Börse heute Dax gibt Gewinne wieder ab

Der Frankfurter Aktienhandel hat sich am Dienstag orientierungslos präsentiert. Der Dax schlug sich wacker, während der Nemax wieder deutlich verlor. Die "Aktie Gelb" konnte deutlich zulegen.

Frankfurt am Main - Nach einer Achterbahn-Fahrt schloss der Dax wieder fester und kletterte um 1,04 Prozent auf 6678 Zähler. Händler führten dies auf die etwas festere Tendenz an den Leitbörsen in Amerika zurück.

Der Dow Jones zog nach einem nervösen Start auf ein Plus von 0,88 Prozent bei 10.554 Punkten an. Auch die Nasdaq konnte nach Anfangsverlusten zulegen und stieg um 0,57 Prozent auf 2892 Zähler.

Im Gegensatz zu den deutschen Standardwerten konnten die Wachstumswerte am Neuen Markt ihre Verluste zwar eindämmen, den Sprung ins Plus schafften sie jedoch nicht. Der Nemax-50 verlor 1,74 Prozent auf 3457 Punkte. Auch die Nebenwerte im M-Dax gaben 1,66 Prozent auf 4784 Stellen nach.

RWE zieht dem Dax davon

Zu den stärksten Werten im Dax gehörten RWE mit einem Plus von drei Prozent auf 47,38 Euro. Hintergrund für den Kursanstieg waren die Bilanzzahlen der RWE.

Diese seien ganz gut ausgefallen, sagte Analyst Michael Butscher von der Münchner Privatbank Merck Finck. Das zufrieden stellende Betriebsergebnis wertete der Finanzexperte als Zeichen dafür, dass "das Schlimmste im Energiebereich überstanden ist".

Stark zeigte sich auch der Versorger E.ON. Die Aktie kletterte um 5,34 Prozent auf 64,29 Euro.

An ihrem zweiten Handelstag legte die Post-Aktie kräftig zu. Nach einem Börsendebüt von 21,40 Euro am Vortag notierte das Papier mit 22,92 Euro und damit um 7,10 Prozent fester.

Die konsortialführenden Banken, allesamt aus der ersten Liga des deutschen Finanzwesens, seien "nicht an einem Abrutschen des Kurses interessiert", erläuterte ein Aktienhändler der Nürnberger Schmidt Bank.

Technologiewerte erholen sich leicht

Die Aktien von Siemens und ihren beiden im Dax notierten Töchtern Epcos und Infineon befanden sich auf Erholungskurs. Siemens legten um 2,16 Prozent auf 129,23 Euro zu.

Das Papier der Siemens-Halbleitertochter Infineon zog um 1,42 Prozent auf 45,83 Euro an. Der Titel des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos schloss um 0,47 Prozent schwächer bei 89,58 Euro.

Die Deutsche Telekom zog um 2,75 Prozent auf 38,79 Euro an. SAP gewannen 1,83 Prozent auf 191,50 Euro.

Die Technologieaktien haben jüngst starke Verluste hinnehmen müssen, erklärte Andre Remke von der Hamburgischen Vereins- und Westbank. Nun erholten sich die Papiere von ihren Tiefständen.

Allianz und DaimlerChrysler unter Druck

Dagegen standen Allianz unter Druck, nachdem die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter den Titel abgestuft und ein Kursziel von 360 Euro genannt hatte. Die Aktie des Versicherers fiel um 0,10 Prozent auf 403,20 Euro.

DaimlerChrysler blieben mit einem Verlust von 2,12 Prozent auf 46,64 Euro der am meisten gebeutelte Dax-Wert. Der Automobilkonzern wird drei weitere Manager von Chrysler entlassen. Die DaimlerChrysler-Aktie belaste den Gesamtmarkt, urteilte ein Händler.

Das zieht die Autowerte nach unten. Auch BMW gaben 1,22 Prozent auf 36,45 Euro ab, während Volkswagen 0,69 Prozent auf 57,30 Euro verloren.

Wachstumswerte bleiben im Minus stecken

Nach einem kurzen Ausflug in die Gewinnzone am Vormittag drehte der Neue Markt ins Minus und stürzte um kurz nach 16.00 Uhr auf neue Jahrestiefs. Damit folgten die deutschen Werte dem Vorbild der Nasdaq.

Die Nachricht des amerikanischen Telekomausrüsters Lucent Technologies, der einen möglichen Fehler bei der Umsatzberechnung einräumen musste, hatte für Wirbel an den amerikanischen Börsen gesorgt. Zwar stabilisierten sich die US-Aktien wieder etwas, die deutschen Werte blieben aber weiterhin dem Minus verhaftet. "Der Markt ist völlig kaputt", sagte ein Düsseldorfer Händler.

Gewinnwarnungen und der unklare Ausgang der US-Präsidentschaftswahl sorgten weiterhin für große Unsicherheit und würden das letzte Fünkchen Vertrauen auffressen. Allerdings sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Umweltkontor mit deutlichem Kursaufschlag

Zu den Tagesgewinnern zählten Umweltkontor Renewable Energy. Die Aktie machte 16,95 Prozent auf 69 Euro gut, nachdem das Umweltunternehmen am Morgen seine Planzahlen für das Jahr 2000 deutlich angehoben hatte. Ein Händler der Berliner Effektenbank begründete den Anstieg der Aktie auch damit, dass nur wenige Papiere frei gehandelt würden. Fast alle Aktien seien in festen Händen.

Telegate stiegen um 2,67 Prozent auf 88 Euro. nach achtmonatiger Wartezeit hat die Telefonauskunft nun eine Lizenz der spanischen Regulierungsbehörde erhalten, die dem Unternehmen einen Zugang zur Teilnehmer-Datenbank von Telefonica sowie eine vierstellige Nummer für den Auskunftsdienst einbringt. Händler berichteten auch von Marktgerüchten, wonach ein Großinvestor massive Käufe tätigen würde.

Teamwork notierten ebenfalls fester mit plus 7,05 Prozent bei 4,25 Euro. Der insolvente IT-Dienstleister, der bereits gestern eine Sanierungskonzept angekündigt hatte, meldete nun, er habe einen Millionenkredit von seinen Gläubigerbanken erhalten.

SER Systems erholten sich nach ihren Verlusten vom Vortag bei 16,75 Euro, einem Plus von 9,19 Prozent. Infomatec verbilligten sich um 3,04 Prozent auf 2,55 Euro. Das Softwareunternehmen hatte die baldige Bekanntgabe der Nachfolger für die beiden verhafteten Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele angekündigt. Gegen die Spitzenmanager ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft wegen Kursbetruges und Insiderhandels.

Europas Börsen etwas fester

Die Börsen in Paris und London notierten fester. Der in Paris notierte EuroStoxx-50 legte um 0,6 Prozent auf 4878 Zähler zu.

Der Rentenmarkt in Frankfurt präsentierte sich unverändert. Der Rentenindex Rex stand bei 110,47 Zählern. Die Umlaufrendite wurde am Mittag unverändert mit 5,20 Prozent ermittelt.

Der Euro kostete 0,8458 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8474 (Montag 0,8488)Dollar fest. Die amerikanische Währung kostete damit 2,3080 (2,3042) Mark.

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