Flatrate Weiche gestellt

Unternehmen begrüßen die Entscheidung der Regulierungsbehörde. Danach muss die Telekom Providern eine Großhandels-Flatrate anbieten. Ob auch Internetnutzer davon profitieren können, entscheidet jetzt die Höhe des Großhandelspreises.

Berlin - Der Pauschalpreises werde dem elektronischen Handel "weiter Auftrieb geben", erklärte der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT).

Private Nutzer dürften dadurch mit "deutlich niedrigeren Online-Gebühren rechnen". Der Kölner Branchenverband VATM bezeichnete den Beschluss als "wichtige Weichenstellung für die Wachstumsbereiche Internet und E-Commerce" in Deutschland. Mit der Flatrate könnten in der Boom-Branche voraussichtlich Tausende neue Arbeitsplätze entstehen.

Internet bald Massenmedium

T-Online-Konkurrent AOL begrüßte die Entscheidung als "ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung". AOL-Sprecher Karsten Meinke sagte, eine für die Anbieter Kosten deckende Flatrate von maximal 50 Mark im Monat könne dazu beitragen, das Internet in Deutschland schnell zum Massenmedium zu machen, was sich positiv auch auf Handel und Arbeitsplätze auswirken werde.

Auch die sieben in der Webradio-Alliance zusammengeschlossenen Internetradios begrüßen die Entscheidung. "Wir gehen davon aus, dass für einen Teil der 25 Millionen Internetnutzer in Deutschland das Netz in Zukunft billiger wird", sagte Stephan Schwenk, Vorstandsvorsitzender der Webcast Media Group, die Daswebradio.de betreibt. Mitglieder der Allianz sind neben Daswebradio.de unter anderem auch Chartradio.de, Cyberchannel.de und TV1.de

Rosa Riese macht der T-Online-Konkurrenz zu schaffen

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte beschlossen, dass die Telekom ihren Konkurrenten ab Februar kommenden Jahres eine Großhandels-Flatrate anbieten muss. Bisher berechnet der Ex-Monopolist den Internet-Zungangsanbietern noch 1,5 Pfennig pro Minute für die Benutzung der Telekom-Netze auf der "letzten Meile" zum Endkunden.

Damit tickt für die Flatrate-Anbieter die Uhr, während sich ihre Kunden unbegrenzt im Netz aufhalten können. Dies brachte mehrere Telekom-Konkurrenten in finanzielle Bedrängnis, weil die Nutzer die Angebote exzessiv nutzten.

Seit diesen Sommer haben deshalb diverse Anbieter von Internetzugängen ihre Flatrate-Angebote wieder vom Markt genommen. Teilweise mussten die Firmen sogar Konkurs anmelden, da sie den Zuspruch der Dauersurfer unterschätzt hatten. Die anfallenden Gebühren für die Nutzung der "letzten Meile" wurden zu groß.

Höhe des Großhandelspreises entscheidet

Mit der Flatrate werde die Internet-Nutzung weiter zunehmen, sagte VATM-Sprecherin Eva-Maria Schreiter. Derzeit liege Deutschland im europäischen Vergleich und vor allem gegenüber den USA noch zurück. Mit der Flatrate stehe ein zusätzliches Angebot zur Verfügung, das die Attraktivität der Internet-Nutzung steigern werde.

Viel hänge allerdings davon ab, wie hoch der Großhandelspreis der Telekom ausfallen werde, betonte Schreiter. Die Regulierungsbehörde hat dem Bonner Konzern hierfür keine Vorgabe gemacht.

Flatrate-Konkurrenz wird zunehmen

Michael Frenzel, Sprecher der 1&1 Internet AG, erwartet, dass sich der Wettbewerb zwischen den Flatrate-Anbietern verschärft. Mit einer Großhandelsflatrate entfalle für die Provider das kalkulatorische Risiko, teilte er in einem schriftlichen Statement mit. "Der Jubel von AOL könnte sichdeshalb schnell ins Gegenteil verkehren", hieß es. Anbieter wie 1&1 kämen jetzt mit neuen Flatrate-Angeboten auf den Markt.

Julian Riedlbauer, Vorstandsmitglied der Münchner AddCom AG, äußerte sich skeptisch. Er bezweifelt, inwieweit die von der Telekom noch vorzulegende Preisstruktur echte Wettbewerbsgleichheit für andere Provider schaffe.

Sollte die Telekom ein "reeles, wettbewerbsfähiges Preismodell" vorlegen, werde das Unternehmen das bisherige Flatrate-Angebot erweitern, sagt Riedelbauer.. Addcom hat rund 5000 Flatrate-Kunden, die 79 Mark monatlich bezahlen. Allerdings nimmt das Unternehmen zurzeit keine neuen Nutzer für das Angebot auf.

Bislang lohnen sich Flatrate-Angebote, die etwa von AOL oder der Telekom-Tochter T-Online für knapp 80 Mark angeboten werden, nur für Internet-Surfer, die mehr als 50 Stunden im Netz bleiben. AOL fordert von der Telekom einen Preis, der Flatrates von unter 50 Mark pro Monat beim Endkunden ermöglicht.

Telekom sieht Qualität des Telefonnetzes in Gefahr

Telekom- Pressesprecher Stephan Broszio erklärte, es handele sich bei der Entscheidung um einen Phyrrus-Sieg für die Kunden. Die Telekom sei nun gezwungen, verstärkt in das schmalbandige Netz zu investieren.

Darüber hinaus könne es dazu kommen, dass wegen steigenden Online-Verkehrs die Qualität das Telefonnetzes leide. Solche Kapazitätsprobleme seien sowohl aus Großbritannien, das häufig als Parallele im Flatrate-Streit herangezogen worden war, wie auch aus Frankreich, Österreich und den USA bekannt.