Neuer Markt Analysten sehen Nemax-Krise auch hausgemacht

Selbstverschuldete Probleme der Unternehmen und hohe Aktienbewertungen haben nach Ansicht von Analysten die Titel der Index-Schwergewichte am Neuen Markt in letzter Zeit stark unter Druck gesetzt.

Frankfurt am Main - Der Kursverfall der besonders bei Privatanlegern beliebten Blue-Chips sei allerdings weniger der Grund für einen Vertrauensverlust in die Wachstumsbörse, sagte Götz Albert, Leiter Neuer Markt-Analyse bei Independent Research.

Vielmehr seien Anleger durch das Insolvenzverfahren von Gigabell oder die Verhaftung von Vorstandsmitgliedern bei Infomatec verunsichert. Der Abwärtstrend des Neuen Marktes kann sich Börsianern zufolge in nächster Zeit noch fortsetzen, für das kommende Jahr sei dann jedoch mit einem einer Marktbelebung zu rechnen.

Auch Aktienkurse der Blue Chips stürzen ab

Die Aktienkurse der Nemax-50-Werte EM.TV, Intershop und Consors haben sich seit Anfang September mehr als halbiert, Aixtron und Singulus verloren mehr als ein Drittel an Wert.

"Die Unternehmen mit geschäftlichen Problemen muss man von Gesellschaften, die zu hoch bewertet sind, trennen", sagte Adrian Hopkinson, Leiter Technologie Research bei West LB Panmure.

Während der Aktienkurs des Medienkonzerns EM.TV infolge von Finanz- und Managementproblemen deutlich nachgegeben habe, seien die Aktien von Aixtron, Singulus und Consors aufgrund der hohen Börsenbewertung der Unternehmen unter Druck geraten.

Die EM.TV-Aktien, die Anfang September noch mehr als 60 Euro kosteten, fielen am Mittwoch auf ein Jahrestief von 20 Euro. Aixtron notierten am 1. September noch bei 145 Euro und waren am Mittwoch für weniger als 86 Euro zu haben. Die Titel von Consors erreichten am Mittwoch ein Jahrestief von 52,10 Euro. Anfang September waren die Aktien der Direktbank noch 140 Euro wert.

Vertrauensverlust in die ehemaligen Börsenlieblinge

Die Titel des Softwareherstellers Intershop haben nach Einschätzung von Götz Albert in letzter Zeit sowohl unter einer hohen Bewertung wie auch unter einem nicht erwarteten Quartalsverlust des Unternehmens gelitten. Die Intershop-Aktien, die am 1. September noch über 100 Euro notierten, fielen am Mittwoch ebenfalls auf ein Jahrestief von 30,20 Euro.

Bei EM.TV sei durch die nachträgliche Korrektur der Halbjahreszahlen Anfang Oktober deutlich geworden, dass "sie den Finanzbereich nicht im Griff gehabt haben", sagte er. Dies habe zu Herunterstufungen durch Investmentbanken und zu Verkäufen der Titel geführt.

Der nächste Aufschwung kommt bestimmt

Dagegen sei bei Singulus, Consors und Aixtron fundamental alles in Ordnung. Die Unternehmen sind Albert zufolge sehr gut aufgestellt, allerdings an der Börse auch sehr hoch bewertet. Bei der momentan negativen Marktstimmung wollten viele Anleger ihre noch vorhandenen Gewinne mitnehmen, anstatt weitere Kursverluste zu riskieren.

West LB Panmure-Analyst Hopkinson empfiehlt langfristigen Anlegern trotz der derzeitigen Schwäche weiter auf die "Blue Chips" am Neuen Markt zu setzen. "Die nächsten zwei Monate könnten noch wackelig werden", sagte Hopkinson. Danach werde sich die Stimmung jedoch voraussichtlich wieder aufhellen.

Auch Independent Research-Analyst Albert erwartet für den Jahresanfang 2001 einen Aufschwung am Neuen Markt, von der besonders die Schwergewichte profitieren könnten. "Bis dahin könne es allerdings noch einmal runtergehen", sagte Albert.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.