Infomatec Neuer Tiefschlag für den Wackelkandidaten

Gerhard Harlos und Alexander Häfele, die beiden Chefs des schwer angeschlagenen Unternehmens, sitzen in Untersuchungshaft. Der Verdacht soll auf Kursbetrug, Insidergeschäfte und Verstoß gegen das Aktiengesetz lauten.

Augsburg - Vorstandschef Harlos und sein Stellvertreter Häfele seien am Donnerstagnachmittag wegen Fluchtgefahr festgenommen worden. Dies berichtet die "Augsburger Allgemeine" unter Berufung auf den Leitenden Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz.

Nach Börsenschluss gab das am Neuen Markt notierte Unternehmen bekannt, dass Harlos und Häfle mit sofortiger Wirkung als Vorstände zurückgetreten sind. Der Aufsichtsrat habe den Rücktritt bereits angenommen.

CFO kommissarischer Vorstandschef

Über die Neubesetzung des Vorstandes werde in der nächsten Woche entschieden, hieß es ad hoc weiter. In der Zwischenzeit werde das Unternehmen von Finanzvorstand (CFO) Karl Gruns geleitet.

Vor rund vier Wochen waren die Firmenzentrale in Gersthofen bei Augsburg sowie andere Büros und Privatwohnungen in Hessen und Baden-Württemberg von Ermittlungsbeamten der Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Dabei wurden zahlreiche Unterlagen sichergestellt.

Verdacht auf Falschmeldungen

Der schwer angeschlagenen Softwarehersteller Infomatec steht im Verdacht, falsche Ad-Hoc-Meldungen veröffentlicht zu haben. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer anonymen Anzeige bereits seit dem vergangenen Jahr gegen die Verantwortlichen.

Zuletzt hatten auch zwei Aktionärs-Schutzgemeinschaften Anzeige gegen das am Neuen Markt notierte Unternehmen erstattet.

Neue Strategie soll aus der Krise führen

Infomatec sucht unterdessen mit einer neuen Strategie aus der Krise zukommen. Anfang dieser Woche legte das Augsburger Unternehmen ein umfassendes Konzept vor, dass eine Spezialisierung auf Technologien rund um das interaktive Fernsehen vorsieht.

Im Rahmen dieser angekündigten Fokussierung würden zudem strategische Partner gesucht, die bisherigen Geschäftsfelder Globale Informationssysteme (GIS) und Application Service Providing (ASP) "auf dem Weg in die Selbstständigkeit" begleiten Mit I-TV aus der Krise.

An der Börse kam diese Nachricht zunächst gut an. Der Aktienkurs legte deutlich zu, nachdem er zuvor auf Tiefstände von rund zwei Euro eingebrochen war. 1999 notierte das Wertpapier zeitweise noch bei mehr als 60 Euro. Am Donnerstag verlor der Wert erneut 13 Prozent und schloss bei 2,50 Euro (siehe Infomatec).

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