DaimlerChrysler "Den gesamten Konzern umbauen"

Vorstands-Chef Jürgen Schrempp will die Führungsspitze bei Chrysler rundherum erneuern. Dieter Zetsche soll ein weiterer deutscher Manager an die Seite gestellt werden.

Stuttgart - Angeblich soll Wolfgang Bernhard zum Chief Operating Officer (COO) bei Chrysler berufenwerden und damit für das Tagesgeschäft verantwortlich sein, hieß es am Donnerstag in Unternehmenskreisen. Und weiter: Er werde für kostendämpfende Maßnahmen sorgen.


Analysten-Prügel
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Auf der Verlierer-Seite
An der Börse glaubt man nicht, dass ein Personalwechsel allein das Chrysler-Problem lösen kann.


Bernhard leitet derzeit den konzerneigenen Hersteller von sportlichen Sondermodellen AMGund war zuvor für die Entwicklung der neuen Mercedes S-Klasseverantwortlich

Personalkarussell dreht sich

Nach offiziell nicht bestätigten Informationen von Mittwochwird Vorstandsmitglied Eckard Cordes künftig den BereichNutzfahrzeuge übernehmen. Sein bisheriger Posten, der dieKonzernentwicklung und das IT-Management umfasste, soll nicht wiedermit Vorstandsrang besetzt werden, war am Mittwoch im Umfeld desUnternehmens zu erfahren.

Am Vortag wurde bekannt, dass der bisherige NutzfahrzeugchefDieter Zetsche den Präsidenten der Chrysler Group, den AmerikanerJames Holden, in Detroit ablösen soll. Chrysler leidet stark an denÜberkapazitäten auf dem US-Pkw-Markt, zu hohen Kosten und hat imdritten Quartal einen Verlust von 540 Millionen Euro verbuchen müssen.

Es waren einmal 17 Köpfe

Auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung andiesem Freitag soll das Stühlerücken im Vorstand der DaimlerChryslerAG beschlossen werden. Unternehmens-Sprecher MichaelPfister blieb bei der Stellungnahme, wonachman offiziell weder die Personalveränderungen noch den Termin derAufsichtsratssitzung bestätigen wollte.

Sollte der Aufsichtsrat das Personaltableau absegnen, hat derVorstand inklusive seines Vorsitzenden Jürgen Schrempp noch elfMitglieder - darunter nur noch zwei Amerikaner. 1998, im ersten Jahrder Fusion umfasste der Vorstand noch 17 Köpfe, darunter siebenAmerikaner. Nach der Vorstandsumbildung im September 1999 bliebennoch 14 Mitglieder, darunter fünf Chrysler-Leute. Zwischenzeitlichzogen sich noch der Co-Vorstandsvorsitzende Bob Eaton und DesignchefThomas Gale aus dem Führungsgremium des Konzerns zurück. Dieverbliebenen Amerikaner sind Gary Valade, zuständig für den weltweiten Einkauf, undThomas Sidlik, zuständig für den Einkauf der Chrysler Group/Jeep).

Völlig neue Strukturen

Prof. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft forderte amMittwoch, dass DaimlerChrysler den gesamten Konzern umbauen müsse. Diezschlug für DaimlerChrysler eine Holding-Struktur mit den MarkenMercedes-Benz, Chrysler und smart als eigenständige Unternehmen mitvoller Markt- und Markenverantwortung vor. Gegenwärtig seien keineKonzepte erkennbar, mit welchen Marken und welchen Produkten manlangfristig in welchen Märkten operieren wolle. Als Vorbild nannteDiez den Volkswagenkonzern, der konsequent nach Marken organisiertsei sowie Renault/Nissan.

In Detroit ist die Ära der Vorbilder vorbei

Am Chrysler-Standort in Detroit gab es zur Ablösung Holdens wieerwartet überwiegend kritische Kommentare. "Man findet kein Vorbildmehr, zu dem man aufschauen kann", zitierte die Tageszeitung "DetroitFree Press" einen Chrysler-Ingenieur, der fortfuhr: "InKürze gibt es nur noch Deutsche an der Spitze". So würden viele der 128.000 Mitarbeiter denken, schrieb die Zeitung. Ein Analyst wurdevon dem Blatt mit den Worten zitiert: "Zetsche war bislang sehrerfolgreich als Troubleshooter - das zeigt, dass Schrempp Chryslerwirklich in ernsten Schwierigkeiten sieht". Ein Kolumnist schrieb,Zetsche werde von den Chrysler-Händlern ein kühler Empfang bereitetwerden. Denn die seien Holden-Fans gewesen und fragten sich, wie diedeutschen Hersteller von Luxuswagen die Bedürfnisse des US-Massenmarktes verstehen könnten.

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