Commerzbank Filialen sollen geschlossen werden

Mit einem Rekordgewinn im Rücken will Martin Kohlhaussen, der scheidende Vorstandssprecher, den Unternehmenswert der Bank weiter steigern. Zukünftig soll das operative Geschäft in zwei Sparten gebündelt werden.

Frankfurt - Die Commerzbank pocht weiter auf ihre Eigenständigkeit. "Unser Ziel ist es, den Konzern eigenständig weiter zu entwickeln und den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern", sagte ihr Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen.

Dabei will das Kreditinstitut von 2001 an sein operatives Geschäft in nur noch zwei große Sparten bündeln. Die tragenden Konzernsäulen heißen künftig Private Kunden und Vermögensverwaltung sowie Firmenkunden und Investmentbanking. In ihnen würden alle relevanten Kundengruppen, Filialen, Tochtergesellschaften und Produkte zusammengeführt. "So schaffen wir eine voll integrierte Firmenkunden- und Investmentbank", sagte Kohlhaussen.

Er betonte, sämtliche Aktivitäten des Konzerns stünden in den kommenden Wochen auf dem Prüfstand. Die Zahl der Filialen - derzeit sind es bundesweit 935 - soll demnach in den nächsten eineinhalb Jahren um rund 200 reduziert werden. Vor allem in Ballungsgebieten würden Standorte zusammengelegt. "Durch die stärkere Nutzung von Internet und Call-Center können wir die Anzahl der Filialstandorte reduzieren."

Auslandsnetz soll ausgedünnt werden

Auch das Auslandsnetz werde ausgedünnt. Dies gelte besonders für Asien und Afrika. Künftig will sich die Commerzbank noch stärker auf Europa konzentrieren.

In den USA will der Bank-Chef jedoch die Sparte Vermögensverwaltung durch Zukäufe erweitern. "Zur Zeit sind wir in den USA konkret auf der Suche", kündigte Kohlhaussen an.

Dies geschieht im Schulterschluss mit der italienischen Versicherungsgruppe Generali, die rund zehn Prozent an der Commerzbank AG hält. Gemeinsame Projekte gebe es auch im internationalen Privatkunden- und Fondsgeschäft.

Bank legt bei Gewinn zu

Der Gewinn vor Steuern sei in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2000 um 139 Prozent auf 2,416 Milliarden Euro gestiegen, nach 1,011 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, teilte die Bank am Mittwoch mit.

Der Gewinn nach Steuern und Anteilen Dritter stieg um 129 Prozent auf 1,438 Milliarden Euro nach 628 Millionen Euro im Vergleichszeitraum. Analysten hatten beim Vorsteuergewinn nach neun Monaten im Durchschnitt einen Wert von 2,213 Milliarden Euro und beim Nachsteuergewinn mit 1,329 Milliarden Euro gerechnet.

Den Verwaltungsaufwand gab die Bank mit 3,853 (3,19) Milliarden Euro an. Dies entspricht einem Anstieg von 20,8 Prozent. Beim Handelsergebnis verbesserte sich die Bank um 22,3 Prozent auf 751 (614) Millionen Euro. Der Zinsüberschuss verbesserte sich um 8,1 Prozent auf 2,646 Milliarden Euro. Der Vorstand erwartet auch für das gesamte Jahr 2000 ein gutes Ergebnis, das deutlich über den Planzahlen liegen werde.