Continental Rollt beim Ergebnis bergab

Das weltweit schwierige Pneugeschäft hat die Neun-Monats-Bilanz des Reifenherstellers belastet. Analysten zeigten sich enttäuscht. Für das kommende Jahr verspricht Konzern-Lenker Stephan Kessel bessere Ergebnisse.

Hannover - In den ersten neun Monaten sei der Umsatz zwar um elf Prozent auf 7,4 Milliarden Euro gestiegen, erklärte Firmen-Lenker Kessel. Das operative Ergebnis erreichte aber lediglich den Vorjahreswert von 385 Millionen Euro.

Das Ergebnis blieb damit unter den Prognosen von Analysten. Diese hatten im Durchschnitt rund 394 Millionen Euro erwartet.

Kessel machte Gewinneinbußen im Reifengeschäft durch Preisdruck und gestiegene Rohstoffkosten für die nach Analystensicht enttäuschenden Ergebniszahlen verantwortlich. Die Conti-Aktien gaben nach Vorlage der Ergebnisse zunächst deutlich nach, drehte am Mittwochnachmittag aber wieder ins Plus.

Gewinnprognose gesenkt

Auch für das Gesamtjahr sieht Kessel keine Wende: Der Umsatz werde um neun Prozent auf zehn Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis aber nur den Vorjahreswert von 511 Millionen Euro erreichen und der Reingewinn sogar sinken. Die geplante Ergebnisverbesserung erwartet Conti nun 2001.

Im Kern bestätigtet der Reifenproduzent und Autozulieferer die Prognosen der Analysten. Diese hatten erwartet, dass ein überdurchschnittlich gutes Geschäft in den Nichtreifensparten Automotive Systems mit der Tochter Teves und ContiTech Einbußen bei den Reifen nicht wettmachen würden.

Umsatz rauf - Reingewinn runter

Der Reingewinn nach neun Monaten fiel allerdings noch etwas geringer als erwartet aus. Er liegt Kessel zufolge wegen höherer Zinsen und Steuern mit 148 Millionen Euro um 11,4 Prozent unter Vorjahr.

Auch dieser Trend werde sich für das Gesamtjahr fortsetzen, so dass Conti den Jahresüberschuss des Vorjahres von 119,7 Millionen Euro nicht erreichen werde.

In allen drei Reifensparten verzeichnete Continental nach eigenen Angaben ein Absatzplus und zusätzliche Marktanteile, gleichzeitig aber rückläufige Erträge.

Preisdruck belastet US-Tochter General Tire

Die US-Tochter General Tire büßte trotz eines überdurchschnittlichen Umsatzzuwachses von 20 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro mehr als 40 Prozent ihres Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (EBIT) ein. Sie steuerte nur noch 28 Millionen Euro bei, nach 49 Millionen Euro im Vorjahr.

Glimpflicher verlief die Entwicklung bei den Conti-Pkw-Reifen. Bei einem Umsatzplus von um 3,4 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro fiel der EBIT um gut zehn Prozent auf 157 Millionen Euro.

Bei den Nutzfahrzeugreifen gewann Conti mit plus 13,1 Prozent Umsatz auf 723 Millionen Euro nach eigenen Angaben zwar Marktanteile, das Ergebnis ging um 13 Prozent auf 34 Millionen Euro zurück.

Nur Nichtreifenbereich glänzt

Conti-Chef Kessel sieht vor dem Hintergrund des schwierigen Reifengeschäftes die Strategie bestätigt, den Reifenkonzern zum Systemzulieferer für die Automobilindustrie umzubauen. "Der Reifenbereich wird bald weniger als die Hälfte zum Umsatz des Konzerns beitragen", so Kessel. Außerdem werde noch mehr Reifenproduktion in Niedriglohnländer verlegt.

Die Sparte Automotive Systems baute ihre Stellung als stärkster Konzernbereich weiter aus und legte beim Umsatz gut 18 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis übertraf mit 68 Millionen Euro den Vorjahreswert um fast 75 Prozent.

Sicherheit als Verkaufsschlager

Besonders stark sei der Absatz bei Elektronischen Stabilitäts-Programmen (ESP) und Antiblockiersystemen (ABS) der Conti Teves gestiegen. Im Rahmen der Erwartungen lag auch das Plus von ContiTech mit einem Umsatzanstieg von knapp vier Prozent auf 1,3 Milliarden Euro und einem EBIT von 113 Millionen Euro (plus vier Prozent).

Für 2001 zeigt sich der Conti-Vorstand optimistisch, ohne allerdings Details zu nennen. Die beiden Nichtreifenbereiche würden ihre positive Entwicklung fortsetzen. Für die zuletzt von Gewinneinbußen betroffenen Reifensparten würden die weltweit eingeleiteten Preissteigerungen die gestiegenen Materialpreise ausgleichen, hieß es.