Montag, 22. Juli 2019

Absturz des Euro Notenbank kapituliert, Schweizer Börse kollabiert - deutsche Anleger kassieren

Währungsgewinne: So macht die SNB deutsche Aktionäre glücklich
REUTERS

Die Freigabe des Schweizer Franken lässt die Börse in Zürich einbrechen. Deutsche Anleger, die in Konzerne wie Nestle, Roche oder Novartis investiert haben, streichen Währungsgewinne ein.

Zürich/London - Schwere Turbulenzen an den Devisen- und Finanzmärkten: Die Börse in Zürich ist am Donnerstagvormittag massiv eingebrochen. Zuvor hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) überraschend die Anbindung des Franken an den Euro und damit den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. Sie hatte gleichzeitig den Leitzins deutlich ins Minus gesenkt.

Der Schweizer Leitindex SMI stürzte innerhalb weniger Minuten um mehr als 10 Prozent ab - das bedeutet, dass die im SMI notierten Unternehmen rund 117 Milliarden Franken an Börsenwert verloren haben. Zuletzt notierte der SMI noch 6 Prozent Prozent tiefer bei 8556.

Euro stürzt auf Parität zum Schweizer Franken

Der Euro fiel zum Franken in einer ersten Reaktion wie ein Stein. Nach der Kehrtwende der SNB geriet die Gemeinschaftswährung sofort stark unter Druck und sank zeitweise sogar unter die Parität zum Franken. Zeitweise fiel er auf das Rekordtief von 0,8517 Franken. Zuletzt erholte sich der Euro wieder etwas und wurde mit 1,0430 Franken gehandelt. Nach Ansicht des Experten Wortberg könnte der Euro sich bei Parität einpendeln.

An den Märkten gehen einige Beobachter inzwischen davon aus, dass der Franken nach dem Brechen des "Staudamms" sich mittelfristig in der Parität zum Euro erreichen könnte.

Mit einem Minus von je rund 12 Prozent waren Holcim Börsen-Chart zeigen und Transocean die größten Verlierer. Die Index-Schwergewichte Roche Börsen-Chart zeigen und Novartis Börsen-Chart zeigen verloren jeweils rund sieben Prozent.

Schweizer Aktien: Währungsgewinne für deutsche Anleger

Für Anleger in Deutschland, die in Schweizer Global Player wie Roche Börsen-Chart zeigen , Novartis Börsen-Chart zeigen oder Nestlé Börsen-Chart zeigen investiert haben, besteht jedoch kurzfristig kein Grund zur Trauer. Da ihre Investments in Euro getätigt wurden und der Euro gleichzeitig gegenüber dem Franken massiv abgewertet hat, sind die Währungsgewinne für Euro-Anleger höher als die Kursverluste der Unternehmen in ihrer Heimatwährung.

Das bedeutet: Während ein Konzern wie Novartis in der Heimatwährung Franken zuletzt um rund 10 Prozent auf 88 Schweizer Franken nachgab, legte die in Euro nominierte Novartis-Aktie eines deutschen Anlegers um mehr als 6 Prozent auf 86 Euro zu. Die Währungsgewinne durch den Euro-Absturz überwogen damit die Kursverluste der Aktie deutlich.

"Kapitulation der Schweizer Notenbank"

Die Finanzmärkte wurden von der Entscheidung komplett auf dem falschen Fuß erwischt. In der Schweiz brach der Aktienmarkt in der Spitze um annähernd 14 Prozent ein, der Franken wertete zu Euro und Dollar massiv auf. Analysten fanden drastische Worte, sie sprachen von einem "Schocker", gar von einer "Kapitulation" der Notenbank. Auch die Glaubwürdigkeit der Notenbank wurde in Frage gestellt.

Eingeführt hatte die SNB den Mindestkurs wegen der Schuldenkrise in der Eurozone. Damals hatten Anleger aus dem krisengeschüttelten Währungsraum in Scharen ihr Geld in der als sicher geltenden Schweiz angelegt. Die darauf folgende deutliche Aufwertung des Franken drohte die exportorientierte Wirtschaft im Land zu belasten und verstärkte die Deflationsgefahren. Dieser Entwicklung versuchte die SNB durch den Mindestkurs entgegen zu wirken.

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