Neuer Markt Kurse fallen ins Bodenlose

Die Wachstumswerte stürzen in die Tiefe. Der Nemax-50 und der marktbreitere Nemax-All-Share haben zeitweilig ein neues Jahrestief getestet. Händler sprachen von Panik und mochten das Desaster nicht mehr mit ansehen.

Frankfurt am Main - Der Nemax-50 erreichte zeitweilig mit 3624 Punkten ein neues Jahrestief. Zum Handelsschluss konnte der Index der Blue Chips wieder zulegen und schloss 2,26 Prozent schwächer auf 3688 Zählern. Auch der marktbreitere Nemax-All-Share durchbrach vorübergehend sein altes Jahrestief von 3466 Punkten und beendete den Handel mit einem Minus von 2,11 Prozent bei 3499 Zählern.

Die beiden Indizes am Neuen Markt haben damit seit ihren Höchstständen im März von 8546 Zählern beim Nemax-All-Share und 9665 Punkten beim Nemax-50 jeweils mehr als 60 Prozent verloren.

Misstrauen und Panik beherrschen den Markt

Die Leute verkaufen - ohne Rücksicht auf den Kurs", sagte ein Münchener Händler, "das ist schon Panik". Viele Fonds würden ihre Bestände abbauen aber auch den Privatanlegern ging die Puste aus. "Man weiß langsam nicht mehr was man den Unternehmen noch glauben soll", sagte ein Börsianer aus Düsseldorf.

Falschaussagen, Fehlkalkulationen, Gewinnwarnungen, Pleiten oder auch Verhaftungen wie erst bei Infomatec geschehen zehrten das Vertrauen der Marktteilnehmer auf: "Mit innovativen Unternehmen hat dieses Fiasko nichts mehr zu tun".

"Auch der den Tag über fester notierende Nasdaq-Future habe den freien Fall des Neuen Marktes nicht bremsen können. "Der Future verliert an Aussagekraft, wenn die US-Technologiebörse am Abend dann doch wieder enttäuscht", sagte der Düsseldorfer Händler.

Broker spricht von "gesunder Marktbereinigung"

Ein Broker der Schmidt Bank erklärte, die Anleger konzentrierten sich immer weniger auf die Zukunftsaussichten der Unternehmen, sondern achteten verstärkt auf die Gewinnentwicklung. Aus diesem Grund handele es sich bei der jüngsten Abwärtsbewegung um eine "gesunde Marktbereinigung".

Starke Verkaufssignale bei Schwergewichten

Belastend auf den Markt wirke sich die technische Situation vieler Schwergewichte aus, sagte ein Börsianer. So seien etwa bei Intershop und Aixtron Verkaufssignale auszumachen, was bei der momentanen Nervosität am Markt sicher viele Anleger zum Kasse machen veranlasse.

Intershop fielen im Handelsverlauf auf ein Jahrestief von 38,50 Euro, und schlossen bei 41,31 Euro. Aixtron büßten 7,07 Prozent auf 108,50 Euro ein. Zuvor war der Wert bereits auf 106 Euro gefallen.

Intertainment-Papiere auf Sturzflug

Größter Verlierer am Neuen Markt waren Intertainment. Das Unternehmen hatte am Morgen seine Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Die Papiere verloren knapp 30 Prozent auf 14,50 Euro.

Auch Pixelpark setzten ihre Talfahrt vom Vortag fort und fielen zwischenzeitlich auf ein Jahrestief von 35,50 Euro. Im weiteren Handel erholten sich die Titel wieder etwas und schlossen mit einem Minus von rund 14 Prozent bei 37 Euro.

Spekulationen am Markt über einen Verkauf von Pixelpark-Aktien am Markt durch die Muttergesellschaft Bertelsmann, hatte ein Bertelsmann-Sprecher am Freitag dementiert.

Qiagen notiert weiter im Plus

Im Plus notierten weiterhin Qiagen und D.Logistics. Beide Titel sind mit Wirkung zum 30. November in den Morgan Stanley Capital International-Index aufgenommen worden, was den Aktien zu Kurssprüngen verhalf. Qiagen gewannen 3,49 Prozent auf 38,30 Euro und D.Logistics legten um 4,97 Prozent auf 59,99 Euro zu.