DaimlerChrysler Zwei neue Männer und eine Gewinnwarnung

Der Aufsichtsrat hat die Personalpläne von Konzernchef Jürgen Schrempp abgesegnet. Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard sollen die Chrysler Group wieder auf Vordermann bringen. Wegen der Amerikaner sinkt der Unternehmensertrag.

Stuttgart - Der 46-jährige Zetsche war bisher im Vorstand für das weltweite Nutzfahrzeuggeschäft verantwortlich. Er tritt die Nachfolge des geschassten Kanadiers James Holden an.

Der sechs Jahre jüngere Bernhard besetzt den neu geschaffenen Posten des Chief Operating Officer und wird damit zweiter Mann hinter Zetsche. Zugleich wurde er zum stellvertretenden Mitglied des Vorstands von DaimlerChrysler ernannt. Bernhard war bisher Vorsitzender Geschäftsführung der Unternehmenstochter Mercedes-AMG und zuvor verantwortlich für die erfolgreiche Einführung der neuen S-Klasse.

Als Chief Operating Officer soll Bernhard die Verantwortung für die interne Umsetzung aller operativen Maßnahmen tragen, hieß es.

Die Deutschen haben mit diesen Personalentscheidungen endgültig das Sagen in dem deutsch-amerikanischen Autokonzern übernommen.

Zetsches Amt als Nutzfahrzeug-Chef wird der 49-jährige Eckhard Cordes ausfüllen, der im Vorstand bisher für Konzernentwicklung und IT-Management zuständig war. Sein Posten wird nicht wieder im Vorstandsrang besetzt, so dass der DaimlerChrysler-Vorstand künftig nur noch elf Mitglieder haben wird.

Schrempp sprach Gewinnwarnung aus

Konzernchef Schrempp teilte weiter mit, dass der Ertrag des Autokonzerns DaimlerChyrsler wegen der schlechten Lage der amerikanischen Chrysler Group in diesem Jahr offenbar noch niedriger als erwartet ausfallen.

"Die Ergebnisse der Chrysler Group werde unter der zuletzt bekannt gegebenen Prognose liegen und damit natürlich auch einen Einfluss auf das Ertragsniveau des Konzerns haben", sagte er.

Chrysler leidet vor allem unter dem massiven Preiskampf auf dem amerikanische Pkw-Markt und unter zu hohen Kosten. Chrysler hatte im letzten Quartal einen Verlust von 579 Millionen Euro (1,1 Milliarden Mark) erzielt.

Marktbedingungen weiter verschlechtert

Schrempp hatte ursprünglich schon für das vierte Quartal die Rückkehr zu schwarzen Zahlen angekündigt und die Erwartung geäußert, dass Chrysler in diesem Jahr rund zwei Milliarden Euro Gewinn machen werde.

Am Freitag hieß es, die Marktbedingungen hätten sich seit der Bekanntgabe dieser Zahlen Ende Oktober weiter verschärft. Dies zeige sich unter anderem an den Preisnachlässen, hohen Lagerbeständen und weiteren Produktionsrücknahmen.

Ursprünglich war der deutsch-amerikanische Konzern davon ausgegangen, dass das bereinigte operative Ergebnis im Jahr 2000 von zehn auf etwa sieben Milliarden Euro zurückgehen werde. Nun wird das Ergebnis offenbar noch darunter liegen - genauere Zahlen wurden nicht genannt.

Rückdendeckung für Schrempp

Ausdrücklich stellte sich der Aufsichtsrat hinter die Strategie von Konzernchef Jürgen Schrempp. Er begrüße die globale strategische Ausrichtung des Unternehmens und sichere dem Vorstand sein volle Unterstützung zu, hieß es.

Die Aktie war im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung am Freitag, exakt dem zweiten Jahrestag der offiziellen Besiegelung der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler, zeitweise auf das Rekordtief von 48,85 Euro gefallen. Am Nachmittag erholte sie sich leicht und notierte in Frankfurt mit 50,20 Euro. Der Höchststand hatte im April 1999 rund 94 Euro betragen.

Volles Vetrauen zu Zetsche

Zum neuen Mann an der Chrysler-Spitze sagte Schrempp, Zetsche "habe in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen, dass er ein Unternehmen wieder zu profitablen Wachstum führen kann".

Zetsche soll sich bei Chrysler vor allem um die Kosten und die Neuausrichtung der Produktpalette kümmern. Das Sanierungsprogramm werde innerhalb des ersten Quartals 2001 vorgestellt.

Holden verschleierte schlechte Lage

In der Erklärung nach der Aufsichtsratsitzung taucht der Name des bisherigen Chrysler-Chef Holden mit keinem Wort auf. Offenbar war Schrempp sehr unzufrieden mit seinem amerikanischen Statthalter, der am vergangenen Sonntagabend nach einem Gespräch in der Stuttgarter Konzernzentrale entlassen worden war.

Ihm war, so hieß es, vor allem übel genommen worden, dass er Schrempp nicht über temporäre Werkschließungen informiert hatte und die Lage bei Chrysler nicht in den Griff bekommen hatte.

Neue Hiobsbotschaften aus den USA

Wegen des schwachen US-Automarktes wird DaimlerChrysler mehrere Fabriken vorübergehend schließen. Das "Wall Street Journal" berichtet, der Konzern werde an seinem Standort in Illinois die Produktion von Neon-Kleinwagen drei Tage lang ruhen lassen. Als Grund nannte der Automobilkonzern übermäßige Lagerbestände. Etwa 3300 Angestellte seien dann zeitweilig arbeitslos.

Auch die Konkurrenten Ford und General Motors stellen die Produktion an einigen Standorten vorübergehend ein.

Deutsch-amerikanische Ehe vor der Scheidung?

In der Erklärung wurde auch nicht auf Gerüchte eingegangen, nach denen einige Manager in Stuttgart die Trennung von der Chrysler Group erwägen.

Die "New York Times" hatte in ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf ungenannte DaimlerChrysler-Manager gemeldet, die schlechten Ergebnisaussichten von Chrysler hätten einige Verantwortlich zu "privaten" Diskussionen über Chrysler veranlasst.

Die Quellen, die laut der Zeitung "nah dran" sind an der internen Debatte, hielten die Chancen für einen auch nur teilweisen Verkauf von Chrysler in der näheren Zukunft allerdings für gering. Die Mehrheit des Top-Managements stehe weiter zu Chrysler, aber eine Minderheitsfraktion suche inzwischen nach Alternativen.