DaimlerChysler Kein Übernahmekandidat

Die aktuellen Turbulenzen bei DaimlerChrysler spülen Gedankenspiele an die Oberfläche, in denen der Konzern selbst zum Übernahmekandidaten wird. Ein Interessent könnte beispielsweise Toyota sein. Analysten beruhigen.

Stuttgart - Auf dem Frankfurter Börsenparkett kursierte das Gerücht, Toyota wolle den Deutsche-Bank-Anteil an DaimlerChrysler kaufen. Das Dementi der Beteiligten kam prompt.

Analysten und Händler zeigten sich am Mittwoch eher entspannt. "DaimlerChrysler ist kein Übernahmekandidat. Theoretisch ist das zwar möglich, aber was würde das für eine Sinn machen?", sagte Frank Biller von der Stuttgarter BW-Bank.

Ähnlich Alfred Schöngraf von Delbrück Asset Management in Frankfurt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand auf die Idee kommt, das Unternehmen zu kaufen - das wäre zu kurz gesprungen, zumal die Probleme bei Chrysler bleiben."

Sanierung kommt vor Führungsfrage

Jürgen Schrempp und sein USA-Statthalter Dieter Zetsche hätten jetzt erst einmal eine gewisse Zeit, um die angeschlagene Chrysler Group zu sanieren, hieß es an andere Stelle. Erst wenn das nicht klappen sollte, stellten sich möglicherweise weitergehende Fragen wie ein Wechsel an der Spitze des Autokonzerns.

Erwartet wird auf jeden Fall, dass der transatlantische Konzern in den nächsten Monaten erst mal das Tal der Tränen durchschreiten muss - sprich in Detroit massive Aufräumarbeiten leisten muss. Denn für das kommende Jahr werden nach Analystenmeinung bei Chrysler weiter rote Zahlen erwartet.

Deutsche Bank stößt wahrscheinlich Aktien ab

Dass die Deutsche Bank (DB), die mit 11,9 Prozent größter Einzelaktionär ist, sich irgendwann einmal von ihren DaimlerChrysler-Aktien trennen wird, ist aber so gut wie beschlossen.

Vor wenigen Tagen hatte Alex Pfeil, Chef der Tochter DB Investor, erklärt, dass die Deutsche Bank ihren kompletten Beteiligungsbesitz vergolden will. Wenn solche Veräußerungsgewinne von 2002 an steuerfrei sind, könnte damit begonnen werden. Mit sieben Prozent sind die Kuwaitis zweitgrößter Aktionär des Stuttgarter Konzerns. 57 Prozent der Aktien liegen in den Händen institutioneller Anleger, den Rest von rund 24 Prozent halten Kleinaktionäre.

Wer könnte Konzern kaufen?

Beim jetzigen schwachen Aktienkurs von etwas über 45 Euro dürfte kaum ein potenzieller Kunde auf verkaufsfreudige Aktionäre stoßen. Aber wer sollte den weltweit agierenden Autokonzern auch kaufen?

Für die Großen der Autoindustrie macht dies mangels Synergieeffekten keinen Sinn - die sind selber schon weltweit aufgestellt, meint die BW-Bank. Außerdem drohen Kartellprobleme. Und ein kleinerer Autobauer dürfte sich an dem Brocken eher verschlucken.

Der Unternehmensberater Roland Berger erklärte, eine Fusion in der Autoindustrie wie die von Daimler-Benz und Chrysler könne man nicht nach zwei Jahren beurteilen. Eine Schonfrist für DaimlerChryslers Top-Manager dürfte dies aber nicht bedeuten. Denn der Aktienkurs werde inzwischen zur Existenzfrage für Schrempp, hieß es vor wenigen Tagen in der Konzernspitze der Deutschen Bank.

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