Michael Naumann Geht zur "Zeit"

Der Kultur-Staatsminister scheidet aus seinem Amt aus und wird Mit-Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Sein Nachfolger soll der Münchner Kulturreferent Julian Nida-Rümelin (Bild) werden.

Berlin/München - Der 45-jährige Nida-Rümelin ist seit 1993 Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Universität Göttingen sowie Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Seit Juli 1998 ist er als Kulturreferent (SPD) tätig.

Die Spekulationen über einen Wechsel Naumanns zu der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" hatten sich im Laufe des Mittwochs trotz eines Dementis von Naumann immer mehr verdichtet.

Der Eigentümer der "Zeit", die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck, teilte mit, Gespräche mit Naumann "über dessen Mitwirkung als Mit-Herausgeber" des Blattes stünden kurz vor dem Abschluss.

Naumann dementierte zunächst Gerüchte

Die stellvertretende Regierungssprecherin Charima Reinhardt kündigte am gleichen Tag eine gemeinsame Pressekonferenz von Schröder und Naumann für den kommenden Donnerstag an. Verschiedene Medien meldeten unter Berufung auf "zuverlässige Quellen", Schröder werde dabei die Entscheidung Naumanns bekannt geben. Der Kanzler hielt sich am Mittwoch in Brüssel auf und wollte nach seiner Rückkehr noch am Abend ein Gespräch mit Naumann führen.

Wenige Stunden zuvor hatte Naumann der dpa auf Anfrage versichert: "Das Gerücht mit der 'Zeit' ist uralt, es wird mir seit Jahren hinterher getragen". Für ihn gebe es keinen neuen Sachstand. "Mir geht es gut und ich denke nicht an einen Rücktritt", fügte Naumann hinzu.

Zeit-Chefredakteur geht

Die Zeitung "Die Woche" hatte gemeldet, Naumann habe Schröder bereits über seinen Wechsel zur "Zeit" informiert. Der 58-jährige Naumann solle dort neben dem Herausgeber Josef Joffe die Leitung des Blattes übernehmen, bei dem er in den 70er und 80er Jahren schon einmal journalistisch tätig war.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass der bisherige Chefredakteur der "Die Zeit", Roger de Weck (47), sein Amt Anfang des kommenden Jahres niederlegen wird. De Weck stand seit Herbst 1997 an der Spitze des Blattes. Als Grund für die Ablösung de Wecks gab die Stuttgarter Verlagsgruppe unterschiedliche Auffassungen mit Verleger Dieter von Holtzbrinck über den weiteren Ausbau der Zeitung an.

Naumanns Äußerungen sorgten für Wirbel

Mit Naumann gibt es erstmals in der Geschichte der föderalen Bundesrepublik einen Kultur-Staatsminister in der Bundesregierung. Zuvor war die Kulturförderung des Bundes einem hohen Beamten im Kanzleramt zugeordnet. Naumanns Ernennung zum Staatsminister 1998 war von einigen Ländern zunächst mit Argwohn bedacht worden. In jüngster Zeit hatte es einigen Wirbel um Äußerungen Naumanns zur Kulturhoheit der Länder gegeben.

Außerdem gab es Spannungen wegen des Engagements des Bundes bei der Hauptstadt-Kulturförderung. Naumann hatte dabei nicht nur die finanzielle Rolle sondern auch eine inhaltliche Verantwortung des Bundes herausgestellt. Turbulenzen hatten unlängst auch Gerüchte ausgelöst, Naumann wolle SPD-Spitzenkandidat der Berliner SPD werden, was ebenfalls dementiert wurde.

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