Börse Technologie- und Bankentitel die großen Verlierer

Die deutschen Aktien bleiben auf Abwärtskurs und schlossen am Donnerstag im Minus.

Der Dax gab 2,27 Prozent auf 6469 Punkte ab. Die Wachstumswerte im Nemax-50 verloren 3,99 Prozent auf 3291 Zähler. Auch die Nebenwerte im M-Dax büßten 0,26 Prozent auf 4741 Zähler ein. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland mit 1,1 Prozent, die Nasdaq mit 2,6 Prozent im Minus.

Turbulenzen bei Technologie- und Bankenaktien

Verluste bei den Technologieaktien und den Bankenwerten haben schwer auf dem Dax gelastet. Neben Gewinnwarnungen der US-Großbanken Chase Manhattan und J.P. Morgan setzte zusätzlich eine Herabstufung des europäischen Bankensektors durch die Investmentbank Goldman Sachs den deutschen Finanzwerten gehörig zu. Die Nachricht, dass sich der Technologiekonzern Siemens von seiner Halbleitertochter Infineon trennen will, sorgte wiederum für schwere Turbulenzen bei den deutschen Hochtechnologie-Aktien.

Hexensabbat statt Weihnachtsrallye

Die schwachen US-Börsen versetzten den ohnehin schon angeschlagenen deutschen Aktien einen weiteren Schlag nach unten. "Keiner weiß so recht, wie es an den europäischen und amerikanischen Börsen weitergehen soll", sagte ein Händler der Baden-Württembergischen Bank. "Eins ist jedoch sicher: Die Weihnachtsrallye können wir uns abschminken".

Am Tag vor dem so genannten "dreifachen Hexensabbat" seien die Kurse zudem bereits stark von verfallenden Terminkontrakten geprägt gewesen, sagte ein Stuttgarter Börsianer. "Die Marktteilnehmer scheinen ein Niveau von etwa 6500 Punkten anzupeilen", fügte er hinzu.

Bei der Siemensfamilie hängt der Haussegen schief

Bei den Dax-Werten gerieten vor allem Infineon in Schieflage. Verantwortlich für den Rutsch an das Ende des Dax waren neben der Trennungsnachricht von der Siemens-Mutter auch eine Abstufung der Aktien durch die Wertpapierhandelsbank Lehman Brothers. Infineon sackten um 7,18 Prozent auf 47,16 Euro. Siemens gaben 2,52 Prozent auf 139,20 Euro nach, und Epcos verbuchten einen Kursabschlag von 2,59 Prozent auf 105,10 Euro.

Ebenfalls weit abgeschlagen notierten zum Börsenschluss die Finanztitel. Deutsche Bank verloren 5,04 Prozent auf 86,70 Euro und Dresdner Bank sanken um 3,05 Prozent auf 45,80 Euro. Die Papiere der Commerzbank verbilligten sich um 1,98 Prozent auf 29,70 Euro.

Adidas und ThyssenKrupp halten die Fahne hoch

Zu den wenigen Glanzlichtern im Dax gehörten Adidas Salomon mit plus 5,22 Prozent auf 66,17 Euro. Auch ThyssenKrupp konnten sich dem allgemeinen Abwärtstrend entgegenstemmen und notierten um 2,06 Prozent fester bei 16,82 Euro.

Bei BASF stimmt die Chemie nicht mehr

BASF verteuerten sich um 0,44 Prozent auf 46,10 Euro. Mehrere Zeitungen hatten berichtet, der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern werde seine Pharmasparte für rund 13 Milliarden Mark an den US-Pharmakonzern Abott Laboratories verkaufen. Nach Marktgerüchten plant der Konzern, am Freitag den Verkauf anzukündigen. BASF lehnte hierzu eine Stellungnahme ab.

Verluste der Schwergewichte belasten Neuen Markt

Am Neuen Markt zogen vor allem die Schwergewichte den Index "an den Hinterbeinen" nach unten, sagte Steffen Krautwald, Händler bei der Hamburger Bank M.M. Warburg.

Intershop fielen um 11,36 Prozent auf 39 Euro, nachdem die Analysten der Deutschen Bank die Aktien des Hamburger Software-Unternehmens von "Kaufen" auf "Marketperformer" herunter gestuft hatten.

Die Werte der Telekom-Tochter T-Online büßten 2,76 Prozent auf 15,85 Euro ein. Der Internet-Provider litt unter der Ankündigung der Mutter, vom 15. Dezember an auch der Konkurrenz eine so genannte Flatrate für die Internetnutzung anzubieten.

Fantastic auf Berg- und Talfahrt

Einen turbulenten Tag erlebten die Aktionäre von Fantastic-Papieren. Die Aktien des Internet-Infrastruktur-Anbieters aus der Schweiz sackten am Vormittag deutlich ab, um dann wieder deutlich anzusteigen. Nach den Vortagesgewinnen litt der Wert anfangs unter Gewinnmitnahmen, sagten Händler. Nun werde er aber wieder "gepuscht". Am Ende verteuerten sich Fantastic um 6,18 Prozent auf 2,92 Euro.

Ricardo.de feiert Abschied mit Zugewinnen

Mit einem deutlichen Plus von 7,63 Prozent auf 10,44 Euro beendeten Ricardo.de den vorletzten Tag im Nemax-50. Das Internet-Auktionshaus fiel der Neugewichtung der Indizes durch die Deutsche Börse "zum Opfer". Vom kommenden Montag an gehört Ricardo.de nicht mehr den Top-50-Werten an, sondern wird dann nur noch im Nemax-All-Share notiert.

Ebenfalls deutlich zulegen konnten Computec, obwohl das Unternehmen im Geschäftsjahr 1999/2000 den Verlust beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 9,6 Millionen Mark erhöhte. Vor einem Jahr lag das Minus noch bei 1,8 Millionen Mark. Computec verteuerten sich um 7,78 Prozent auf 8,73 Euro.

Letbuyit.com wieder auf dem Boden der Tatsachen

Der Shootingstar vom Mittwoch, Letbuyit.com - am Vortag hatte er noch über 200 Prozent zugelegt - wurde am Donnerstag wieder von der harten Börsenrealität eingeholt. Das Papier verlor deutlich um 23,62 Prozent auf 1,52 Euro.

Rentenmarkt und Euro stärker

An den wichtigsten europäischen Börsenplätzen ging es ebenfalls abwärts. Der EuroStoxx 50 sank in Paris um 1,62 Prozent auf 4810 Punkte.

Der Rentenmarkt erzielte dagegen leichte Gewinne. Der zehnjährige Bund Future kletterte um 0,1 Prozent auf 108,03 Punkte und der Rentenindex Rex verzeichnete ein Plus von 0,1 Prozent auf 111,96 Zähler. Die Deutsche Bundesbank setzte die Umlaufrendite bei 4,92 (Mittwoch 4,98 Prozent) fest. Der Euro war am Frankfurter Devisenmarkt 0,8898 Dollar wert. Damit kostete die US-Währung 2,1981 Mark.