Epcos Ein "Cash Earner" und kein "Cash Burner"

Unternehmenschef Klaus Ziegler meldet Rekordzahlen. Doch die Börse honoriert das nicht. Er macht die selben Erfahrungen wie die anderen Mitglieder der Siemens-Familie.

München - Ziegler präsentierte am Mittwoch einen Umsatzrekord und eine Verdreifachung des Gewinns für den Bauelemente-Spezialisten. In Feierstimmung kam die Börse deshalb nicht.

Denn Ziegler räumte angesichts früherer Preisverfälle und Überkapazitäten in der Branche auch ein: "Die Gefahr eines Schweinezyklus ist da." Epcos sei für mögliche, derzeit noch nicht absehbare Abschwünge aber besser aufgestellt als die Konkurrenten.

Bei Siemens und Infineon war der Kurs bei den Vorlage der Rekord-Zahlen für das Geschäftsjahr 1999/2000 sogar deutlich eingebrochen. Bei Epcos rutschte der Kurs am Mittwoch nach einem freundlichen Start trotz der Rekordzahlen noch einmal leicht ab auf 89 Euro.

Ergebnisse über den Erwartungen

"Die Ergebnisse, die Epcos vorgelegt hat, lagen über meinen Erwartungen", sagte zwar Theo Kitz, Analyst bei der Privatbank Merck Finck. Auch die durchschnittlichen Gewinnschätzungen der übrigen Analystenschar wurden übertroffen.

Die Börse reagierte aber verschnupft, weil die Technologieunternehmen im laufenden Geschäftsjahr das hohe Wachstumstempo wohl nicht ganz beibehalten können. Ziegler rechnet bei EPCOS mit einem Umsatzplus von 25 bis 35 Prozent.

Im Geschäftsjahr 1999/2000 (30. September) steigerte der Konzern den Umsatz um 63 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss kletterte gar um 217 Prozent auf 240 Millionen Euro. "Es ist klar, dass 1999/2000 ein Spitzenjahr war, das nicht wiederholt werden kann", sagte Analyst Kitz.

Nach Jahreshoch halbierte sich der Aktienkurs

Vor gut einem Jahr war EPCOS als «graue Maus» an der Börse gestartet. Bei Privatanlegern wurde kaum für die Aktie geworben, und Vorstand Gerhard Pegam räumte ein: "Unser Geschäft klingt nicht sehr spannend. Wer ist schon gerne passiv?" Ausgegeben wurde die Aktie im Oktober 1999 zu einem Preis von 31 Euro.

Der Epcos-Aktienkurs hatte sich nach einem Jahreshoch bei 190 Euro in den vergangenen Monaten im Zuge der allgemeinen Schwäche an den Technologiebörsen mehr als halbiert.

"Der Kursverlauf war nicht so brillant", räumte Ziegler ein. Als "Referenz an die Anteilseigner" werde daher eine Dividende von einem Euro ausgezahlt. Ursprünglich hatte Epcos angedeutet, als Wachstumsunternehmen wolle man keine signifikante Ausschüttung vornehmen. Schon Infineon hatte hier allerdings vor knapp zwei Wochen eine Kehrtwendung vorgenommen.

Waren passive Bauelemente in den vergangenen Monaten wegen der riesigen Nachfrage weltweit Mangelware, fürchten Analysten und Anleger nun irgendwann einen neuen Schweinezyklus. "Es gibt keinen Zweifel, dass auch unsere Konkurrenten die Kapazitäten deutlich ausbauen", sagte Ziegler.

Schwierige Prognose

Es bestehe immer die Gefahr, dass bei einer leichten Abschwächung des Geschäfts einer anfange, die Preise zu senken. "Daraus ergeben sich dann die berühmten Preisverfälle." Derzeit sehe er aber noch keine Hinweise auf eine solche Entwicklung.

Eine Prognose bis ins zweite Halbjahr 2001 sei aber schwierig. Langfristig werde die Nachfrage aus Telekommunikation und Automobilelektronik aber stark bleiben.

Die Preise für Tantal-Kondensatoren könnten nach Einschätzung von Lionel Rayon, Analyst bei SalomonSmithBarney, allerdings schon im ersten Quartal 2001 um fünf bis zehn Prozent fallen. Für EPCOS sind die Tantalkondensatoren, die vorwiegend in der Autoelektronik und im Mobilfunk eingesetzt werden, derzeit der Verkaufsschlager schlechthin.

"Verbrennen kein Geld

Auch Kitz geht davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte 2001 die Teileknappheit in der Branche beseitigt sein wird. Die Preise könnten dann anfangen zu fallen.

In den nächsten Monaten will Epcos die Anteilseigner trotz des zyklischen Geschäfts wieder mit steigenden Kursen zufrieden stellen. Der Finanzvorstand Bodo Lüttge betonte: "Obwohl wir eigentlich zur New Economy gehören, sind wir kein Cash Burner, sondern ein Cash Earner." Epcos verdiene also im Gegensatz zu manch anderen Hightech- Unternehmen Geld, anstatt es zu verbrennen.

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