Donnerstag, 14. November 2019

US-Wahl Wahlbeteiligung bleibt in USA ein Problem

Lange vor dem Stichtag war klar, dass das Ergebnis bei der Präsidentenwahl eng würde. Beide Präsidentschafts-Kandidaten lagen bei Umfragen seit Wochen gleichauf. Die prognostizierte hohe Wahlbeteiligung blieb dennoch aus.

Washington - Seit dem Rennen zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon vor 40 Jahren hatte es das in den USA nicht mehr gegeben. Diese Situation - und die Milliarden, die als Mobilisierungshilfe in den Wahlkampf flossen, hatten eine positive Wirkung auf die Wahlbeteiligung erwarten lassen. Doch irrten sich die Meinungsforscher.

Nach Angaben von Curtis Gans, Chef des unabhängigen Studien-Instituts zur Erforschung des US-Wählerverhaltens, beteiligten sich "rund 51 Prozent" der schätzungsweise 200 Millionen Wahlberechtigten in den USA aktiv an dieser Wahl.

Diese Zahl lag damit nur unwesentlich höher als 1996, wo es um die von Bill Clinton angestrebte Wiederwahl ging und Clintons Herausforderer Robert Dole hieß. In jenem Wahljahr beteiligten sich erstmals seit 1924 mit 49 Prozent weniger als die Hälfte der wahlberechtigten Amerikaner.

Wahlbeteiligung geht zurück

1960, als es um die Entscheidung zwischen Kennedy und Nixon ging, nahmen 62,8 Prozent der Amerikaner ihr Stimmrecht wahr. Seitdem ging die Wahlbeteiligung langsam aber stetig zurück. "Ich glaube nicht, dass die Wahlbeteiligung am Dienstag sich auf diesen Trend auswirken wird", sagt Gans.

Jeder habe gewusst, wie knapp das Rennen diesmal ausgehen könne, und obwohl Milliarden für die Wählermobilisierung aufgewendet worden seien, habe es doch nur eine Beteiligung gegeben, die die USA zahlenmäßig auf Platz 139 von 163 Demokratien weltweit verweise.

Die zwei Prozent Plus im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren führt Gans nahezu ausschließlich auf den Mobilisierungseffekt in den besonders umkämpften Bundesstaaten zurück. Demgegenüber sei die Wahlbeteiligung in einigen nicht für den Sieg entscheidend wichtigen Staaten geringer ausgefallen als 1996. Besonders auf die "battlefield states", wo es um viele Stimmen für das Wahlkollegium ging, hatten die Wahlkampf-Sponsoren ihre Mittel konzentriert.

Helfer sollten Wahlvolk mobilisieren

Nach eigenen Angaben schickten die beiden großen Parteien, die Demokratische Partei und die Republikaner, Zehntausende von freiwilligen Helfern aus, um diese beim Wahlvolk für den Gang zur Urne werben zu lassen. Über 100 Millionen Anrufe mit dem gleichen Ziel seien getätigt und Zig-Millionen E-Mails verschickt worden. 1988, 1996 und nun 2000, immer das gleiche Bild. "Das heißt, wir sind noch nicht raus aus dem Tal, was die Abnahme der Wahlbeteiligung angeht."

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