Crash in Athen, Gewinne in Frankfurt Panik an Athener Börse - Bankenindex fällt 30 Prozent

Von mm-newsdesk
Fotografieren statt Kaufen: In Athen erlitt der Leitindex den größten Kurssturz seiner Geschichte. Einige Bankenwerte verloren bis zu 30 Prozent an Wert, bevor sie vom Handel ausgesetzt wurden

Fotografieren statt Kaufen: In Athen erlitt der Leitindex den größten Kurssturz seiner Geschichte. Einige Bankenwerte verloren bis zu 30 Prozent an Wert, bevor sie vom Handel ausgesetzt wurden

Foto: AFP

Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause ist der griechische Aktienmarkt so stark eingebrochen wie noch nie. Der Athener Leitindex stürzte am Montag um fast 25 Prozent auf 615 Punkte in die Tiefe - der niedrigste Stand seit drei Jahren. Zahlreiche in dem Index enthaltenen Papiere sind inzwischen auf das Niveau von Penny-Stocks gefallen, kosten also weniger als einen Euro.

Besonders hart traf es die Papiere griechischer Banken: Sie stehen am Rande des Ruins, weil die Griechen in den vergangenen Wochen und Monaten aus Furcht vor dem "Grexit" - dem Ausscheiden ihres Landes aus der Euro-Zone - ihre Konten leergeräumt hatten. Die Athener Börse war das letzte Mal vor mehr als 30 Jahren - während des Zypern-Krieges 1974 - so lange geschlossen.

Händler und Fondsmanager rechnen in den nächsten Tagen mit weiteren Verlusten, vor allem bei Finanzwerten. "Es wird ein paar Tage dauern, bis der Markt wieder ins Gleichgewicht kommt", sagte ein Börsianer in Athen. Drei der fünf im heimischen Bankenindex notierten Aktien fielen am Montag um die täglich maximal möglichen 30 Prozent. Anschließend wurde der Handel mit diesen Papiere wieder vorübergehend ausgesetzt.

"Es gibt noch nicht ausgeführte Verkaufsorders im Volumen von 100 Millionen Euro", betonte Anlageberater Theodore Mouratidis. Das Debakel dürfte sich also fortsetzen.

Mehrere griechische Banken stehen vor dem Aus

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Die Athener Regierung hatte Banken und Börse Ende Juni geschlossen, als die monatelangen Verhandlungen um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen kurz vor dem Scheitern standen. Die drohende Pleite des Mittelmeer-Anrainers löste damals in weiten Teilen Europas ein Börsenbeben aus, das bis an die Wall Street und die Tokioter Börse zu spüren war. Dem Dax brockte es den größten Kurssturz seit dreieinhalb Jahren ein.

Mitte Juli einigte sich Griechenland mit seinen Gläubigern auf ein neues Hilfspaket und entging damit der Staatspleite um Haaresbreite. Kurz darauf öffneten die Bankschalter wieder, die Kapitalverkehrskontrollen wurden aber nur etwas gelockert und nicht aufgehoben. Außerdem können sich die griechischen Geldhäuser nur mit Hilfe von Notkrediten der Zentralbank über Wasser halten. Sie sollen mit Geldspritzen in Höhe von bis zu 25 Milliarden Euro aus dem geplanten dritten Hilfspaket wieder aufgepäppelt werden.

Laut einem Reuters-Bericht von Anfang Juli stehen mehrere griechische Banken vor dem Aus. Insidern zufolge könnten von den vier wichtigsten Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Bank of Piraeus und Alpha Bank nur zwei übrig bleiben. Diese Institute stehen zusammen mit Attica Bank für etwa ein Fünftel des gesamten Börsenwerts des Athener Aktienmarktes.

Beschränkungen für heimische Anleger gelten weiterhin

Dieser liegt nach dem Absturz am Montag bei gerade einmal 36 Milliarden Euro. Das Dax-Schwergewicht Bayer allein ist rund drei Mal so viel Wert. Seit Ausbruch der europäischen Schuldenkrise 2009 haben die 59 in Athen gelisteten Firmen rund drei Viertel ihrer Marktkapitalisierung verloren. Eine baldige Erholung ist nicht in Sicht, da die griechische Wirtschaft am Boden liegt. Das Stimmungsbarometer der griechischen Einkaufsmanager fiel im Juli um ein Drittel auf ein Rekordtief.

Die Wiedereröffnung der Börse Athen bedeutet nicht, dass Wertpapiere wieder nach Belieben ge- und verkauft werden können. Heimische Anleger dürfen wie der Rest der Bevölkerung maximal 60 Euro täglich von ihren Konten abheben. Käufe in beliebiger Höhe sind nur mit sogenanntem "frischen Geld" möglich, das Investoren in bar aufbewahrt haben oder aus dem Ausland erhalten. Außerdem können sie Einnahmen aus dem Verkauf von Aktien oder Anleihen sowie Dividenden zum Wiedereinstieg nutzen. Ausländer sind von diesen Einschränkungen nicht betroffen.

Leerverkäufe auch für ausländische Investoren verboten

Für alle Aktienanleger gilt dagegen das Verbot sogenannter "Leerverkäufe", das am Montag verlängert wurde. Bei diesen Geschäften leihen sich Investoren Aktien, um diese dann zu verkaufen. Dabei hoffen sie, dass sie die Papiere bis zum Ende der Ausleihfrist billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen können.

Abseits der Finanzwerte griffen am Montag erste Anleger bei griechischen Papieren wieder zu. Papiere der Telekom -Tochter OTE halbierten ihr Kursminus und notierten am frühen Nachmittag 14 Prozent tiefer bei 7,08 Euro, nachdem sie zur Eröffnung auf bis zu 5,75 Euro gefallen waren.

Angeblich keine weiteren Nothilfen für griechische Banken nötig - vorerst

Bei den griechischen Banken hat sich Insidern zufolge inzwischen wieder ein leichtes Geldpolster angesammelt. Griechenland werde daher voraussichtlich in den nächsten Wochen nicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) um mehr Nothilfen für die Institute nachfragen, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Liquiditätspuffer der Geldhäuser sei inzwischen auf rund fünf Milliarden Euro angewachsen. Als es in der Griechenland-Krise Spitz auf Knopf stand, seien es lediglich ein bis zwei Milliarden Euro gewesen. Erhöhungen der ELA-Bankenhilfen, Steuerzuflüsse sowie Zuflüsse aus dem Tourismus hätten für eine Verbesserung der Lage gesorgt.

Die griechischen Banken waren von Ende Juni an mehrere Wochen geschlossen. Bürger und Firmen hatten zuvor aus Sorge, das Land könnte aus dem Euro ausscheiden, ihre Konten leergeräumt. Den Instituten drohte das Geld auszugehen. Nur noch mit den ELA-Nothilfen der griechischen Notenbank, die die EZB genehmigt hatte, hielten sie sich über Wasser. Die Regierung dämmte schließlich die Finanzabflüsse mit der Beschränkung des Kapitalverkehrs und der zeitweiligen Schließung der Banken ein. Seit dem 20. Juli sind die Institute nun wieder offen - Kapitalverkehrskontrollen gelten aber weiter und es gibt strikte Obergrenzen für Konto-Abhebungen.

"Es gab relativ wenig Abflüsse und es gab tatsächlich eine Woche im Juli, in der es Nettozuflüsse in die Banken gab", sagte ein Insider. Die EZB genehmigte nach früheren Informationen von mit der Situation vertrauten Personen im Juli zwei mal eine Anhebung der Obergrenze für die ELA-Hilfen um je 900 Millionen Euro. Aktuell liegt der Rahmen für diese Geldspritzen bei rund 91 Milliarden Euro. Es wird erwartet, dass der EZB-Rat am Mittwoch bei seiner Sitzung erneut über die Notkredite berät.

Börse: Dax klettert, ATX bricht ein

von Hakan Ersen, Reuters

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