EU-Kommission Telefonieren noch zu teuer

Fast ein Jahr nach der Öffnung der Telefonmärkte in Europa sind Ortsgespräche und der Zugang zum Internet nach Ansicht der Brüsseler noch zu teuer.

Brüssel - "Wir müssen weiter mit den Preisen runter", sagte EU-Kommissar Martin Bangemann am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage eines Berichtes zum Telekommunikationsmarkt.

In Europa hat sich die Marktöffnung nach Ansicht der Kommission für Wirtschaft und Arbeitsplätze bereits ausgezahlt. Die Preise seien deutlich zurückgegangen. Bei Ferngesprächen lägen die Niederlande mit einem Preisrutsch um 27 Prozent an der Spitze. In Deutschland seien Ferngespräche um acht Prozent billiger geworden.

In den 15 EU-Ländern gab es dem Bericht zufolge im August 1998 bereits 218 Anbieter von nationalen Telefongesprächen, davon 21 in Deutschland. Der Markt werde in diesem Jahr ein Volumen von rund 290 Milliarden Mark haben, davon rund 55 Milliarden bei Mobiltelefonen.

In Bonn kritisierte der Verband der Telekom-Konkurrenten die Bundesregierung. Sie fürchten, daß ihnen die Regulierungsbehörde den Zugang zu den Ortsnetzen erschweren will. Es zeichne sich ab, daß die Behörde am Montag den Preis für die sogenannten Teilnehmeranschlußleitung im Sinne der Telekom festlegen werde, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Hans-Peter Kohlhammer.

Die Telekom fordert von ihren Konkurrenten eine Monatsmiete von 47,26 Mark, wenn diese Firmen Kunden über einen Hausanschluß der Telekom mit ihrem eigenen Netz verbinden wollen. Zu diesem Preis könnten neue Anbieter keine Privatkunden im Ortsbereich gewinnen, kritisierte der Verband. Die Summe aus Anschlußmiete und Gebühr für die Durchleitung von Gesprächen würden dann allein um 15 bis 20 Mark über dem Volumen einer mittleren Telefonrechnung eines Privatkunden liegen. Überhöht sei auch die Forderung der Telekom von einmalig 630 Mark für die Umschaltung eines Teilnehmers auf ein anderes Netz.



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