Sonntag, 25. August 2019

Notenbank in der Klemme Warum EZB-Chef Draghi eine Atempause nimmt

Ruhige Hand: EZB-Chef Mario Draghi

Die EZB hat den Leitzins wie erwartet bei Null belassen. Das Anleihen-Kaufprogramm wurde entgegen der Erwartungen zunächst nicht verlängert: EZB-Chef Draghi besteht darauf, dass die eingeleiteten Maßnahmen bereits wirken. Es geht auch um Glaubwürdigkeit der EZB.

Europas Währungshüter legen vorerst nicht nach - obwohl das viele billige Geld der EZB die Teuerung nicht wie gewünscht anschiebt. Das Anleihenkaufprogramm wird entgegen der Erwartung vieler Volkswirte zunächst nicht über März 2017 hinaus verlängert. Es gebe "derzeit keinen Bedarf" für einen weiteren geldpolitischen Stimulus, sagte EZB-Chef Mario Draghi während der Pressekonferenz der EZB in Frankfurt. Damit enttäuschte er viele Investoren, die europäischen Börsen drehten ins Minus. Für die EZB geht es jedoch vor allem darum, ihre Glaubwürdigkeit zu behalten. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen der EZB zeigten bereits Wirkung, beteuerte Draghi. Daher sehe er derzeit keinen Anlass für eine Ausweitung des Programms.

Auch an der Zinsschraube drehte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner Sitzung am Donnerstag nicht. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent.

Dax fällt, Euro steigt

Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Anleger hatten eine Ausweitung des Anleihe-Kaufprogramms erwartet: Der Dax Börsen-Chart zeigen baute unmittelbar nach der EZB-Entscheidung seine Verluste auf 1,1 Prozent aus und fiel deutlich unter die Marke von 10.700 Zählern.

Der Euro Börsen-Chart zeigen stieg im Gegenzug gegenüber dem US-Dollar um 0,8 auf ein Tageshoch und notierte zuletzt bei 1,1396 US-Dollar.

Inflation und Wachstum bleiben schwach - dennoch hält EZB still

Zwar bleiben Inflation und Wachstum in der Eurozone schwach. Doch Notenbank-Präsident Mario Draghi sieht zur Überraschung vieler Ökonomen genügend Gründe, die Füße zunächst still zu halten.

Warum lockert die EZB die Geldpolitik dieses Mal nicht?

Nach dem Brexit-Votum in Großbritannien wollte die Notenbank abwarten, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Nun hat die EZB neue Prognosen vorgelegt: Sie glaubt, dass die Konjunktur im Euroraum dieses Jahr sogar etwas stärker zulegen wird als noch im Juni vorhergesagt. Die Aussichten für 2017 und 2018 sind fast unverändert positiv. Auch die Inflationsprognosen haben sich kaum geändert. Die Verbraucherpreise im Währungsgebiet dürften nach Einschätzung der EZB in den nächsten Monaten allmählich steigen. Für weitere Stimuli sehe er derzeit keinen Anlass, sagte Draghi.

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