Montag, 22. April 2019

Letsbuyit.com Noch fehlen 28 Millionen Dollar

Eine Geldspritze wendet vorerst die Pleite des Internet-Händlers ab. Doch in den nächsten zwei Wochen müssen weitere 28 Millionen Dollar auf den Tisch, um dem Konkurs endgültig zu entgehen. Derweil verstreut der neue Großinvestor Optimismus pur.

Amsterdam - Die drohende Pleite des Internet-Händlers Letsbuyit.com ist vorerst abgewendet, nachdem die Vergleichsverwalter den Antrag auf Anschlusskonkurs zurückgezogen haben. Die am Neuen Markt notierte Aktie stieg in den ersten Handelsminuten zeitweise über 100 Prozent.

Die Ameisen kommen wieder zu Kräften. Mit zusätzlichen Investoren will das Unternehmen sich gegen den drohenden Konkurs stemmen. Nach Ansicht von Experten fehlen Letsbuyit.com noch 28 Millionen Dollar.
Das Unternehmen habe zugesichert, die zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs erforderlichen Finanzgarantien über vier Millionen Euro bereitzustellen, teilte die Gesellschaft am Donnerstagmorgen mit. Einer der Investoren sei die Risikokapitalgesellschaft Kimvestor AG, die beabsichtige, bis Ende Februar 50 Millionen Euro für Letsbuyit bereitzustellen.

Kimvestor rechnet damit, dass der angeschlagene Internet-Händler im vierten Quartal 2002 die Gewinnzone erreichen wird. Der angeschlagene Konzern werde dafür nach dem vorerst abgewendeten Konkurs vier seiner 14 europäischen Büros schließen, aber unabhängig und weiter am Neuen Markt gelistet bleiben, sagte Kimvestor-Chef Kim Schmitz am Donnerstag. Die Beteiligungsgesellschaft will dem Internet-Händler bis Ende Februar 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Allianz mit vorbestraftem Hacker

Doch wer steckt hinter Kimvestor? Die Gesellschaft ist von Kim Schmitz, einem ehemaligen Computer-Hacker, gegründet worden. Ehemals als "Hacker Kimble" gefürchtet hatte er in der Vergangenheit stolz verkündet, Mitte der 90er Jahre in die Rechner der US-Raumfahrtbehörde NASA, des Pentagon sowie der Citibank eingedrungen zu sein. 1999 verkaufte Schmitz, der 1998 rechtskräftig zu Jahren Jugendhaft auf Bewährung verurteilt worden war, 80 Prozent von Data Protect an den TÜV Rheinland und gründete das Ideenlabor Kimvestor.

Letsbuyit teilte mit, dass man sich mit Kimvestor geeinigt habe, noch bis Ende Januar einen Vertragsentwurf auszuarbeiten. Die vier Millionen Euro zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs seien von existierenden und neuen Investoren aufgebracht worden.

Weitere 28 Millionen Dollar müssen auf den Tisch

In Kreisen aus dem Umfeld der Rettungsverhandlungen hatte es geheißen, Letsbuyit benötige über die Summe von vier Millionen Euro hinaus innerhalb von zwei Wochen weitere 28 Millionen Dollar, um einen Konkurs zu vermeiden. Das Amsterdamer Gericht bestätigte, den Antrag auf Konkurs zurückgenommen zu haben. Nach Angaben von Letsbuyit hat das Amtsgericht München die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet.

Der Umsatz von Letsbuyit im vierten Quartal 2000 belaufe sich nach vorläufigen Zahlen auf 18 Millionen Euro, sagte Vorstandschef John Palmer. Im Gesamtjahr 2000 habe die Gesellschaft einen Umsatz von 38,5 Millionen Euro erwirtschaftet, was einer Steigerung von 1600 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche.

Die Zahl der registrierten Mitglieder habe im vierten Quartal um 28 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,16 Millionen Nutzer zugelegt. Dies entspreche einer Steigerung von 565 Prozent im Vergleich zum Endbestand 1999.

Management gibt sich zuversichtlich

Die Anzahl der kaufenden Kunden sei im gleichen Zeitraum um über 50 Prozent auf 255.000 gestiegen, was einer Steigerung um 570 Prozent gegenüber dem Jahresendbestand 1999 entspreche.

"Wir befinden uns eindeutig in einer schwierigen Phase unseres Unternehmens", sagte Palmer. Aufgrund der positiven Entwicklung des vergangenen Jahres und fortlaufender Unterstützung durch Investoren sei das Management jedoch zuversichtlich, die Geschäfte mit einer gestärkten Gesellschaft und einer Kostenstruktur, die dem Marktumfeld Rechnung trage, aufnehmen zu können.

Gespräche mit potentiellen Partern laufen

Das Landgericht Amsterdam hatte die Entscheidung über die Eröffnung des Anschlusskonkursverfahrens am vergangenen Freitag auf den heutigen Donnerstag vertagt. Unterdessen war mit Primus-Online ein weiterer Interessent für den Kauf von Teilen des angeschlagenen Unternehmens bekannt geworden.

Gespräche zwischen Letsbuyit und möglichen anderen Partnern wie dem französischen Internethändler Dealpartners.com und der norwegischen Firma CoShopper laufen nach Angaben von Kreisen aus dem Umfeld der Unternehmen weiter, hatte es vergangene Woche geheißen.

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