Freitag, 5. Juni 2020

Privilegien der Staatsdiener (III) Beamtenkinder sind mehr wert

2. Teil: Normalbürger erhalten nur Steuern zurück - Beamte aber mit Kinderzuschlag ein echtes "Kindergeld"

Während Normalbürger für ihren Nachwuchs lediglich zu viel gezahlte Steuern vom Finanzamt erstattet bekommen und ihnen dies unter der irreführenden Bezeichnung "Kindergeld" als staatliche Wohltat verkauft wird, erhalten Beamte ein wirkliches Kindergeld - nämlich einen Zuschlag zu ihrer Besoldung, den Kinderzuschlag.

Der Kinderzuschlag beträgt 111 Euro für das erste und für das zweite Kind und 347 Euro für das dritte sowie jedes weitere Kind. Für Beamte im einfachen Dienst gibt es darüber hinaus noch zusätzliche Erhöhungsbeträge. Der Kinderzuschlag ist an das Kindergeld gekoppelt. Fällt das Kindergeld weg, entfällt automatisch auch der Kinderzuschlag.

Insgesamt erhält beispielsweise ein Beamter mit zwei Kindern einen monatlichen Zuschlag in Höhe von 222 Euro, ein Beamter mit vier Kindern erhält 916 Euro im Monat - wohlgemerkt nur für die Kinder, der Ehegattenzuschlag geht extra.

Zudem werden die Zuschläge nicht anstelle des regulären Kindergeldes gezahlt, sondern zusätzlich. Wie auch der Ehegattenzuschlag ist allerdings auch der Kinderzuschlag nicht steuerfrei.

Für einen Beamten im mittleren Dienst, der drei Kindern hat, summieren sich die Kinderzuschläge im Laufe von 25 Jahren auf 170.000 Euro. Das entspricht bei einem Durchschnittsverdiener im Angestelltenverhältnis in Vollzeit der Arbeitsleistung von vier Jahren.

Entweder alle Eltern erhalten den Zuschlag - oder er wird gestrichen

Es stellt sich die Frage, weshalb alle Steuern zahlenden Nicht-Beamten, all die Handwerker, Buchhalter und Hilfsarbeiter, den Beamten eigentlich so viel Geld schenken (müssen) - für nichts.

Ein legitimer Anspruch auf die diversen Zuschläge und Vergünstigungen ist in der heutigen Zeit jedenfalls nicht zu erkennen.

Buchtipp
Tectum Verlag
Torsten Ermel
Beamte - Was die Adeligen von heute wirklich verdienen

Tectum, März 2016, 237 Seiten, broschiert, 16,95 Euro

Jetzt kaufen



Beamte sind die neuen Adeligen. Das behauptet der Autor Torsten Ermel in seinem neuen Buch, in dem er detailliert vorrechnet, welche Privilegien die Staatsdiener gegenüber „normalen“ Arbeitnehmern genießen.
Die Gründe für die zahlreichen Privilegien liegen in den "hergebrachten Grundsätzen" des Beamtentums, also wieder einmal im Alimentationsprinzip. Ein Beamter mit Kindern, so die ursprüngliche Idee, soll nicht schlechter leben als ein Beamter ohne Kinder. Wenn die Familie wächst, sollte dadurch der Lebensstandard nicht übermäßig sinken. Es ist also ein sehr sozialer Grundgedanke, der hinter dem Kinderzuschlag steckt.

Nicht zu rechtfertigen ist allerdings, dass der Staat diese soziale Leistung nur einem Teil der Bevölkerung gewährt, nämlich den Beamten, und nicht allen Bürgern. Für eine gerechte Familienpolitik gibt es deshalb nur zwei Möglichkeiten: Entweder alle Eltern erhalten den Kinderzuschlag - oder er wird auch den Beamten gestrichen.

Der Autor ist Mitglied der AfD. Er legt Wert auf die Feststellung, dass seine Texte seine persönliche Meinung wiedergeben und nicht Ausdruck einer Parteilinie sind.


Die Privilegien der Staatsdiener - Alle Teile
Teil I: Die Privilegien der Beamten
Teil II: Die Luxus-Pensionen der Beamten
Teil III: Beamtenkinder sind mehr wert
Teil IV: Wie das Finanzamt Beamte begünstigt
Teil V: Wie Beamte fair bezahlt werden – ein Plädoyer

Seite 2 von 2

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung