DaimlerChrysler Der Chef wackelt

Über das Schicksal von Konzernlenker Jürgen Schrempp entscheiden Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard. Hat das Duo bei Chrysler keinen Erfolg, wackelt auch der Posten ihres Mentors.

Stuttgart - Viel Zeit haben Zetsche und Bernhard nicht. Schon im kommenden Frühjahr soll der Sanierungsplan für den traditionsreichen US-Autobauer stehen.

Sein Erfolg dürfte darüber entscheiden, ob Jürgen Schrempp mit seiner Strategie der globalen Ausrichtung von DaimlerChrysler als leuchtendes Beispiel in die Managementhandbücher eingehen oder als gescheitert dastehen wird. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper und die Deutsche Bank AG als größter Einzelaktionär dürften keine unbegrenzte Geduld haben, wird in Branchenkreisen diskutiert.

Schließlich wollen die Frankfurter Banker sich von ihren industriellen Beteiligungen mittelfristig trennen und dürften über die Beinah-Werthalbierung von DaimlerChrysler seit der Fusion vor zwei Jahren nicht erfreut sein.

Dass es um Chrysler schlechter steht als bisher geahnt, muss Schrempp kürzlich gedämmert haben, als Chrysler Group-Chef James Holden zunächst unangekündigt sieben Fabriken für eine Woche dichtmachte, um Überkapazitäten abzubauen.

Dann wurde klar, dass auch für die neuen Modelle hohe Rabatte von mehreren tausend Dollar gewährt werden mussten, um sie überhaupt in den Markt bringen zu können.

Dies war alles andere als geplant - die Aussage von Schrempp, Chrysler werde schon im vierten Quartal schwarze Zahlen schreiben, basierte auf der Annahme, die neuen Modelle würden ordentlich Kasse machen.

Holden hatte, so die Stuttgarter Sicht, offenbar nichts im Griff, und der Konzernboss feuerte seinen amerikanischen Statthalter am vergangenen Sonntag hochkantig aus dem Unternehmen.

Mit keinem Wort wurde Holden, der in der Reihe prominenter, aber auch erfolgreicher agierender Chrysler-Manager wie Lee Iaccoca oder Bob Lutz stand, gedankt.

Dass man sich damit in den USA keine Freunde schafft, war vorauszusehen. Dass nun aber alle 125 000 Chrysler-Werker demoralisiert den Schraubschlüssel sinken lassen - dieses Bild zeichnen manche US-Blätter in diesen Tagen - dürfte kaum eintreffen.

Denn ihr Job ist es, Autos zu bauen, die sich verkaufen lassen - und so einfach zur Konkurrenz von General Motors und Ford auf die andere Straßenseite in Detroit lässt sich auch nicht wechseln - die leiden nämlich auch unter den Überkapazitäten.

Mit Zetsche, einem bewährten Trouble-Shooter und US-Kenner, sowie Bernhard, der für den überragenden Erfolg der neuen S-Klasse mitverantwortlich zeichnet, hat Schrempp das Beste nach Detroit geschickt, was er hat.

Auch smart-Chef Andreas Renschler hätte sich sicher gut gemacht, aber der hat hier zu Lande genug zu tun. Kosten, Kosten, Kosten - Zetsche und Bernhard dürften in den nächsten Wochen an kaum etwas anderes denken als an eine nachhaltige Senkung der Kosten bei Chrysler. Ähnliches gilt für Schrempp-Spezi Rolf Eckrodt, der bei Mitsubishi in Japan aufräumen soll.

Der ist wohl schon zu alt, um noch ganz nach oben zu kommen. Sind Zetsche und Bernhard in Detroit erfolgreich, könnten sie später die höheren Weihen empfangen. Zetsche gilt wie auch der neue Nutzfahrzeugchef Eckard Cordes als potenzieller Schrempp-Nachfolger. Die jüngeren Bernhard und Renschler sind Kandidaten für den Vorstand - aber erstmal muss die Operation Chrysler gelingen.