Kurt Bodewig "Rotes Schaf" und "Schröders Liebling"

Der künftige Bundesverkehrsminister hat eine Blitzkarriere hinter sich. Doch weiß der Nachfolger des zurückgetretenen Reinhard Klimmt, dass er im neuen Amt nur schwer glänzen kann. Dringlichste Aufgabe ist die Bahnreform.

Berlin - Das Bahn-Chaos und die jahrelangen Versäumnisse beim Streckennetz werden mit den Milliarden aus den UMTS-Zinserlösen allein nicht auszubügeln sein.

Bodewig will, von 2001 bis 2003 jährlich zusätzlich zwei Milliarden Mark aus den Zinserlösen der Versteigerung der UMTS-Handy-Lizenzen in die Bahn investieren. Damit erhöhe sich der Investitionsbetrag auf 8,7 Milliarden Mark pro Jahr.

Die Investitionen in Straße und Schiene müssten über 2003 hinaus verstetigt werden, sagte Bodewig. Mit der Erhöhung der Investitionen werde auch die Beschäftigung in der Bauindustrie gestärkt. Durch das Programm für die Schiene könne mit 24 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen pro Jahr in der Bauindustrie gerechnet werden.

Das ist Teil eines Zukunfts-Investitionsprogramms der Bundesregierung, dass er noch in seiner alten Eigenschaft als Staatssekretär des Ministeriums mit den verkehrspolitischen Sprechern der Grünen und der SPD, Albert Schmidt und Angelika Mertens, entwickelt hat.

SPD-Minister mit typischer Gewerkschafts-Laufbahn

Der 45-jährige Kurt Bodewig gehört wie der Staatsminister im Kanzleramt, Hans Martin Bury (34), zu den "Netzwerkern", einer Gruppe junger, pragmatisch orientierter Abgeordneten.

Mit dem Rechts-Links-Raster konnte der in Rheinsberg am Niederrhein geborene Bodewig ohnehin nie viel anfangen: In seinem politisch tiefschwarzen Elternhaus, einer rheinischen Konditor-Dynastie, galt Kurt stets als das "rote Schaf der Familie".

Als er im März nach nur 17-monatiger Abgeordnetenzeit gleich Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium wurde, höhnten die Linken: "Schröders Liebling".

Dabei hat Bodewig seit seinem SPD-Eintritt 1973 fast alle klassischen Funktionärs-Stationen in der SPD durchlaufen: Sechs Jahre Juso-Chef am Niederrhein, Mitglied im SPD-Bezirksvorstand und seit 1995 Vorsitzender des SPD Kreises Neuss.

Lieber Kaufmann als Konditor

Nach der Realschule und Kaufmannslehre machte Bodewig das Fachabitur, wurde Wohnungskaufmann bei der Sparkasse. Bis zu seinem Einzug in den Bundestag arbeitete er als Abteilungsleiter Sozialpolitik beim DGB in Nordrhein-Westfalen.

An diese "sozialen Erfahrungen" wolle er künftig auch als Minister anknüpfen, versicherte Bodewig, der ansonsten alle weiteren Fragen nach seinen künftigen Plänen mit Hinweis auf die noch nicht erfolgte Amtsübergabe abwies.

Weil Kurt als Konditor-Sohn von Jung auf gern naschte, pflegte er stets auch den Ausgleichssport. Einmal wanderte der künftige Verkehrsminister gar zu Fuß von Argentinien nach Chile über die Anden. Heute macht er wegen der knappen Zeit eher kurze Radtouren, auch schon mal mit Rudolf Scharping zusammen.

Er gilt bei all seinen Freunden «unser Kurt» als überaus geselliger Rheinländer, der gern feiert, lacht, scherzt und manchmal auch den bitterbösen Spott liebt. Für einen frechen Zwischenruf erhielt er im frisch bezogenen neuen Reichstag als erster Parlamentarier den Ordnungsruf.