Wall Street Angst vor der Rezession

Angesichts der schwächelnden Konjunktur sieht die US-Börse der Zukunft skeptisch entgegen.

New York - Die Wall Street geht nach jahrelangem Höhenflug und schweren Rückschlägen im Jahr 2000 mit gedämpften Erwartungen in das Neue Jahr. Die Prognosen für 2001 sind angesichts der schwächeren US-Konjunktur und der schlechteren Aussichten für die Unternehmensgewinne erheblich verhaltener als in den Vorjahren. Die amerikanischen Anleger setzen ihre Hoffnung vor allem auf Leitzinssenkungen der US-Notenbank ab Ende Januar. Niedrigere Energiepreise und ein stärkerer Euro könnten ebenfalls helfen.

Für 2001 prognostizieren einige der von der Tageszeitung "USA Today" befragten Finanzexperten einen Anstieg des NASDAQ-Index auf 2500 bis 3000 Punkte. In der angesehenen Börsenwochenzeitung "Barron's" kamen zahlreiche prominente Wall-Street-Analysten zu Wort. Ihre Prognosen für den Dow-Jones-Index reichen für Ende 2001 von 11.000 bis 13.200 Punkten. Beim S&P 500-Index tippen sie auf einen Jahresschluss-Stand 1365 bis 1715 Punkten.

Die Baisse-Vertreter erwarten allerdings vor allem im ersten Halbjahr 2001 einen weiteren Druck auf die Wall-Street-Kurse. Sie befürchten US-Rezessionsgefahren, stagnierende Unternehmensgewinne und mögliche böse Überraschungen bei den Ölpreisen.

Einbruch von Nasdaq und Dow-Jones

Im Jahr 2000 ist der Technologie-Index Nasdaq um 39,3 Prozent auf 2470,52 Punkte eingebrochen. Den zuvor schlimmsten Rückschlag hatte es 1974 mit einem Minus von 35,1 Prozent gegeben. Das Börsenbarometer hat seit seinem Rekordhoch von 5 048,62 Punkten am 10. März 2000 sogar einen Rückschlag von 51 Prozent erlebt.

Der Dow-Jones-Index ist im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent auf 10.786,85 Punkte gefallen, nachdem das Börsenbarometer im Vorjahr um 25,2 Prozent gestiegen war. Der breit gefasste Standard & Poor's 500- Index, der die Kursentwicklung von 500 der allerwichtigsten US-Firmen widerspiegelt, gab um 10,1 Prozent auf 1 320,28 Punkte nach. Der Dow und der S&P 500-Index haben im Jahr 2000 damit die stärksten Kursverluste seit 1981 erlebt.

Die US-Währungshüter unter Alan Greenspan hatten mit sechs Leitzinssenkungen seit Sommer 1999 die Wall Street und die US- Konjunktur gebremst. Hinzu kamen extrem hohe Öl- und Erdgaspreise. Der Kursverfall des Euro belastete die Gewinnentwicklung vieler international ausgerichteter US-Großkonzerne. Die Spekulationsblase bei den Internet-Aktien mit ihren absurd hohen Kursen platzte. Es wurden auch zahlreiche andere Tech-Werte mit in den Abwärtsstrudel gerissen.

Kursdebakel erwischte vor allem Internet-Firmen

Vom Kursdebakel des vergangenen Jahres waren vor allem prominente Internetaktien wie CMGI, Yahoo, Amazon.com und America Online betroffen. Viele Internetfirmen verloren mehr als 90 Prozent ihres Wertes oder mussten ganz dicht machen. Zu den großen Verlierern zählten aber auch Computerwerte wie Apple und Dell, Chipwerte wie Intel und AMD, Technologiewerte wie Lucent, Microsoft und Motorola sowie Telekomaktien wie AT&T und Worldcom. Insgesamt haben die Anleger an der Wall Street gegenüber den Rekordständen Kursverluste von drei Billionen Dollar verkraften müssen.

Die größten Gewinner im Jahr 2000 waren Zigarettenwerte wie Philip Morris, der Flugzeughersteller Boeing, Erdgaswerte wie Enron, Pharmaaktien wie Pfizer und Merck sowie Finanzaktien wie Washington Mutual, AIG und Citigroup.

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