US-Konjunktur Zinssenkung schon Mitte Dezember?

Sinkende US-Zinsen könnten die Aktienmärkte ab Mitte Dezember befügeln. Doch der Effekt ist nur kurzzeitig, denn die US-Notenbank erwartet einen Rückgang des Konjunktur-Wachstums in den USA.

Washington - Beim nächsten Treffen der US-Währungshüter am 19. Dezember geht es voraussichtlich nicht um Zinserhöhungen. Vielmehr erwarten Marktkenner, dass US-Notenbankchef Alan Greenspan die Wirtschaft auf Zinssenkungen vorbereitet.

Ein erstes Signal wird bereits in einer für morgen angesetzten Rede Greenspans in New York erwartet.

Zunächst muss Greenspan den bisher offiziell verfolgten Kurs ändern: Statt überhitzter Konjunktur mit möglichen Inflationsgefahren, bei der die Währungshüter mit höheren Zinsen gegensteuern, dürfte die Notenbank nun von einer sich abschwächenden Konjunktur ausgehen. Die braucht sinkende Zinsen.

Wie schnell die Zinsen gesenkt werden, hängt von den ökonomischen Daten der nächsten Wochen ab. Zeigen sie eine schnelle Abschwächung, könnte die Notenbank sogar schon am 19. Dezember mit einer Zinssenkung reagieren.

Zuletzt hatte die Notenbank Mitte November eine leichte Abschwächung der Konjunktur eingeräumt. Allerdings sei diese, so das offizielle Statement, noch viel zu schwach, um eine Reaktion der Währungshüter zu erzwingen.

Und ganz einig waren sich die Notenbanker in dieser Frage auch nicht. Einer der Mitglieder des Offenmarkt-Ausschusses, der die Zinspolitik in den USA bestimmt, musste einräumen, dass solche Äusserungen eher als Privatmeinung einzustufen seien.

Für die Aktienmärkte kommt es entscheidend darauf an, ob die stimulierende Tendenz einer Zinssenkung auf die künftigen Unternehmensgewinne höher bewertet wird als die düstere Aussicht eines sich insgesamt abschwächenden Wirtschaftswachstums.

Zumindest eine Branche dürfte bei einem Zinsschritt der Notenbank klar profitieren: Erfahrungsgemäß steigen die Kurse der Finanzdienstleister, wenn die Konditionen für das Ausleihen von Kapital billiger werden.