Euro Wegen schwacher US-Aktienmärkte gut behauptet

Schwache US-Börsen und weniger die EZB-Entscheidung halfen dem Euro am Donnerstag auf die Beine.

Frankfurt am Main - Sorgen wegen der erneut schwachen US-Aktienbörsen und der sich abkühlenden amerikanischen Konjunktur haben am Donnerstag den Dollar gedrückt und dem Euro kurz vor Börsenschluss in Deutchland auf ein Tageshoch von 0,8888 Dollar verholfen. Der Dollar kostete damit 2,20 Mark.

Markt reagiert kaum auf EZB-Entscheidung

Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen in der Euro-Zone und den Referenzwert für das Wachstum der Geldmenge M3 unverändert zu lassen, entsprachen nach Angaben von Händlern den Erwartungen und lösten somit keine Reaktion am Markt aus. Auch der Sieg des Republikaners George W. Bush bei den US-Präsidentwahlen habe im Verlauf keine große Rolle mehr gespielt, weil dieser in den Kursen vorweggenommen gewesen sei. Händlern zufolge lösten die erneuten Kursverluste an der Wall Street Sorgen unter den Anlegern über die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA aus. Der Dow Jones rutschte 1,1 Prozent auf 10.670 Zähler ab, der Nasdaq-Index fiel um 1,8 Prozent auf 2772 Zähler. US-Händler führten die schlechte Stimmung der Aktienbörsen auf Gewinnwarnungen von Finanzunternehmen zurück.

Allerdings wiesen Analysten darauf hin, dass die neuen US-Konjunkturdaten belegten, dass die Abschwächung des Wachstums offenbar nicht so ausgeprägt ist, wie von vielen bislang angenommen. So waren die Erzeugerpreise im November mit Plus 0,1 Prozent nach einem Anstieg von 0,4 Prozent im Vormonat wie erwartet ausgefallen und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 9. Dezember sogar wieder auf 320.000 von 352.000 in der Vorwoche gefallenen.

Europäische Zentralbank lässt Leitzinsen unverändert

Der EZB-Rat hatte die Leitzinsen in der Euro-Zone unverändert gelassen. Zugleich ließen die Währungshüter bei ihrer jährlichen Überprüfung den Referenzwert für das M3-Geldmengenwachstum von 4,5 Prozent unverändert. Volkswirte zeigten sich davon nicht überrascht. Die Beschlüsse der Währungshüter seien erwartet worden, hieß es.

EZB-Entscheidung wird unterschiedlich interpretiert

Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf sagte:"Das Argument für eine M3-Erhöhung, ein stärkerer Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes als von der EZB bisher angenommen, war auch schon im vergangenen Jahr vorgebracht worden, als die EZB den Wert ebenfalls nicht änderte". In der Euro-Zone seien außerdem keine New-Economy-Effekte zu beobachten, die ein höheres Wachstumspotenzial schafften.

Lehman Brother befürchtet Zinserhöhung

Klaus Baader von Lehman Brothers in London zeigte sich dagegen enttäuscht und argumentierte, sowohl die gestiegene Umlaufgeschwindigkeit als auch das höhere Wachstumspotenzial hätten eine Erhöhung des Referenzwertes gerechtfertigt. Nun sei eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlich, weil die Geldmenge auch künftig noch stärker als der Referenzwert wachsen und damit auf Inflationsgefahren hinweisen wird.

Märkte hatten Bush-Sieg bereits eingepreist

Händlern zufolge war der Sieg von Bush von den Märkten bereits weitgehend einkalkuliert worden. "Der Markt hat eine Niederlage von Gore bereits eingepreist. Einige Händler haben seine Rede sogar zum Anlass genommen, Dollar zu verkaufen um sich Gewinne zu sichern", sagte ein Händler einer europäischen Bank.