Deutsche Bahn Risiken mit starken Nebenwirkungen

Um 20 Milliarden Mark hat sich das Management des Unternehmens Zukunft verrechnet. Nun will Vorstands-Chef Hartmut Mehdorn aufräumen - ohne Rücksicht auf Verluste.

Berlin - Die jüngste Bestandsaufnahme bei dem Staatsunternehmen habe "erhebliche Planabweichungen und Risiken" ergeben, sagte Mehdorn am Mittwoch. Verantwortlich seien vor allem "gravierende Investitionsrückstände" im bestehenden Schienennetz, Kostenüberschreitungen bei Großprojekten und "zu optimistische Umsatzprognosen" des Bahn-Managements in den vergangenen Jahren.

Noch weniger Lob

Mehdorn kündigte einen "harten Sanierungskurs" an. Nur so könnten die nun geplanten Zahlen erreicht werden. Künftig würden Investitionsentscheidungen im Netz "noch engmaschiger" unter Rentabilitätsgesichtspunkten getroffen. "Wir werden nur noch machen, was sich rechnet", sagte er.

Dies müsse "jetzt sein", auch wenn die Bahn dann in der Zukunft nicht sehr viel Lob erhalte und auf große Widerstände in der Fläche stoße. Außerdem will sich die Bahn nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden unter anderem von weiteren nicht bahnnotwendigen Aktivitäten trennen, den Einkaufsprozess besser fokussieren, Planungsverfahren überprüfen und den überalterten Bestand erneuern.

Eine Grundsatzeinigung mit der Eisenbahnergewerkschaft Transnet solle außerdem zu Einsparungen von 3,6 Milliarden Mark an Personalkosten in fünf Jahren führen.

Börsengang um drei Jahre verschoben Mit den von der Bundesregierung zusätzlich zugesagten Milliarden aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen wolle die Bahn vorrangig ihr sanierungsbedürftiges Schienennetz auf Vordermann bringen.

Der Bahn-Chef zeigte sich trotz aller Dramatik zuversichtlich, im Jahr 2005 "wieder die Gewinnzone zu erreichen". Bis dahin sei mit jährlichen Verlusten von "vier bis fünf Milliarden Mark" zu rechnen. Der ursprünglich für 2004 anvisierte Börsengang werde deshalb "zwei oder drei Jahre später stattfinden".