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Währungsgewinne: So macht die SNB deutsche Aktionäre glücklich

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Absturz des Euro Notenbank kapituliert, Schweizer Börse kollabiert - deutsche Anleger kassieren

Die Freigabe des Schweizer Franken lässt die Börse in Zürich einbrechen. Deutsche Anleger, die in Konzerne wie Nestle, Roche oder Novartis investiert haben, streichen Währungsgewinne ein.

Zürich/London - Schwere Turbulenzen an den Devisen- und Finanzmärkten: Die Börse in Zürich ist am Donnerstagvormittag massiv eingebrochen. Zuvor hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) überraschend die Anbindung des Franken an den Euro und damit den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. Sie hatte gleichzeitig den Leitzins deutlich ins Minus gesenkt.

Der Schweizer Leitindex SMI stürzte innerhalb weniger Minuten um mehr als 10 Prozent ab - das bedeutet, dass die im SMI notierten Unternehmen rund 117 Milliarden Franken an Börsenwert verloren haben. Zuletzt notierte der SMI noch 6 Prozent Prozent tiefer bei 8556.

Euro stürzt auf Parität zum Schweizer Franken

Der Euro fiel zum Franken in einer ersten Reaktion wie ein Stein. Nach der Kehrtwende der SNB geriet die Gemeinschaftswährung sofort stark unter Druck und sank zeitweise sogar unter die Parität zum Franken. Zeitweise fiel er auf das Rekordtief von 0,8517 Franken. Zuletzt erholte sich der Euro wieder etwas und wurde mit 1,0430 Franken gehandelt. Nach Ansicht des Experten Wortberg könnte der Euro sich bei Parität einpendeln.

An den Märkten gehen einige Beobachter inzwischen davon aus, dass der Franken nach dem Brechen des "Staudamms" sich mittelfristig in der Parität zum Euro erreichen könnte.

Mit einem Minus von je rund 12 Prozent waren Holcim  und Transocean die größten Verlierer. Die Index-Schwergewichte Roche  und Novartis (Kurswerte anzeigen) verloren jeweils rund sieben Prozent.

Schweizer Aktien: Währungsgewinne für deutsche Anleger

Für Anleger in Deutschland, die in Schweizer Global Player wie Roche  , Novartis  oder Nestlé  investiert haben, besteht jedoch kurzfristig kein Grund zur Trauer. Da ihre Investments in Euro getätigt wurden und der Euro gleichzeitig gegenüber dem Franken massiv abgewertet hat, sind die Währungsgewinne für Euro-Anleger höher als die Kursverluste der Unternehmen in ihrer Heimatwährung.

Das bedeutet: Während ein Konzern wie Novartis in der Heimatwährung Franken zuletzt um rund 10 Prozent auf 88 Schweizer Franken nachgab, legte die in Euro nominierte Novartis-Aktie eines deutschen Anlegers um mehr als 6 Prozent auf 86 Euro zu. Die Währungsgewinne durch den Euro-Absturz überwogen damit die Kursverluste der Aktie deutlich.

"Kapitulation der Schweizer Notenbank"

Die Finanzmärkte wurden von der Entscheidung komplett auf dem falschen Fuß erwischt. In der Schweiz brach der Aktienmarkt in der Spitze um annähernd 14 Prozent ein, der Franken wertete zu Euro und Dollar massiv auf. Analysten fanden drastische Worte, sie sprachen von einem "Schocker", gar von einer "Kapitulation" der Notenbank. Auch die Glaubwürdigkeit der Notenbank wurde in Frage gestellt.

Eingeführt hatte die SNB den Mindestkurs wegen der Schuldenkrise in der Eurozone. Damals hatten Anleger aus dem krisengeschüttelten Währungsraum in Scharen ihr Geld in der als sicher geltenden Schweiz angelegt. Die darauf folgende deutliche Aufwertung des Franken drohte die exportorientierte Wirtschaft im Land zu belasten und verstärkte die Deflationsgefahren. Dieser Entwicklung versuchte die SNB durch den Mindestkurs entgegen zu wirken.

SNB befürchtete weitere Abschwächung des Franken zum Dollar

Die SNB begründete die jetzige Aufhebung des Mindestkurses mit der Abschwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Gleichzeitig habe der Franken zum Dollar abgewertet. Deswegen sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses "nicht mehr gerechtfertigt sei", schreibt die SNB.

Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume hätten sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter verstärken, hieß es. Damit dürfte die SNB zum einen auf den Euroraum anspielen: Die EZB könnte am 22. Januar mit breit angelegten Anleihekäufen eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik beschließen. Zum anderen steuert die US-Notenbank Fed auf die erste Leitzinsanhebung nach der Finanzkrise zu.

"Die Entscheidung ist für die Finanzmärkte vollkommen überraschend gekommen", sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Man habe allerdings zuletzt in der Notenbankbilanz gesehen, dass die SNB immer mehr an Anleihen aus der Eurozone kaufen musste.

Glaubwürdigkeit in Gefahr - Ausfuhren der Schweiz dürften leiden

In den vergangenen Wochen hatte der Euro-Franken-Kurs an der Grenze von 1,20 Franken förmlich geklebt. Um den Mindestkurs zum Euro zu verteidigen kaufte die SNB laut Händlern vor allem Anleihen aus Deutschland und Frankreich. Nach Einschätzung von Experten sind die Risiken der Notenbank offenbar zu groß geworden.

"Durch die Entscheidung gefährdet die Notenbank jedoch ihre Glaubwürdigkeit, da sie sich immer zu dem Mindestkurs bekannt hatte", sagte Wortberg. Das Versprechen der SNB war stark: Stets versicherte sie, den Mindestkurs unter allen Umständen zu verteidigen und dazu unbegrenzt Euro anzukaufen. In der Zukunft würden die Märkte der SNB einen neuen Mindestkurs nicht abnehmen, sagte Experte Wortberg.

Die Ausfuhren der Schweiz dürften unter der Entscheidung stark leiden. Nach Einschätzung der Großbank UBS könnten die negativen Folgen für die Exportwirtschaft rund 5 Milliarden Franken oder 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen. Produkte aus der Schweiz und Urlaub dort werden beispielsweise für Deutsche teurer. Gleichzeitig dürfte es Unternehmen aus Deutschland und der Eurozone leichter fallen, in die Schweiz zu exportieren.

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