Börse heute DaimlerChrysler belastet den Dax

Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag schwächer geschlossen. Die Schwergewichte DaimlerChrysler und Telekom zogen den Dax nach unten. Der Nemax ist im Handelsverlauf auf ein Jahrestief gefallen.

Frankfurt am Main - Der Dax beendete die Handelswoche mit minus 1,31 Prozent bei 6752 Punkten. Am Neuen Markt lag der Nemax-50 um 2,26 Prozent niedriger bei 3688 Punkten. Der M-Dax gab um 0,32 Prozent auf 4891 Zähler nach.

Negative Vorgaben aus den USA

Die Wall Street notierte zum Börsenschluss in Frankfurt ebenfalls schwächer. Der Dow Jones gab um 0,57 Punkte auf 10.595 Punkte ab, die Nasdaq gab 0,82 Prozent auf 3007 Zähler nach. Zwischenzeitlich war der technologielastige Index unter 3000 Punkte gefallen.

Der deutsche Aktienmarkt wurde im Handelsverlauf kurzzeitig von der Meldung beflügelt, wonach die offiziellen Briefwahl-Ergebnisse für den US-Staat Florida bereits für Samstagmittag (Ortszeit) erwartet werden.

Dies habe dem Dax einen kleinen Freudenhüpfer beschert, da die Märkte auf eine Entscheidung nach der Präsidentschaftswahl am 7. November warteten, erklärte Frank Albrecht, Händler bei M.M. Warburg in Hamburg.

DaimlerChrysler auf Jahrestiefststand

Aktien von DaimlerChrysler markierten im Tagesverlauf mit 48,88 Euro einen Jahrestiefstand. Der Titel fiel um 3,77 Prozent auf 49,80 Euro. Der deutsch-amerikanische Automobilkonzern hat im dritten Quartal deutlich weniger Gewinne als ein Jahr zuvor eingefahren. Vor allem die US-Autosparte Chrysler erfüllte die Erwartungen nicht.

Der Aufsichtsrat bildete deswegen am Freitag die Chrysler-Führung um und schickte die Deutschen Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard als Sanierer zur US-Tochter. Vorstandsmitglieder von DaimlerChrysler erwägen nach einem Bericht der "New York Times" sogar den teilweisen Verkauf von Chrysler.

Technologieaktien unter Druck

Deutliche Kursabschläge gab es bei Infineon und SAP. Die Aktie des Chipherstellers sank um 4,04 Prozent auf 44,21 Euro und führte die Dax-Verlierer an. SAP verloren 2,44 Prozent auf 194,51 Euro.

Gegen den schwachen Trend bei Technologieaktien im Dax fester war hingegen das Papier von Epcos. Der Wert gewann 2,71 Prozent auf 92,17 Euro und führte damit fast bis Börsenschluss den Index an. Diese Kursgewinne erklärten Börsianer mit der Aufnahme der Siemens-Tochter in den MSCI-Europe-Index.

Telekom verliert erneut deutlich

Mit einem Kursrückgang von 2,39 Prozent auf 39,29 Euro reihten sich Telekom-Aktien erneut in die Verliererliste im Dax ein. Händler begründeten dies mit der Entscheidung der Regulierungsbehörde, dass die Telekom ihren Konkurrenten ab Februar 2001 eine Großhandels- Flatrate (Pauschalpreis) für zeitlich unbegrenztes Internet-Surfen anbieten muss.

Die Aktie der Kölner Lufthansa zog nach den Gewinnen der Vortag erneut kräftig an und kletterte um 1,84 Prozent auf 25,43 Euro. ThyssenKrupp verbesserten sich um 1,43 Prozent auf 16,26 Euro. Möglicher Grund für den Kursanstieg sei ein Bericht des "Handelsblatt", wonach die Verträge über den Bau einer Transrapidstrecke in China Mitte Dezember in Peking unterzeichnet werden sollen.

Starker Verkaufsdruck am Neuen Markt

Die Wachstumswerte am Neuen Markt haben zum Wochenausklang an ihre Negativtendenz angeknüpft und erneut deutlich an Boden verloren. Im Tagesverlauf schwankte der Nemax-50 zwischen 3623 und 3730 Punkten. "Das Sentiment ist sehr negativ", fasste ein Münchener Händler die Problematik am Neuen Markt zusammen.

Angesichts eines intakten charttechnischen Abwärtstrends - der Analysten ein Kursziel von 2650 Punkten im Nemax-All-Share auf Sicht von vier Monaten prognostizieren lässt - und bei anhaltenden Fondsverkäufen biete sich dem Markt derzeit kaum eine Chance, Luft zu holen. Somit wurde in dem Index auch am Freitag ein neues Jahrestief bei 3457 Punkten markiert, was den Abwärtstrend bestätigt.

Phase der Neubewertung bei den Wachstumswerten

Fundamental durchliefen die deutschen Wachstumswerte derzeit eine Phase der Neubewertung. Auch hier sei die Stimmung durch die ersten Firmenpleiten und die zahlreichen schwachen Unternehmensergebnisse stark eingetrübt, ergänzte ein Frankfurter Händler.

Vor diesem Hintergrund scheine die einzige Chance für den Neuen Markt darin zu liegen, dass die Nasdaq zu einem Aufschwung ansetzt und das deutschen Pendant mitreißt - danach sehe es nach Ansicht des Münchener Händlers allerdings aktuell auch nicht aus. Hier belaste noch die Wahlunsicherheit.

Intertainment gibt Gewinnwarnung aus

Intertainment knüpften an ihre Talfahrt des Vortages an und brachen um weitere 29,44 Prozent auf 14,50 Euro ein. Wie schon am Vortag befürchtet, hat das Medienunternehmen am Morgen die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von 290 Millionen Mark auf 170 Millionen deutlich nach unten korrigiert.

Analysten von ABN Amro zeigten sich von der Umsatz- und Gewinnwarnung des Filmrechtehändlers überrascht - da noch die Halbjahreszahlen ein deutliches Übertreffen der Prognosen erwarten haben lassen.

Der Euro bleibt schwach

Der Euro ist am Freitag erneut gefallen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 0,8535 (Donnerstag: 0,8569) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2915 (2,2824) Mark.