Telekom ISDN-Flatrate in Frage gestellt

Unternehmens-Chef Ron Sommer droht den Vielsurfern. Nach der Niederlage bei der Regulierungsbehörde könnte T-Online die Flatrate für 79 Mark wieder kippen. Die Gefahr einer Netzüberlastung soll so vermieden werden.

Bonn - Nach der Niederlage bei der Regulierungsbehörde hat Telekom-Chef Ron Sommer die Flatrate für den Internet-Zugang über ISDN oder analoge Telefonanschlüsse in Frage gestellt.

In einem am Freitag veröffentlichten Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Sommer: "Wenn die Telekom den Wettbewerbern eine Großhandels-Flatrate anbieten muss, weil T-Online für die Endkunden eine Flatrate von 79 Mark hat, stellen wir sie ein."

Sommer sagte dieser pauschale Preis für zeitlich unbegrenztes Surfen im Internet über das herkömmliche Telefonsystem sei "nicht ein Angebot auf Dauer für die Masse der Kunden". Die Telekom sehe damit die Chance, viele Kunden zu gewinnen und zum Umstieg auf T-DSL zu bewegen. Die Zukunft sei sowieso die ADSL-Technik.

Sommer wies erneut auf Kapazitätsprobleme hin, die durch ausgedehnte Internetnutzung im normalen Telefonsystem entstünden, die aber bei T-DSL wegen unterschiedlicher technischer Voraussetzungen keine Rolle spielen. "Eine Flatrate soll doch genau dazu führen, dass Kunden rund um die Uhr die Verbindung stehen lassen", sagte der Telekom-Chef.

"Damit wächst die Gefahr, dass es zu Blockaden im Telefonnetz kommt." Sommer wies darauf hin, dass mit der Begründung "Netzüberlastung" inzwischen Konkurrent AOL in Frankreich die Flatrate in den Spitzenzeiten auf eine Nutzungsdauer von 30 Minuten limitiert habe.

Sommer kritisierte, dass AOL mit Hilfe der Regulierungsbehörde "sein unternehmerisches Risiko bei uns abladen" wolle. AOL handele nach dem Motto: "Die Telekom schenkt uns die Leistung, und wir bekommen das Geld."

Die Telekom solle das Risiko tragen, "Milliarden-Investitionen in eine Technologie, die nicht für das Internet geschaffen wurde" zu leisten. ADSL dagegen sei "die ideale Technik für Rund-um-die-Uhr-Internet".

Regulierer wirft Sommer Vergesslichkeit vor

Die Regulierungsbehörde wies die Kritik Sommers entschieden zurück. Es gehe in diesem Fall nicht um künftige, sondern um lange zurückliegende Investitionen im Telefonnetz, die dem Unternehmen durch politische Entscheidung bei der Postreform zugefallen seien, erklärte Sprecher Harald Dörr.

Diese alten Investitionen hätten Sommers Unternehmen "sehr dominant gemacht". Diese Investitionen solle er nun "nach dem Willen des Gesetzgebers mit Wettbewerbern in angemessenem Umfang teilen".

Dörr warf Sommer vor, bewusst zur Vergesslichkeit zu neigen. Schließlich sei es sein Tochter-Unternehmen T-Online gewesen, das mit der Flatrate an den Markt gegangen sei, wenn auch wirtschaftlich wohl nicht besonders erfolgreich.

Da T-Online 50 Prozent des Internet-Verkehrs in Deutschland auf sich vereinige, müsste die Telekom-Tochter bei Kapazitätsproblemen im Sinne der Konzernraison als Erste Zurückhaltung üben.

Der Regulierungssprecher vertrat die These, dass das Risiko, das die Telekom heute für die Auslastung ihrer Netze trage, durch eine Großhandels-Flatrate sogar gemindert werden könne.

Bei einer möglichen kapazitätsorientierten Gestaltung müssten Internet-Anbieter im Vorfeld festlegen, welche Netzkapazitäten sie bei der Telekom einkaufen wollten. Das Risiko für deren Nutzung läge dann nicht mehr bei der Telekom.