Fotostrecke

Europas Schaltzentrale: Die Wortführer im EZB-Rat

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Tagesprotokoll EZB pumpt 1,14 Billionen Euro in die Märkte

Gegen die Deflationsgefahr wollen Europas Währungshüter monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt pumpen, das Gesamtvolumen liegt bei 1,1 Billionen. Das nervenaufreibende Tagesprotokoll zur historischen EZB-Entscheidung.
Von Christoph Rottwilm und Torben Schultz

17.39 Uhr: Positiv reagierte der Deutsche Gewerkschaftsbund. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte: "Die Entscheidung des EZB-Rats, Staatsanleihen flächendeckend zu kaufen, ist richtig. Sie wird das Zinsniveau für Anleihen in Krisenländern senken, den Druck auf öffentliche Haushalte mildern und einen Beitrag zur dauerhaften Stabilisierung des Euro leisten." Aber die EZB könne es nicht alleine richten. Ein Kurswechsel in Europa sei nötig. "Wir brauchen eine ambitionierte Investitionsoffensive und ein Ende der Sparpolitik, damit in Europa wieder konsumiert und investiert wird. Erst dann entstehen Arbeitsplätze, erst dann steigt die Nachfrage und die Deflationsgefahr sinkt."

17.29 Uhr: Der Euro ist nach der Verkündung des EZB-Anleihenkaufprogramms massiv unter Druck geraten. Der Kurs der Gemeinschaftswährung fiel um etwa zwei Cent auf bis zu 1,1404 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit November 2003.

17.11 Uhr: Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn kritisiert, die Entscheidung der EZB sei eine illegale und unsolide Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. "Das ist nach Artikel 123 des EU-Vertrages eigentlich verboten und bedarf der Klärung durch das deutsche Verfassungsgericht", sagte Sinn.

Fotostrecke

Erklär-Comic: Warum die EZB massenhaft Staatsanleihen kauft

Foto: SPIEGEL ONLINE

17.03 Uhr: Griechenland droht nach den Worten von Ministerpräsident Antonis Samaras ein Ausschluss aus dem gerade beschlossenen massiven Anleihenkaufprogramm (QE) der EZB. Ohne einen Abschluss der Prüfmission der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF), bei der diese die Reformfortschritte auf Basis der getroffenen Zusagen unter die Lupe nimmt, werde Griechenland nicht von dem EZB-Programm erfasst, sagte Samaras am Donnerstag in Athen. "Die heutige Entscheidung der EZB macht deutlich, dass wir ohne einen Abschluss der Prüfaktion ausgeschlossen werden." Finanzminister Gikas Hardouvelis hatte bereits vor einem Ausschluss gewarnt, die Griechen wählen am Sonntag ein neues Parlament.

16.54 Uhr: Der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßt das Milliardenprogramm der EZB. Das Programm werde helfen, "die Kreditkosten in der Eurozone zu senken, die Inflationserwartung zu erhöhen und das Risiko einer in die Länge gezogenen Phase niedriger Inflation zu reduzieren", sagte die IWF-Chefin Christine Lagarde laut einer in Washington verbreiteten Mitteilung. Allerdings müsse die lockere Geldpolitik auch durch wirtschaftspolitische Entscheidungen unterstützt werden, mahnte Lagarde. Dazu gehörten Strukturreformen und die Ankurbelung der Nachfrage.

16.41 Uhr: Der Dax erklimmt neue Rekordhochs jenseits der 10.400 Punkte.

16.29 Uhr: Die Renditen für Staatsanleihen der Euroländer Frankreich, Spanien und Italien sind nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der EZB auf ihren bislang niedrigsten Stand gefallen. Staatsanleihen dieser Länder mit zehnjähriger Laufzeit wurden von Investoren stark nachgefragt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi das Ankaufprogramm verkündet hatte.

16.15 Uhr: Der Präsident der US-Investmentbank Goldman Sachs, Gary Cohn, warnt vor einer Zinserhöhung in den USA zu einer Zeit, da in anderen Regionen der Welt die Geldpolitik noch weiter gelockert wird. "Schon jetzt hat der US-Dollar deutlich an Wert gewonnen und er wird nur noch stärker werden." Das könne der US-Wirtschaft einen schweren Schlag versetzen.

16.03 Uhr: Ungeachtet der EZB-Entscheidung zu milliardenschweren Anleihenkäufen will Deutschland nicht von seinem Spar- und Reformkurs abweichen. Das betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Weltwirtschaftsforum in Davos. "Ich lege wert darauf, dass wir unser Feld eher noch entschiedener bestellen, als dass wir uns darauf verlassen, dass das Zeitkaufen durch andere Maßnahmen uns irgendwie von dem Thema Strukturreformen befreien wird."

Merkel rief Europa zugleich zu entschlossenen Strukturreformen auf. "Jetzt ist die Zeit, die Haushalte auch durch die niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen zu konsolidieren", sagte sie. "Wer jetzt nicht mit seinem Haushalt auskommt, bei dem weiß ich nicht, was passiert, wenn die Zinsen mal wieder ganz normale Werte annehmen."

15.58 Uhr: Der CSU-Politiker Peter Gauweiler will wegen der Staatsanleihenkäufe erneut vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Die EZB wolle "schon wieder den Banken in den Krisenstaaten faule Papiere abnehmen und die Risiken den europäischen Steuerzahlern aufbürden", hieß es in einer Mitteilung Gauweilers. Der Bundeshaushalt werde mit Haftungsrisiken in riesiger Milliardenhöhe belastet, ohne dass der Bundestag dem zugestimmt habe. Gauweiler hatte in der Vergangenheit bereits gegen die Absicht der EZB geklagt, Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen. Die endgültige Entscheidung liegt beim Europäischen Gerichtshof.

EZB-Entscheidung drückt US-Börsen ins Minus

15.53 Uhr: Die US-Börsen haben nach Bekanntgabe der EZB-Pläne zum massiven Aufkauf von Staatsanleihen schwächer eröffnet.

15.39 Uhr: Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet möglicherweise mit einer Ausweitung von QE: "Da das Programm 19 Monate laufen soll, dürften mehr als 1000 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden. Das Kaufprogramm ist damit deutlich größer, als es die meisten Experten erwartet hatten. Darüber hinaus hat Draghi gesagt, dass solange gekauft wird, wie es die Inflation notwendig erscheinen lässt. Das könnte darauf hindeuten, dass die EZB im Falle einer anhaltend niedrigen Inflation noch einmal nachlegt. Nach QE ist vor QE."

Die Maßnahmen ändern wenig am schwachen Wachstum und an der niedrigen Inflation im Euro-Raum. Sie treiben aber die Vermögenspreise. Das hilft also nicht der Konjunktur, sondern über niedrige Zinsen den Finanzministern der hoch verschuldeten Euro-Ländern und deren Banken."

15.33 Uhr: Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) kritisiert die Entscheidung der EZB. "Die EZB untergräbt damit die Anreize für eine nachhaltige Haushaltsdisziplin und Schuldenpolitik", erklärte IfW-Präsident Dennis Snower. Da die EZB Anleihen unterschiedlicher Länder auf ihre Bilanz nehme, ebne sie Zinsunterschiede ein und verzerre damit die Risikosignale für diese Länder.

"Die heute beschlossenen Staatsanleihekäufe führen zu einer Vergemeinschaftung der nationalen Staatsschulden", kommentierte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen mit niedrigen Zinsen, hoher Liquidität und Impulsen durch niedrige Ölpreise sei das geldpolitisch nicht geboten. "Mit ihrem ultraexpansiven Kurs bewegt sich das Eurosystem immer weiter in ökonomisches Neuland", sagte Kooths. "Das ist ein monetäres Experiment mit ungewissem Ausgang." Angebracht wäre eine Geldpolitik der ruhigen Hand.

15.25 Uhr: Die EZB wird bei ihren Anleihenkäufen nur einen kleinen Teil der Risiken innerhalb der Währungszone verteilen. Eine gemeinsame Risikohaftung werde es nur bei Wertpapieren europäischer Institutionen geben, sagte EZB-Präsident Draghi. Solche Anleihen, zu denen etwa Papiere der Europäischen Investitionsbank zählen könnten, sollen zwölf Prozent der gesamten Käufe ausmachen. Staatsanleihenkäufe sollen sich nach dem Anteil der Euroländer am EZB-Kapital auf die einzelnen Länder verteilen. Damit wird die EZB vor allem Staatsanleihen von Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien kaufen.

15.20 Uhr: Bei der EZB-Abstimmung gab es keine Gegenstimme. Die Währungshüter beschlossen, "dass dieses Programm grundsätzlich ein geeignetes Mittel der Geldpolitik ist", sagte EZB-Präsident Draghi in der Pressekonferenz. Demzufolge ergab die Diskussion sogar eine so große Mehrheit, dass keine Abstimmung nötig war.

Zwar gibt es im EZB-Rat ausgewiesene Gegner des Anleihekaufprogramms. Die Notenbank stimmte allerdings nicht über die Frage ab, ob das Programm jetzt zur richtigen Zeit komme.

Merkel: Schuldenkrise noch nicht überwunden

15.11 Uhr: Bundeskanzlerin Merkel sagt, die Euro-Schuldenkrise sei "einigermaßen im Griff, überwunden ist sie nicht". Vor allen Dingen habe Europa noch nicht ausreichend Vertrauen und Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen. Jeder Tag, an dem die Wettbewerbsfähigkeit weiter Schwächen zeige, "ist ein verlorener Tag für Arbeitslose in Europa". Europa brauche vor allem Arbeitsplätze in langfristig hoch qualifizierten Bereichen wie der Digitalisierung.

15.06 Uhr: Auch griechische Staatsanleihen will die EZB wohl kaufen. Allerdings sollen dafür laut den Währungshütern zusätzliche Kriterien angelegt werden. Athen hatte zuletzt noch einmal an die Zentralbank appelliert, das Land bei einem möglichen Kaufprogramm nicht außen vor zu lassen.

14.58 Uhr: Die deutsche Wirtschaft kritisiert den von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigten massenhaften Kauf von Staatsanleihen. "Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. "Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt. Dabei überwiegen eindeutig die Risiken: Die Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen auf die Preisentwicklung in der Eurozone ist unsicher."

Zugleich werde damit der Druck auf die Krisenstaaten gemindert, dringend notwendige Reformen durchzuführen. "Auch die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten lässt er weiter steigen", sagte Wansleben. Kritik kommt auch aus der CDU. "Diese Maßnahme hilft dem Süden der Euro-Zone, der Norden braucht sie nicht", erklärte der Chef des einflussreichen Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk.

14.51 Uhr: EZB-Chef Draghi sagte auf der Pressekonferenz, die Notenbank werde kaufen, "bis wir eine nachhaltige Veränderung sehen".

14.47 Uhr: Der Dax  steigt um bis zu 1 Prozent auf ein Rekordhoch von 10.399,67 Punkte. Im Gegenzug rutscht der Euro (Kurswerte anzeigen) um bis zu 0,8 Prozent auf 1,1511 Dollar ab.

14.44 Uhr: Der Dax legt 0,7 Prozent zu auf 10.369 Punkte - damit markiert er im Sekundentakt neue Rekordhochs.

14:42 Uhr: Der EZB-Rat beschließt den Kauf von Staatsanleihen in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro ab März. Laufen soll das Programm zunächst bis September 2016, sagte EZB-Präsident Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Das wären insgesamt etwa 1,2 Billionen Euro und damit mehr als erwartet.

Versicherer und Sparkassen schießen gegen EZB

14:39 Uhr: Der Mann hat Nerven: Während die Börsen gespannt warten, begrüßt EZB-Chef Draghi erst einmal Litauen im Euro-Raum.

14.37 Uhr: Das Fieber an den Märkten steigt. Der Dax gewinnt 0,2 Prozent auf 10.314 Punkte. Der Euro  kletterte. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1618 (Mittwoch: 1,1593) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8607 (0,8626) Euro.

14.36 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont die Unabhängigkeit der EZB. Sie sagte beim Weltwirtschaftsforum in Davos: "Was immer für eine Entscheidung die EZB fällt, sie darf nicht davon ablenken, dass die eigentlichen Wachstumsimpulse durch vernünftige Rahmenbedingungen durch die Politik gesetzt werden müssen und auch gesetzt werden können." Merkel verwies auf Reformanstrengungen in Euro-Ländern wie Italien und Frankreich. "Aber wir haben auch schon viel Zeit verloren, und die Zeit drängt."

14.32 Uhr: Draghi und Co. lassen sich Zeit mit ihrem Auftritt in Frankfurt. Vermutlich ist das Teil der Inszenierung. Der Dax  notiert derweil 0,1 Prozent im Plus bei 10.312 Zählern.

14.28 Uhr: Hier noch einmal der Link zum Live-Stream  der EZB-Pressekonferenz mit Notenbank-Chef Draghi, die um 14.30 beginnt. Scheint übrigens etwas überlastet zu sein, die Wiedergabe hakt gelegentlich.

14.21 Uhr: Nach den Versicherern bekräftigt auch Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon seine EZB-Kritik. Die Notenbank verschieße nahezu ihre letzte Patrone. "Letztlich hatte die Notenbank wohl gar keine andere Chance mehr, als den Versuch zu starten, den von ihr selbst genährten Erwartungen der Märkte gerecht zu werden", sagte er.

Würden die sinkenden Energiepreise herausgerechnet, sei die Teuerungsrate - wenn auch auf niedrigem Niveau - absolut stabil. Der Konsum sei robust. "Ich kann auf breiter Front keine wirklichen Deflationsgefahren erkennen, die es zu bekämpfen gilt." Statt die ohnehin schon volle Badewanne mit noch mehr billigem Geld zu fluten, führe kein Weg an Strukturreformen in den Euro-Ländern vorbei.

14.12 Uhr : Die deutsche Versicherungswirtschaft kritisiert die Währungshüter. "Der Schritt der EZB ist eine Zumutung", sagte der Präsident des Branchenverbands GDV, Alexander Erdland. Weiterer Schaden für die Sparer sei programmiert. Ein EZB-Anleihekaufprogramm verstärke den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere als Säule der privaten Altersvorsorge. "Das macht es uns jetzt noch schwerer, den Menschen gute Angebote für ihr Alter zu machen."

Leitzins bleibt auf Rekordtief

14.04 Uhr: Wer einmal live miterleben will, wie die EZB - vermutlich - Geschichte schreibt, kann die Pressekonferenz von Draghi und Co. hier im Stream  sehen. Um 14.30 Uhr soll es losgehen. Derzeit läuft noch ein Trailer - den man aber weder an den Bildern noch an der Musik messen sollte.

13.55 Uhr: Der Euro (Kurswerte anzeigen) reagiert kaum auf die Beibehaltung des rekordniedrigen Leitzinses. Die Gemeinschaftswährung notiert mit 1,1621 Dollar. Der deutsche Leitindex Dax  indes zuckt und dreht leicht ins Plus. Es dürfte wohl nicht das letzte Zucken für heute gewesen sein.

13.47 Uhr: Die EZB legt im Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturflaute und fallende Preise nach. Die Währungshüter kündigten am Donnerstag weitergehende geldpolitische Schritte an. Details sollen noch am Nachmittag bekanntgegeben werden, wie die Notenbank in Frankfurt nach ihrer ersten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr mitteilte.

Den Schlüsselzins für die Versorgung des Bankensystems mit frischem Geld (Leitzins) ließ die EZB auf dem Rekordniveau von 0,05 Prozent. EZB-Chef Draghi wird die Gründe für den Beschluss auf einer Pressekonferenz um 14:30 Uhr erläutern. Die EZB hatte die Märkte zuletzt bereits auf großangelegte Staatsanleihenkäufe eingestimmt. Damit soll eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen verhindert werden.

13.45 Uhr: Die EZB belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

13.37 Uhr: Der Chef der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, hat von der EZB eine weiterhin lockere Geldpolitik gefordert, um die Wirtschaft zu stimulieren. Er erwarte, dass die EZB "anpassungsfähig" bleibe. "Ich bin sicher, dass sie innerhalb ihres Mandats das tun werden, was notwendig ist", sagte Dijsselbloem.

Gleichzeitig betonte er, die Maßnahmen der EZB würden die einzelnen Regierungen nicht von der Aufgabe entbinden, ihre Wirtschaft zu reformieren und wettbewerbsfähiger zu machen. Dabei verwies er besonders auf Frankreich und Italien. Die jetzigen Regierungen beider Länder seien "deutlich ambitionierter, was Reformen angeht, aber es muss immer noch getan werden", sagte Dijsselbloem, der auch niederländischer Finanzminister ist.

13.25 Uhr: Zur Erinnerung: Den Grundstein für die heute zu erwartende Entscheidung der EZB legte deren Präsident Draghi in einer legendären Rede auf einer Konferenz in London im Jahr 2012. Dort versicherte der Italiener der Welt und den Finanzmärkten, die EZB werde alles tun, um den Euro zu erhalten. "Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough", sagte Draghi seinerzeit wörtlich. Die Rede kann bei Interesse hier noch einmal nachgelesen werden .

Fachleute wetteifern um Deutungshoheit

13.10 Uhr: Die Fachleute wetteifern um die Deutungshoheit zum geplanten QE der EZB. Harvard-Professor und US-Präsidentenberater Larry Summers etwa glaubt nicht, dass die Maßnahmen der EZB so gut wirken werden, wie dies etwa beim QE in den USA der Fall war. Die Gründe nannte Summers laut "Financial Times" in Davos: Die US-Zentralbank sei mit ihrem Quantitative Easing früher dran gewesen, habe damit überrascht und habe zudem die Möglichkeit gehabt, die Kapitalmärkte besser zu durchdringen. In Europa dagegen sei das Kreditgeschäft zu Banken-lastig, so Summers.

12.55 Uhr: Die Erwartung an die Geldflut aus Frankfurt löst in Übersee offenbar Nervosität aus. Die US-Zentralbank dürfe die Zinsen nicht zu früh erhöhen, solange in Europa und Japan noch die Geldpolitik gelockert werde, sagte Goldman-Sachs-Präsident Gary Cohn in Davos. "Schon jetzt hat der US-Dollar deutlich an Wert gewonnen und er wird nur noch stärker werden", so Cohn. Das werde der US-Wirtschaft einen schweren Schlag versetzen.

12.40 Uhr: Bemerkenswerte Umfrage des US-Senders CNBC: Auf seiner Website fragt der Sender die Besucher , mit welcher Entscheidung die EZB heute das größte Chaos anrichten könne. Ergebnis mit Riesenmehrheit bei bislang mehr als 3000 abgegebenen Stimmen: Das größte Chaos erwarten die CNBC-Nutzer, falls die EZB gar nichts tut.

12.25 Uhr: Kritische Töne von Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung: Es sei unwahrscheinlich, dass Draghi mit seinen QE-Plänen die Situation in der Euro-Zone deutlich entschärfen könne, schreibt Horn in einem Beitrag auf der Website der Stiftung . Der EZB-Chef sei "am Ende seiner Möglichkeiten angekommen".

12.15 Uhr: Der Euro hat am Donnerstag vor Entscheidungen der EZB leicht zugelegt. Am Mittag erreichte die Gemeinschaftswährung ein Tageshoch bei 1,1631 US-Dollar und stand damit etwas höher als am Vorabend. Am Mittwoch hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,1593 Dollar festgesetzt.

12.00 Uhr: In Davos hat sich auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zu Wort gemeldet. "Ich glaube, dass die europäische Politik insgesamt der Europäischen Zentralbank die Aufgabe, Wachstum und Beschäftigung zu stimulieren, nicht allein überlassen darf", sagte Gabriel beim Weltwirtschaftsforum.

11.45 Uhr: Wenige Stunden vor der erwarteten Bekanntgabe einesumfangreichen Kaufprogramms für Staatsanleihen durch die EZB notiert der deutsche Leitindex Dax knapp unter Rekordniveau. Die Erwartungen sind hoch - der Dax hatte in den vergangenen sechs Handelstagen um mehr als 8 Prozent zugelegt. Entsprechend hoch ist auch das Enttäuschungspotenzial. Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain gab am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Bergdorf Davos die Messlatte vor: "Für die Märkte wären 500 Milliarden Euro eine Enttäuschung, 750 Milliarden Euro okay und eine Billion sehr gut", sagte Jain.

Ratespiele - das Enttäuschungspotenzial ist groß

11.30 Uhr: Ratespiele kurz vor der Entscheidung: Nach Schätzung der Commerzbank wären ungefähr 700 Milliarden Euro nötig, um die Lücke zu Draghis Bilanzziel zu schließen. Die meisten Analysten rechnen mit einer halben Billion Euro für Staatsanleihen, eventuell ergänzt um andere Wertpapiere wie Unternehmensanleihen. Doch Draghi kann die Märkte noch enttäuschen, denn im Detail sind fünf wichtige Fragen noch offen.

11.00 Uhr: EZB-Chef Draghi wird ab 14.30 Uhr die Entscheidung der EZB in einer Pressekonferenz erläutern. "Bei der Pressekonferenz muss EZB-Präsident Draghi das Kunststück vollbringen, den Beschluss so zu verkaufen, dass er nicht als das politisch gerade noch Machbare erscheint, sondern als schlagkräftige Maßnahme", heißt es in einem Kommentar der Commerzbank.

10.30 Uhr: Mit dem Öffnen der Geldschleusen (Quantitative Easing) will die EZB nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed über die Kreditvergabe der Banken die Konjunktur ankurbeln. Denn angesichts der fallenden Inflationsraten fürchten viele Analysten ein Abgleiten der Wirtschaft im Währungsraum in eine Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen.

10 Uhr: Kurz vor der erwarteten Verkündung des neuen Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) macht Griechenland Druck, nicht davon ausgenommen zu werden. "Wir sind das Land mit der höchsten Deflation, mit der höchsten Verschuldungsquote und den höchsten inländischen Zinssätzen", sagte der griechische Finanzminister Gikas Hardouvelis in einem Interview mit dem "Handelsblatt". "Theoretisch sind wir aufgrund der Deflation und des Ziels der Preisstabilität der EZB der ideale Empfänger des Programms". Ein Ausschluss zum jetzigen Zeitpunkt sei seiner Ansicht nach "nicht korrekt". Am Sonntag wird in Griechenland neu gewählt, die Euro-Gegner um das Linksbündnis Syriza liegen in den Umfragen vorn.

9.30 Uhr: Klotzen, nicht kleckern: Laut einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg dürfte die EZB ab März 2015 pro Monat 50 Milliarden Euro in den Markt pumpen. Dies sehe ein Vorschlagspapier für den EZB-Rat vor. Das Programm könne bis Ende 2016 laufen - würde solch ein Vorschlag in die Tat umgesetzt, würde die EZB 1,1 Billionen Euro in den Markt pumpen. An den Finanzmärkten hatten die Anleger bereits am Vorabend mit weiteren Käufen auf diese Spekulation reagiert und die Indizes in der Euro-Zone weiter nach oben getrieben.