US-Konjunktur Harte Landung wird nicht mehr ausgeschlossen

Die Kapitalmärkte sind verunsichert: Eine "harte Landung" wird immer wahrscheinlicher.

Frankfurt am Main - Das Wirtschaftswachstum in den USA soll sich nach dem Höhenflug der Vorjahre langsam und moderat abschwächen. Jedoch wollen immer mehr Ökonomen auch eine harte Ladung und sogar eine Rezession nicht ausschließen. Insbesondere die am vergangenen Donnerstag erfolgte Korrektur des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal von 2,4 Prozent auf 2,2 Prozent hat die Pessimisten bestärkt.

Betont wird aber auch, dass die Finanzpolitik und insbesondere auch die US-Notenbank die Möglichkeit habe, einer harten Landung entgegenzuwirken.

Noch hilft ein günstiger Arbeitsmarkt

Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank, rechnet nicht mit einer Rezession in den USA. Die deutlich Abschwächung der US-Konjunktur sei zwar unumstritten, die Wirtschaftsindikatoren ließen aber eher eine weiche Landung erwarten.

Der Experte sieht für das kommende Jahr keinen deutlichen Rückgang des privaten Konsums, wie von vielen Marktbeobachtern befürchtet. "Gegen einen Einbruch der privaten Konsumausgaben spricht vor allem die aus Sicht der Beschäftigten sehr günstige Arbeitsmarktsituation." Der private Verbrauch werde 2001 daher real etwa im Einklang mit dem Einkommen expandieren.

Durch fallende Energiepreise sei zudem eine Entlastung zu erwarten. Unternehmensinvestitionen dürften sich angesichts der weniger günstigen Absatz- und Ertragsaussichten zwar abschwächen, aber ein Einbruch sei nicht zu erwarten. Die Wohnungsbaubeginne im September/Oktober hätten eine Stabilisierung der Situation in der Bauwirtschaft angekündigt.

Eine Gefahr für die Konjunktur sieht der Experte in einer "Abwärtsspirale der Erwartungen sei zwar unumstritten. Wenn sich das Geschäftsklima weiter verschlechtere, bliebe dies auch an den Aktien- und Devisenmärkten nicht ohne Folgen. Dies könnte zu einem Vertrauensverlust der privaten Anleger und zu einer höheren Sparneigung führen. "Für diesen Fall hätten jedoch die Fed und die Finanzpolitik ihr Pulver trocken gehalten".

Finanzprobleme belasten US-Unternehmen

Gunter Eckner, Analyst bei der Baden-Württembergischen Bank, zeigte sich deutlich pessimistischer: Er rechnet mit einer deutlichen Abkühlung der US-Konjunktur. Insbesondere die Finanzprobleme der US-Unternehmen deuteten auf ein deutliche Abschwächung hin. Eckner rechnet daher damit, dass Investoren zunehmend Geld in Europa investieren dürften.

"Alan Greenspan hat mit seiner Rede die konjunkturelle Abschwächung nochmals amtlich bestätigt." Der Analyst geht fest davon aus, dass ein "Soft Landing" nicht mehr möglich sei. Das Wachstum werde deutlich unter die Marke von drei Prozent fallen.

Selbst eine Rezession wollte er nicht mehr ausschließen. Der Analyst erwartet daher eine Senkung der Leitzinsen durch die US-Notenbank zu Beginn des kommenden Jahres. Da die positive konjunkturelle Entwicklung in den USA über 10 Jahre angedauert habe, dürfte auch die Abschwächung kein kurzfristiges Ereignis sein.

Nach Ansicht der Volkswirte der Dresdner Bank befindet sich die US-Wirtschaft auf einer Gratwanderung zwischen harter und weicher Landung. Die Anpassungsprozesse gingen mit einer Halbierung des Wirtschaftswachstums einher. Die Analysten korrigierten ihre Prognosen für das Jahr 2000 von 5,2 Prozent auf 5,1 Prozent und für 2001 von 3,4 Prozent auf 3,1 Prozent herab.

Es bestünde in den USA die Notwendigkeit Lagerbestände an ein langsameres Wachstum der US-Wirtschaft anzupassen. Hier könne es zu ein kumulativen Wirkung kommen, die auch in eine Rezession führen könne. Die Volkswirte der Dresdner Bank halten dies allerdings nicht für wahrscheinlich. Die Wirtschafts- und Geldpolitik habe genügend Möglichkeiten einer konjunkturellen Schwäche entgegenzuwirken.

"Die geringere wirtschaftliche Dynamik dürfte die US-Notenbank nicht nur - wie bisher erwartet - zu einer Zinslockerung, sondern zu mindestens zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte veranlassen."