicht kommentieren, bestätigt allerdings seine Teilhaberschaft an FFP.

Aktienübergabe wurde nie vollzogen

Der Haken an dem FFP-Deal: Bereits wenige Monate später bereute der damalige Team-CEO Levin das Geschäft. Das groß angekündigte Joint Venture wurde auf sein Drängen hin "schleichend rückabgewickelt" (ein Insider), ohne dass die Aktionäre darüber rechtzeitig informiert wurden. Diese konnten sich nur wundern, als sie aus der Zeitung erfuhren, dass FFP gegen seinen Fusions-Partner plötzlich juristische Schritte eingeleitet hatte.

Marian von Korff ist in der Branche kein Unbekannter. Bereits im vergangenen Jahr hatte DER SPIEGEL enthüllt, dass es zwischen der Berichterstattung im "Focus" und den Privatgeschäften des früheren "Focus"-Redakteurs merkwürdige Affinitäten gegeben hatte.

Nach Gigabell, Metabox, Infomatec und EM.TV kommen die Spielregeln des Neuen Marktes damit erneut in Verruf. Börsenchef Werner Seifert muss sich um das Image des einst als Wachstumssegment gepriesenen Neuen Marktes Gedanken machen. Kürzlich haben die Börsenverantwortlichen auf die jüngsten Skandale reagiert und schärfere Publizitätsvorschriften angekündigt.

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