Infomatec Vorstände in Haft

Gerhard Harlos und Alexander Häfele, die beiden Chefs des schwer angeschlagenen Unternehmens, stehen in Augsburg vor dem Ermittlungsrichter. Auch die Festnahme des umstrittenen Duo half dem Aktienkurs nicht.

Augsburg - Vorstandschef Harlos und sein Stellvertreter Häfele waren am Donnerstagnachmittag wegen Fluchtgefahr festgenommen worden.

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwaltschaft Reinhard Nemetz sind die beiden Beschuldigten "dringend eines verbotenen Insidergeschäfts, des zweifachen Kursbetrugs und der unrichtigen Darstellung der Verhältnisse der Aktiengesellschaft in der Hauptversammlung verdächtig".

Das Unternehmen teilte am Donnerstagabend nach Börsenschluss mit, Harlos und Häfele seien von ihren Ämtern zurückgetreten. Der Aufsichtsrat habe den Rücktritt angenommen und werde über die Neubesetzung des bisher dreiköpfigen Vorstandes in der nächsten Woche entscheiden.

Offen sei noch, ob einer oder mehrere Vorstände neu berufen würden, sagte ein Unternehmenssprecher. In der Zwischenzeit werde das Unternehmen von Finanzvorstand Karl Gruns geleitet.

Unzutreffende Ad-Hoc-Meldungen

Die Staatsanwaltschaft Augsburg wirft den beiden Vorständen vor, drei unzutreffende Ad-Hoc-Meldungen verbreitet zu haben. Nach einem Kursanstieg in Folge einer der Meldungen hätten sie dann Aktien im Wert von rund 56 Millionen Euro verkauft.

Außerdem sollen sie auf der Hauptversammlung 1999 so genannte Surfstations als eigene präsentiert haben, die in Wahrheit von einem anderen Hersteller stammten. Dabei hätten sie das Logo des Herstellers mit Infomatec-Aufklebern überklebt.

Staatsanwaltschaft ermittelt seit einem Jahr

Vor rund vier Wochen waren die Firmenzentrale in Gersthofen bei Augsburg sowie andere Büros und Privatwohnungen in Hessen und Baden-Württemberg von Ermittlungsbeamten der Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Dabei wurden zahlreiche Unterlagen sicher gestellt.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer anonymen Anzeige bereits seit dem vergangenen Jahr gegen die Verantwortlichen. Zuletzt hatten auch zwei Aktionärs- Schutzgemeinschaften Anzeige gegen das am Neuen Markt notierte Unternehmen erstattet.

Neue Strategie soll aus der Krise führen

Infomatec sucht unterdessen mit einer neuen Strategie aus der Krise zukommen. Anfang dieser Woche legte das Augsburger Unternehmen ein umfassendes Konzept vor, dass eine Spezialisierung auf Technologien rund um das interaktive Fernsehen vorsieht.

Im Rahmen dieser angekündigten Fokussierung würden zudem strategische Partner gesucht, die bisherigen Geschäftsfelder Globale Informationssysteme (GIS) und Application Service Providing (ASP) "auf dem Weg in die Selbstständigkeit" begleiten.