Donnerstag, 18. Juli 2019

Terra Firma und Deutsche Bank verkaufen Finanzinvestor ist satt - Allianz-Konsortium kauft Tank und Rast

390 Raststätten an der deutschen Autobahn: Auch Serways gehört zu Tank & Rast. Der Finanzinvestor Terra Firma, der 2004 für rund eine Milliarde Euro Tank & Rast übernommen hatte, streicht mit dem Wiederverkauf einen hohen Gewinn ein

Die Allianz kauft mit Partner-Investoren die deutsche Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast. Das Unternehmen mit seinen 390 Raststätten, 350 Tankstellen und 50 Hotels verspreche auch langfristig stabile und vorhersehbare Erträge, erklärten am Montag die Käufer - neben der Allianz Börsen-Chart zeigen eine Tochter der Münchener Rückversicherung, ein kanadischer Pensionsfonds und das Emirat Abu Dhabi. Die Deutsche Bank und der britische Finanzinvestor Terra Firma bekamen als Kaufpreis annähernd 3,5 Milliarden Euro, hieß es aus informierten Kreisen.

Versicherungen und Finanzanleger investieren wegen der niedrigen Zinsen inzwischen vermehrt in Infrastrukturprojekte, die unabhängig von der Börsenentwicklung langfristig stabile Renditen versprechen. Christian Fingerle, oberster Anleger bei Allianz Capital Partners, sagte, die neuen Besitzer wollten Tank & Rast bei seinem nachhaltigen Wachstumskurs unterstützen. Münchener-Rück-Manager Holger Kerzel betonte die attraktiven Gewinne bei überschaubaren Risiken.

Tank & Rast betreibt mit etwa 110 Pächtern die meisten Raststätten an deutschen Autobahnen. Der Bund hatte den Staatsbetrieb 1998 an ein Konsortium aus Allianz, Lufthansa und und Apax verkauft. 2004 übernahm die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma das Unternehmen für gut eine Milliarde Euro, 2007 stieg die Deutsche Bank mit einer 50-Prozent-Beteiligung ein.

Terra-Firma-Chef Guy Hands teilte mit, der Kauf von Tank & Rast 2004 habe schon das Fünffache des ursprünglichen Betrags eingebracht, und der Verkauf jetzt komme noch hinzu.

Die Raststättenkette hat nach eigenen Angaben seit 1998 gut eine Milliarde Euro investiert. So wurde der Toilettenbetrieb unter der Marke Sanifair modernisiert, und in der Gastronomie wurden Partner wie McDonald's oder Lavazza an Bord geholt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftetet Tank & Rast einen Umsatz von 506 Millionen und einen Betriebsgewinn von 236 Millionen Euro. Geschäftsführer Karl Rolfes kündigte am Montag weitere Investitionen in bestehende und neue Raststätten an.

Auch chinesischer Staatsfonds und australische Macquarie boten mit

Insgesamt hatten vier Bieter um Tank & Rast gebuhlt. Der chinesische Staatsfonds CIC habe ähnlich hoch geboten wie das Allianz-Konsortium, sagte ein anderer Insider. Man habe aber den Deutschen die Führung des Unternehmens eher zugetraut. Auch der australische Infrastruktur-Investor Macquarie und der italienische Autobahn-Konzessionär Atlantia hatten den Hut in den Ring geworfen.

Große Versicherer und Pensionsfonds suchen derzeit händeringend nach langfristigen Investments mit höheren Renditen, da sichere Staatsanleihen westlicher Staaten kaum noch Zinsen abwerfen.

Allianz Capital Partners war schon einmal an Tank & Rast beteiligt

Terra Firma hatte Tank & Rast kräftig umgebaut. Insgesamt sei mehr als eine Milliarde Euro in die Raststätten investiert worden, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Die Gastronomie in vielen Raststätten wurde an Ketten wie Burger King, Nordsee und McDonald's vergeben.

Rund 200 Raststätten firmieren unter der Marke "Serways". Die Toiletten an den Autobahnen wurden unter der Marke "Sanifair" umgebaut; für ihre Nutzung müssen die Autofahrer nun bezahlen.

Künftig will Tank & Rast verstärkt Autohöfe betreiben, die nicht direkt an den Autobahnen, sondern an den Ausfahrten liegen und den Raststätten Konkurrenz machen.

Im vergangenen Jahr warf Tank & Rast einen operativen Gewinn (Ebitda) von 236 Millionen Euro ab. Der Milliardenumsatz an den Autobahn-Nebenbetrieben fällt überwiegend bei den Pächtern an.

la/dpa/reuters

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