Christoph Daum "Vergebene Liebesmüh"

Der Ex-Coach von Bayer Leverkusen sieht sich nach dem zweiten Haartest in den USA vom Verdacht des Kokain-Konsums befreit. Doch in Deutschland bleibt die Skepsis.

Hamburg - Zweifel an der Bedeutung des Testergebnisses in den USA meldete der Leiter des Doping-Labors in Kreischa, Klaus Müller, an. Eine neuerliche Probe mache keinen Sinn, wenn sich Daum in den vergangenen Wochen die Haare habe schneiden lassen.

Mit nachgewachsenen Haaren lasse sich ein Kokainkonsum aus der Zeit vor der ersten Haaranalyse Anfang Oktober nicht mehr nachweisen. "Die erste Analyse aus dem Institut für Rechtsmedizin in Köln war positiv, und das Institut ist über jeden Zweifel erhaben", sagte Müller der dpa. Eine Wiederholung der Haaranalyse mit einer völlig anderen Probe sei "vergebene Liebesmüh".

Daums Anwalt: "Damit ist er rehabilitiert!"

Daum hält sich seit seiner Trennung von Bayer Leverkusen im Oktober in den USA auf. Der 47-Jährige hatte von Anfang an den Wert seiner ersten Haaranalyse in Deutschland bezweifelt und seine Unschuld beteuert. Daum ist fest davon überzeugt, schon in Kürze wieder als Trainer zu arbeiten.

Die von ihm selbst veranlasste Haarproben-Analyse in einem Labor in den USA habe im Gegensatz zum ersten Test in Deutschland keine Hinweise darauf erbracht, dass er Kokain genommen habe, schreibt die "Bild"-Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe.

Daums Anwalt Rolf Stankewitz wird zitiert mit den Worten: "Das Ergebnis ist eindeutig negativ. Damit ist Herr Daum rehabilitiert!" Daum ließ angeblich über seine Anwälte ausrichten, dass offenbar nicht alle das Vertrauen in ihn verloren hätten.

Er sei davon überzeugt, schon in Kürze wieder als Trainer arbeiten zu können. Er wolle jetzt noch mehr Fakten sammeln und bei seiner Rückkehr nach Deutschland ein Ergebnis präsentieren, das ihn endgültig rein wasche.

Kölner Toxikologe bleibt bei seiner Meinung

Der Toxikologe Herbert Käferstein, der die Untersuchung in Köln vornahm, schloss eine Verwechslung der ersten Haarprobe aus. "Wir haben ein Ergebnis vorgelegt, was bei uns jedem Strafrecht standhalten wird."

Die zweite Analyse könne er schwer beurteilen. Wenn Daum seine Haare "wirklich sehr, sehr kurz" trage, sei es schon möglich, dass ein anderes Ergebnis herauskäme, sagte Käferstein.

Der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel sprach sich dafür aus, die neue Haaranalyse ernst zu nehmen. "Es gibt keinen Grund, diese Probe einfach anzuzweifeln", sagte Sörgel, der auch im Doping-Fall Dieter Baumann ein Gutachten erstellt hatte. "Die beiden Proben stehen wie zwei gegensätzliche Aussagen gegeneinander, sie müssen zunächst gleich bewertet werden."

Die American Medical Laboratories Inc. unterlägen strengen Vorschriften und bräuchten keinen Vergleich zu scheuen. Der Wissenschaftler appellierte an die Beteiligten, die noch im Kölner Institut liegende Haarprobe Daums zu untersuchen.

Staatsanwaltschaft: Ermittlungen gehen weiter

Die zweite Haarprobe des US-Labors, das auch mehrfach bei Olympischen Spielen Dopingtests durchgeführt haben soll, hat zunächst keinen Einfluss auf die Untersuchung der Staatsanwaltschaften.

Eine Haaranalyse habe für die Ermittlungen gegen Daum wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln ohnehin nur eine "indizielle Bedeutung", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Erich Jung in Koblenz.

Strafbar sei nur der Besitz, nicht jedoch der durch eine Haarprobe beweisbare Konsum von Kokain. "Nur auf eine Haaranalyse kann sich unsere Arbeit nicht stützen. Wir ermitteln in aller Ruhe in alle Richtungen weiter", sagte Jung. Sollte sich die zweite Analyse als seriös erweisen, wäre sie jedoch trotzdem zu berücksichtigen.

Bayer und DFB: Daums Privatsache

Auch Bayer Leverkusen und der DFB bewerten die Affäre nicht neu. "Für uns ist das Thema erledigt", sagte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach.

Daum, der im kommenden Sommer Rudi Völler als Nationaltrainer ablösen sollte, habe die Untersuchung in den USA als Privatmann vorgenommen, meinte Niersbach.

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser lehnte es ab, das neue Ergebnis zu kommentieren. "Christoph Daum war bis zu jener Nacht bei uns Trainer. Was danach war, hat uns nicht zu interessieren", sagte Holzhäuser.

Daum sei nun ein ehemaliger Angestellter. "Auch aus juristischer Sicht halte ich es angesichts zweier laufender Ermittlungsverfahren für geboten, das nicht näher zu kommentieren", erklärte der Bayer-Geschäftsführer. "Vielleicht wird uns Daum noch beschäftigen im Rahmen der juristischen Auseinandersetzung um die Auflösung seines Vertrages."

Daum kündigte durch seine Anwälte an, er betrachte die Angelegenheit erst dann als geklärt, wenn das seiner Meinung nach absurde Analyseergebnis in Deutschland sowie die Frage geklärt sei, warum man ihn beim Nachweis der Unrichtigkeit nicht unterstützt habe.