Anleger wetten auf Clinton-Sieg Je später der Wahlabend, desto höher der Dow

Am Tag der US-Wahl halten sich Anleger weitgehend zurück. Das gilt für die Börsen Amerikas, aber auch die europäischen Handelsplätze. Im späten Handel dreht der Dax ins Plus - Anleger wetten auf Hillary Clinton.

Die Wall Street zittert gespannt dem Ausgang der US-Präsidentenwahl entgegen. "Heute ist Warten angesagt, bis das Ergebnis der Wahl vorliegt", sagte Peter Cardillo, Chef-Marktökonom vom Broker First Standard Financial am Dienstag in New York. Die Börsen setzen auf die Demokratin Hillary Clinton, die für Kontinuität steht und der auch die größeren Siegchancen eingeräumt werden. Donald Trump von den Republikanern gilt dagegen als unberechenbar und Investorenschreck. Allerdings rechnet auch in den USA die Mehrzahl der Anleger mit einem Sieg von Hillary Clinton: Bis 20.30 Uhr MEZ, also 90 Minuten vor Handelsschluss, baute der US-Leitindex Dow Jones seine Gewinne auf knapp 100 Punkte (0,6 Prozent) aus und notierte klar über der Marke von 18.300 Zählern. Auch die US-Technologiebörse Nasdaq legte im späten Handel zu.

Auch an den europäischen Märkten setzen Anleger auf einen Sieg von Clinton. Der Dax  drehte im späten Handel um 0,2 Prozent ins Plus und schloss nur knapp unter 10.500 Punten. Zu den größten Gewinnern gehörten Post, BASF, Linde und Heidelberger Cement.

Bei den Einzelwerten an der Wall Street standen die Aktien von Hertz im Mittelpunkt. Sie stürzten um mehr als 40 Prozent ab, nachdem der Autovermieter seine Gewinnprognose drastisch zurück gestutzt hat. Für Valeant ging es um 26 Prozent nach unten. Der Pharmakonzern verfehlte im abgelaufenen Quartal die Analystenerwartungen und senkte seine Umsatz- und Gewinnprognose. Schwächere Aussichten setzten auch der Drogeriekette CVS zu - die Aktie brach um 15 Prozent ein.

Dax im Plus, Post und Henkel nach Zahlen gefragt

Die Berichtssaison setzte sich mit den Quartalszahlen der Deutschen Post  und von Henkel  fort. Dank des boomenden Online-Handels meldete der Bonner Logistikkonzern einen überraschend hohen operativen Quartalsgewinn, was der Aktie den Spitzenplatz im Dax brachte. Sie stieg um 1,87 Prozent auf 28,82 Euro. Das Rekordhoch bei 31,185 Euro vom April 2015 rückt damit wieder ein Stück näher.

Die Henkel-Papiere gaben dagegen nach anfänglich deutlichen Gewinnen um 0,40 Prozent nach, hatten allerdings erst im September ein Rekordhoch erreicht. Der Konsumgüterkonzern meldete wenig überraschende Zahlen zum dritten Quartal. Die Geschäfte mit Wasch- und Reinigungsmitteln liefen - unter anderem gestützt durch Zukäufe - weiter rund.

Papiere von RWE  hielten mit minus 3,52 Prozent die rote Laterne im Leitindex. Händler verwiesen auf ein Interview des "Handelsblatts" mit Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. Dieser blickte vorsichtig auf die für den Konzern wieder bessere Lage auf dem Strommarkt, zweifelte aber die Nachhaltigkeit dieser Tendenz an.

Im MDax büßten die Anteilsscheine des Großküchengeräte-Herstellers Rational  nach der Vorlage des Geschäftsberichts 2,39 Prozent ein und zählten damit zu den Schlusslichtern im Index der mittelgroßen Werte. Im SDax fielen die Aktien von ElringKlinger nach erneut enttäuschenden Quartalszahlen um 6,80 Prozent und erreichten ein Sieben-Jahres-Tief. Zudem hatte der Autozulieferer sein Jahresziel für das operative Ergebnis an das Ende seiner Prognosespanne angepasst.

Zu den wenigen Aktien mit Aufwärtsbewegung gehören die Papiere von United Internet - mit einem Kursplus von zuletzt 4,5 Prozent lagen sie einsam an der Spitze des TecDax. Vor der Nachricht hatten die Papiere des Internetunternehmens leicht im Minus gelegen. United Internet hatte überraschend mitgeteilt, Warburg Pincus erwerbe für bis zu 450 Millionen Euro ein Drittel der Anteile an der Sparte für Geschäftsanwendungen (Business Applications). Für diesen Geschäftsbereich hatte Vorstandschef Ralph Dommermuth ohnehin eine Abspaltung oder einen Börsengang im Auge. Letzterer bleibe in den kommenden Jahren möglich, hieß es.

FBI-Chef Comey entlastet Clinton - und erntet Kritik von allen Seiten

Anleger reagierten erleichtert darauf, dass die Bundespolizei FBI nach weiteren Ermittlungen in Clintons E-Mail-Affäre keine Anhaltspunkte für eine Anklage fand. Eine Prüfung der E-Mails habe keine Hinweise auf ein kriminelles Verhalten Clintons ergeben, teilte der Chef der Bundespolizei FBI, James Comey, am Sonntag in einem Brief an Kongressmitglieder mit. Während Anleger durchatmen, nimmt die Kritik an Comey zu: Bereits vor einer Woche geriet Comey vor allem im Lager der Demokraten in die Kritik, als er kurz vor der Wahl von den neuen Ermittlungen in Clintons E-Mail-Affäre berichtete. Selbst US-Präsident Obama rügte das Vorgehen, ohne Comeys Namen zu nennen. Nun gibt Comey Entwarnung - und zieht sich damit den Zorn der Republikaner zu. Das Handling der E-Mail-Affäre und das Timing der jüngsten Veröffentlichungen lassen Zweifel wachsen, ob Comey der richtige Mann für das Amt des FBI-Chefs ist, hieß es am Montag. Er dürfte unabhängig vom Ausgang der Wahl stark unter Druck geraten.

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