Post Beamtenmentalität bremst das Wachstum

Die "Aktie-Gelb" sollte eher als langfristige Anlage betrachtet werden. Kräftige Kursgewinne werden in den ersten Handelstagen nicht erwarten. Analysten bemängeln den Ausgabepreis von 21 Euro. Er sei zu hoch gewählt.

Frankfurt am Main - Bei einem Preis zwischen 18 und 20 Euro hätten die Aktien mehr Aufwärtspotenzial, sagte Pia-Christina Schulze, Analystin bei Merck Finck. "21 Euro ist zu teuer", sagte sie.

Die Papiere des Unternehmens werden am Montag erstmals an der Börse gehandelt. Die "Aktie Gelb" war drei Wochen lang zu einem Preis von 18 bis 23 Euro zum Zeichnen angeboten worden. Analysten hatten mit einem Ausgabepreis "um die 20 Euro" gerechnet.

Schnelle Kursgewinne erwartet Analystin Schulze nicht. "Ich wäre überrascht, wenn es morgen einen Megaschub auf 25 oder gar 30 Euro gäbe", sagte sie. Dafür sei das Investment nicht interessant genug.

Die Deutsche Post werde Probleme haben, ihre vielen neuen Akquisitionen zu integrieren, sagte die Analystin. "Das Unternehmen ist auch von einer Beamtenmentalität geprägt. Ich glaube nicht, dass sich das schnell signifikant ändern wird", sagte sie.

Anleger brauchen Geduld bei der "Aktie Gelb"

Auch Rolf Drees von der Fondsgesellschaft Union Investment erwartet keine kräftigen Aktiengewinne auf kurze Sicht. "Ich sehe kaum Chancen, dass der Kurs deutlich steigt", sagte er der "Bild am Sonntag".

Er gehe davon aus, dass die Aktie noch einmal für unter 20 Euro zu haben sein werde. Privatanlegern empfiehlt er deshalb erst einmal abzuwarten. Auch Schulze ist der Ansicht, dass die Anleger Geduld aufbringen müssten und sollten das Papier "auf jeden Fall länger liegen lassen".

Lucinda Riches von der Investmentbank UBS Warburg bewertete den Ausgabepreis der Post-Aktien dagegen positiv. UBS Warburg ist einer der beiden Konsortialführer des Börsengangs der Deutschen Post.

"Ich denke, der Preis ist exzellent und sehr ausgewogen", sagte Riches. Der Ausgabepreis reflektiere die hohe Nachfrage, ohne jedoch überhöht zu sein und biete damit zugleich eine Kurs-Perspektive.

Anders als Schulze und Drees hält Thomas Miskell, Analyst bei Standard & Poor's, kurzfristige Kursgewinne der Post-Aktie für wahrscheinlich. Auf mittlere bis lange Sicht sei das Enttäuschungspotenzial dagegen groß, schrieb Miskell in der Samstagsausgabe der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Das Firmengeflecht muss noch zusammenwachsen

Die Post bleibe ein konventionelles Unternehmen, an das eine Reihe von Aktivitäten gekoppelt worden sei. Standard & Poor's befürchte, dass die Post die Schwierigkeiten der Integration unterschiedlichster Kulturen und IT-Systeme einer Sammlung von hastig zugekauften Logistikunternehmen unterschätze, schreibt Miskell weiter.

Den Ausgabepreis von 21 Euro für ihre Aktien hatte die Deutsche Post am Samstag bekannt gegeben. Das Interesse an der "Aktie Gelb" hatte das Angebot um das achtfache überschritten.

Rund die Hälfte der Emission werde an Privatanleger vergeben. Der Brutto-Erlös aus dem Börsengang belaufe sich für den Post-Eigentümer Bund auf rund 6,6 Milliarden Euro.

Konzernchef Zumwinkel hatte sich über das Ergebnis der Emission zufrieden gezeigt. Die hohe Nachfrage nach den Aktien und das "lebhafte Interesse" an dem Konzern hätten eindeutig gezeigt, dass die "Aktie Gelb" von Investoren weltweit als attraktiver Wert eingeschätzt werde.