Hoechst/Rhône-Poulenc Fusion offenbar perfekt

Der Zusammenschluß der beiden Unternehmen zu einem der weltgrößten Pharma-Konzerne scheint nahezu abgeschlossen zu sein. Die Pharma-Riesen hatten am Mittwoch lediglich eingeräumt, Verhandlungen zu führen.

Frankfurt/Hoechst - Bereits am Montag will der Hoechst-Vorstandsvorsitzende Jürgen Dormann die Vertreter der Belegschaft informieren. Auch die Repräsentanten der Hoechst-Arbeitnehmer im Aufsichtsrat wollen am Montag zusammenkommen, um die Lage zu beraten. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Erst nach diesen Gesprächen soll die Öffentlichkeit über die bevorstehende deutsch-französische Großfusion unterrichtet werden.

Nach wochenlanger Spekulation haben Hoechst und Rhône-Poulenc am Mittwoch erstmals bestätigt, daß sie Gespräche über eine Fusion ihrer Life-Sciences-Aktivitäten führen. Gemeint sind damit die Sparten Pharma sowie Ernährung und Agrarchemie. "Ob die Verhandlungen zu einem Erfolg führen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sicher", hieß es zum Abschluß der sechszeiligen gemeinsamen Erklärung.

Bei den Betriebsräten und der Chemiegewerkschaft BCE regt sich zunehmend Widerstand gegen die bislang durchgesickerten Fusionspläne. "Wir werden einer Zellteilung von Hoechst in die Sparten Pharma und Chemie nicht zustimmen, wenn anschließend die Filetstücke verhökert werden", kritisierte der hessische IG BCE-Vorsitzende Rainer Kumlehn. Der Hoechst-Aufsichtsrat soll am 8. Dezember das "Go" für die Aufspaltung des Hoechst-Konzerns in die beiden Standbeine Pharma/Agrar sowie Industriechemikalien unter dem Dach der neuen Celanese AG geben.

Gegen diese von Dormann vorgeschlagene "selbstgesteuerte Zellteilung von Hoechst" wollen die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat Widerstand leisten, wenn die bislang bekannt gewordenen Details über die bevorstehende Fusion von Hoechst mit Rhône-Poulenc stimmen sollten. In diesem Zusammenhang nannte Kumlehn den künftigen Firmensitz, der nach französischen Presseberichten in Straßburg liegen soll. "Das wäre eine Flucht aus der deutschen Mitbestimmung", sagte Kumlehn.

Unterdessen wird davon ausgegangen, daß der faktische Zusammenschluß der beiden Chemiekonzerne erst zu einem späteren Zeitpunkt vollzogen werden soll. Zunächst müßten Hoechst und Rhône-Poulenc sich von ihren Aktivitäten auf dem Gebiet der Industriechemikalien trennen. Nach Darstellung des "Wall Street Journal" bestand bis zuletzt auch das Problem, eine 50:50-Fusion zustande zu bringen, da die Pharmasparte von Hoechst ein deutlich höheres Gewicht als beim französischen Partner habe.

Eine deutsch-französische Pharma-Fusion würde einen neuen Riesen im internationalen Arzneimittelgeschäft schaffen. Mit einem Umsatz von 23,8 Milliarden Mark allein in diesem Geschäftsfeld könnte sogar die bisherige Nummer eins, die amerikanische Merck-Gruppe, von der Spitzenposition verdrängt werden.

Hinzu kommt das zweite Standbein Agrarchemikalien und Ernährung, das künftig von Frankreich aus geführt werden soll. Belastend für ein Zusammengehen wirken sich allerdings gemeinsame Finanzschulden von annähernd 30 Milliarden Mark aus. "Da beide Unternehmen erhebliche Probleme haben werden, einen anderen Partner für eine sinnvolle Fusion zu finden, in der die Kräfteverhältnisse ausgewogen wären, halten wir den Zusammenschluß für höchstwahrscheinlich", lautet auch die Überzeugung der Finanzanalysten der Westdeutschen Landesbank.

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