Neuer Markt Nemax fällt auf Jahrestief

Krisenstimmung bei den einstigen Börsenstars: Die Wachstumswerte stürzen immer tiefer. Händler finden keine Erklärung für den Kursverfall. Auch solide Unternehmen am Neuen Markt können sich dem Abwärtssog nicht entziehen.

Frankfurt am Main - Der Neue Markt hat sich mit einem neuen Jahrestief am Mittwoch bedenklich der Marke von 3000 Punkten genähert. Am Nachmittag verlor das Barometer für die Wachstumswerte, der Nemax-All-Share, zeitweise acht Prozent auf 3024 Punkte.

Auch der Dax zeigte nach unten, allerdings fiel der Verlust mit Minus 2,51 Prozent moderater aus. Aktienexperten zeigten sich ratlos. Dieser Kurssturz am Neuen Markt sei rational nicht zu erklären, sagte Hendrik Garz von der WestLB Panmure. Einen weiteren Rutsch nach unten schloss er aber nicht aus.

Schwergewichte im Minus

Unter den Werten im Nemax 50 schlossen lediglich Edel Music, Biodata und Infomatec mit einem leichten Plus. Allerdings ist die Aktie des schwer angeschlagenen Softwareunternehmens Infomatec nach der Verhaftung der beiden Vorstandschefs nur noch Spekulationsobjekt.

Dagegen mussten sogar die Schwergewichte im Index herbe Verluste hinnehmen: Intershop fielen um über 17 Prozent, Comdirect büßte rund neun Prozent ein, EM.TV verbilligten sich um rund acht Prozent und T-Online gaben knapp fünf Prozent ab.

"Das kann man schon als Schock bezeichnen," sagte Dirk Bach von der DG Bank. Er sprach von einem Käuferstreik. Die charttechnischen Unterstützungslinien sind für Bach weg gebrochen. Je nach Entwicklung der Vorgaben aus Übersee sieht er ein Potenzial von zehn Prozent.

Trendumkehr ist nicht in Sicht

Derzeit scheine eine Trendumkehr nicht erkennbar, sagte Garz. Grundsätzlich habe sich zwar nicht viel an den positiven Aussichten der New Economy geändert. Die Investoren nähmen gegenwärtig aber die positiven Nachrichten nicht wahr.

Die Stimmung nach unten habe eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Notwendig sei ein Auslöser, der den Investoren wieder Vertrauen gebe.

Negative Vorgaben aus den USA

Von der Wall Street werden die nötigen Signale vorerst wahrscheinlich nicht kommen. Die Nasdaq hat in den vergangenen Tagen erneut unter Druck gestanden. Derzeit stehen vor allem die Internet- und Halbleiterwerte wieder unter Beschuss der Anleger und Analysten. Diesem Sog können sich die deutschen Werte nicht entziehen.

Die "schwebende Präsidentschaft" wirkt sich weiterhin sehr negativ auf die Aktienmärkte aus und erhöhen noch die Unsicherheit. Besonders angesichts der eigenen gravierenden Probleme an der Nasdaq könne jeder negative äußere Einfluss zu einem weiteren Kursrutsch führen, sagen Händler.

Marktbeobachter in New York hoffen aber, dass der anstehende Feiertag "Thanksgiving" am Donnerstag und der verkürzte Handel am Freitag wieder etwas Ruhe in den Markt bringen.

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