Börse "Schlimmer kann es kaum noch kommen"

Die Nasdaq zieht die Tech-Titel in den Keller. Die Vertrauenskrise am Neuen Markt erreicht einen neuen Höhepunkt.

Frankfurt am Main - Starke Kursverluste bei Technologietiteln haben die deutschen Standardaktien am Montag deutlich ins Minus gedrückt. Am Neuen Markt belastete vor allem das Index-Schwergewicht EM.TV den Nemax-50. Der Index verlor knapp 5,9 Prozent auf 3039 Punkte. Das Papier selbst stürzte um 36,69 Prozent auf 10,25 Euro ab. Das Unternehmen hatte "desaströse" Neun-Monatszahlen vorgelegt.

Der Dax gab zum Börsenschluss in Frankfurt 1,61 Prozent auf 6408 Punkte nach. Der M-Dax aus den 70 wichtigsten Nebenwerten verlor 1,33 Prozent auf 4582 Zähler. Die US-Börsen entwickelten sich uneinheitlich. Der Dow-Jones-Index legte in New York zuletzt um rund zwei Prozent zu. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index konnte sich von seinen Anfangsverlusten erholen und pendelte um seinen Freitagsschluss.

Tech-Aktien im Nasdaq-Sog abwärts

Im Sog der zunächst negativen Nasdaq kamen auch die deutschen Technologieaktien im Dax unter die Räder. Das Papier des Walldorfer Softwareunternehmens SAP büßte knapp 2,8 Prozent auf 158 Euro ein.

Der Titel der Siemens-Halbleitertochter Infineon verbilligte sich um ein Prozent auf 44,70 Euro. Siemens fielen um gut 2,4 Prozent auf 132,90 Euro. Auch die Aktie der Deutschen Telekom zählte zu den großen Verlierern im Index und gab etwas über 3,6 Prozent auf 35,98 Euro ab.

Bodenbildung bei DaimlerChrysler

Unter Druck standen die Versorgertitel im Dax. RWE verloren knapp 3,9 Prozent auf 49,70 Euro. E.ON büßten 2,7 Prozent auf 64,75 Euro ein. Analyst Stephan Wulf von der Privatbank M.M. Warburg führte die Kursverluste auf Gewinnmitnahmen zurück.

Ungeachtet einer Milliardenklage legten DaimlerChrysler um gut 1,5 Prozent auf 46,35 Euro zu. Die Aktie gehörte zu den wenigen Gewinnern bei den Standardwerten, nachdem sie in den vergangenen Tagen kräftig eingebüßt hatte. "Es scheint sich am Markt die Meinung durchzusetzen, dass inzwischen alles Negative im Kurs enthalten ist", sagte Aktienhändler Dirk Bach von der DG Bank.

Mit starken Kursverlusten reagierte die Aktie der Deutschen Bank auf die Ankündigung, den Konzern ab kommenden Februar neu zu organisieren. Der Titel gab 4,19 Prozent auf 81,92 Euro nach.

EM.TV-Absturz drückt Nemax-50 auf Allzeittief

Am Neuen Mark hatte der Fall des ehemaligen Börsenlieblings EM.TV am Montag zu einem Kurseinbruch geführt. Der Nemax 50 sackte erstmals in diesem Jahr unter die Marke von 3000 Punkten und markierte am Nachmittag bei 2952,53 Punkten ein neues Allzeittief. Zum Handelsende stand ein Minus von 189,17 Punkten auf 3.039,27 Zählern. Das Tageshoch lag zur Eröffnung bei 3.193,84 Punkten.

"Thema des Tages waren die Aktien von EM.TV - nun ist die Vertrauenskrise im Neuen Markt auf einen vorläufigem Höhepunkt angelangt", sagte Lambert Witzell, Händler bei M.M. Warburg in Hamburg. Damit komplettiere sich langsam die Liste der Hiobsbotschaften und enttäuschte Investoren halten sich endgültig vom Markt fern. Andererseits liege der Gedanke nahe, dass es nach dem Fall des ehemaligen Börsenstars nun kaum noch schlimmer für den Neuen Markt kommen könne.

M.M. Warburg: "Keine Entwarnung für Wachstumswerte"

Hierin sei allerdings auch noch ein wenig Zweckoptimismus enthalten. Zumindest aus technischer Sicht könne derzeit keine Entwarnung gegeben werden und nach dem Erreichen neuer Tiefstände ist derzeit keine Bodenbildung in Sicht, so Witzell.

EM.TV hatte am Freitag nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr veröffentlicht: Von den ursprünglich in Aussicht gestellten 525 Millionen Mark Gewinn vor Zinsen und Steuern sollen nach Angaben des Münchner Filmlizenzhändlers nun lediglich 50 Millionen Mark übrigbleiben. Da hierin Abschreibungen nicht enthalten seien, müssten Anleger mit deutlichen Verlusten bei EM.TV rechnen, erklärte ein Händler.

Zum Wochenauftakt wurde dann der Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV bestätigt: Der Medienriese sicherte sich 16,74 Prozent an EM.TV und besitzt 25 Prozent der Stimmrechte. Die Aktien von EM.TV brachen schließlich um 37 Prozent auf 10,20 Euro ein.

Euro profitiert von abkühlender US-Konjunktur

Der Euro reagierte auf die schwachen US-Konjunkturdaten vom Freitag mit einer kräftigen Erholung auf 0,8882 Dollar - und markierte zwischenzeitlich ein zweieinhalb-Monatshoch knapp unter 0,8930 Dollar. Am späten Nachmittag bröckelte der Kurs jedoch wieder etwas ab. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8908 (Freitag 0,8735) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1956 (2,2391) Mark.

Händlern zufolge setzt sich am Markt die Überzeugung durch, dass die amerikanische Wirtschaft rascher an Fahrt verliere, als bislang vielfach angenommen. Deshalb seien die Konjunkturdaten aus den USA auch weiterhin der Schlüssel für die Erholung des Euro.

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