Wanadoo Weiter im Gespräch mit Freeserve

Der französische Großprovider will den britischen Webpionier Freeserve kaufen. Die Briten sind nach Verlusten und einem kräftigen Kursrutsch schön billig. Die Phantasie liegt im Shopping-Geschäft zu Weihnachten.

London - Wanadoo SA, der Internet-Großprovider von France Telecom, steht offenbar kurz vor dem Markteintritt in Großbritannien. Das Unternehmen wird voraussichtlich den britischen Großprovider Freeserve kaufen, um sich vom erwarteten Weihnachtsgeschäft im Online-Shopping eine Scheibe abzuschneiden.

Zuvor waren Verhandlungen zwischen Freeserve und T-Online gescheitert.

Der Gesamtmarkt für den Internethandel in Großbritannien wird in diesem Jahr auf sechs Milliarden Dollar geschätzt. Fast dreiviertel davon werden erfahrungsgemäß in der Hauptsaison um Weihnachten umgesetzt.

Freeserve ist der größte britische Internet-Provider, vergleichbar mit T-Online in Deutschland. Gegründet von der marktführenden Computerhandelskette Dixons als einer der ersten Anbieter eines kostenlosen Internet-Zugangs, ging das Unternehmen im vergangenen Jahr an die Börse und löste auch in Großbritannien ein Hightech-Aktienfieber aus.

Nach kräftigen Verlusten und einem entsprechenden Kursrutsch hat das Unternehmen derzeit noch einen Börsenwert von rund 1,5 Milliarden Pfund.

Da France Telecom in Großbritannien bereits an dem Kabelnetz-Provider NTL beteiligt ist, wird nach dem Kauf von Freeserve eine Fusion mit NTL erwartet. Über NTL könnte Freeserve dann auch in breitbandigen Kabelnetzen verbreitet werden.

Freeserve bestätigte Verkaufsverhandlungen, die in einen Aktientausch münden könnten. Das Unternehmen erklärte aber nicht, mit wem verhandelt wird.

Mit dem Freeserve-Kauf könnte Wanadoo die Anzahl der Kunden von derzeit rund zwei Millionen verdoppeln. Wichtiger noch stufen Analysten die Bedeutung der englischsprachigen Inhalte ein, die Freeserve mitbringt. Die eröffneten den Franzosen den gesamten Weltmarkt.

Wanadoo dürfte den Kaufpreis in Aktien zahlen. Freeserve wies darauf hin, dass für die eigenen Papiere wahrscheinlich kein besonderer Aufpreis auf den Schlusskurs von gestern bei 146 Pence zu erzielen sei. Dennoch legte die Aktie rund 13 Prozent auf 165 Pence zu.

Der Ausgabepreis im Juli vergangenen Jahres betrug 150 Pence.

France Telecom sammelt die Loser ein

Auch unter einem neuen Eigentümer werden die Zahlen von Freeserve nicht viel besser aussehen. Die Firma wäre damit die dritte verlustbringende Akquisition von France Telecom in diesem Jahr.

Die Franzosen haben gerade die Kontrolle über Equant NV übernommen, einem in den roten Zahlen steckenden Datennetz-Betreiber aus Holland. Dafür zahlt France Telecom 3,97 Milliarden Dollar in bar und in Aktien.

Im Januar erwarb France Telecom den ebenfalls nicht profitablen Business-Service-Provider Global One von den früheren Partnern des Gemeinschaftsunternehmens Sprint und Telekom.

Analysten sehen die Zukäufe freilich als sinnvoll an. Sie könnten France Telecom helfen, sich in schnell wachsenden Märkten frühzeitig zu positionieren.

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