Telekom Telefonriese spricht von Fehlentscheidung

Die Regulierungsbehörde öffnet das Tor zum Vielsurfen: Die Telekom muss Wettbewerben ihrer Online-Tochter künftig einen Pauschalpreis für den Internet-Zugang gewähren.

Bonn - Damit setzten sich konkurrierende Internet-Anbieter mit ihrer Beschwerde gegen den Bonner Telefonriesen und seinen Netz-Ableger T-Online durch.

Ein entsprechende Entscheidung wurde von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post am Donnerstag getroffen. Die Deutsche Telekom darf vom 15. Dezember an keine Mengenrabatte mehr für Telefon-Verbindungsminuten in das Internet anbieten. Denn dabei sei "allein die Deutsche Telekom AG beim konzerninternen Bezug in den Genuss der höchsten Rabattstufe" gekommen, hieß es.

Großhandels-Flatrate für Wettbewerber angeordnet

Die Telekom wird darüber hinaus verpflichtet, bis zum 1. Februar kommenden Jahres den Konkurrenten zeitunabhängige Pauschaltarife, so genannte Großhandels-Flatrates, einzuräumen. Gegenwärtig berechnet der ehemalige Monopolist den Online-Anbietern hierfür 1,5 Pfennig im Minutentakt.

Dieses System hat sich für die mit T-Online konkurrierenden Anbieter von Flatrate-Tarifen für das Internet als nicht konkurrenzfähig erwiesen. Die Nutzer surften teilweise so lange im Netz, dass der von den Wettbewerbern an die Telekom zu zahlende Verbindungsminutenpreis die Einnahmen aus dem Pauschaltarif nicht mehr deckte.

Nachdem Flatrate-Angebote noch im Sommer einen Boom erlebt, haben die meisten Anbieter den Pauschaltarif inzwischen wieder vom Markt genommen - einige mussten Konkurs anmelden.

Nach der Entscheidung der Regulierungsbehörde kann T-Online als Marktführer unter den deutschen Internet-Anbietern nun mit verstärkter Konkurrenz rechnen, vermuten Branchenkenner.

Konkurrenten verlangen gleiche Marktchancen

Auch große Anbieter, wie der weltweit größte Online-Dienst AOL, forderten seit längerem eine pauschale Berechnung der Vorleistungen, die ihnen die Telekom in Form von Leitungskapazitäten zur Verfügung stellt.

Stellvertretend für die Branche hatten AOL und der Netzbetreiber Mediaways bei der Regulierungsbehörde eine Beschwerde gegen die Flatrate von T-Online eingelegt. Nur mit einer Großhandels-Flatrate könnten die Anbieter wirtschaftlich kalkulieren, argumentieren die Wettbewerber.

Der Telekom warfen sie vor, T-Online marktwidrig zu bevorzugen. Das Darmstädter Unternehmen bietet derzeit einen Internet-Pauschaltarif von 79 Mark bietet.

Mit diesem Preis wolle die Telekom die Konkurrenten von ihrer Internettochter aus dem Markt heraushalten und nehme dafür Verluste bei T-Online in Kauf, lauten zwei weitere Vorwürfe. Die Telekom konterte, die Wettbewerber versuchten, das wirtschaftliche Risiko auf den Netzbetreiber zu verlagern.

Harsche Reaktion der Telekom

Ein Sprecher des Onlinedienstes AOL forderte dagegen erneut einen Pauschaltarif für die Endverbraucher von unter 50 Mark, ähnlich wie in Großbritannien. Die Regulierungsbehörde will ihre Entscheidung offiziell an diesem Donnerstag bekannt geben.

Sollte sich AOL mit seinen Vorstellung beim Regulierer durchgesetzt haben, dürfte dies T-Online, das durch die Führungskrise bereits schwer angeschlagen ist, hart treffen. Konkurrenzangebote zur Flatrate von T-Online wären damit leichter möglich.

Entsprechend hart viel die Reaktion der Mutter Telekom am Mittwochabend aus. Die Telekom werte den Entscheid für eine Großhandels-Flatrate als Fehlentscheidung, erklärte eine Unternehmenssprecher. Zuvor hatte die Telekom bereits angekündigt, gerichtliche Schritte prüfen zu wollen, wenn die Behörde einen Pauschaltarif im Vorleistungsbereich anordnet.