Börse Euro-Schwäche treibt Dax ans Rekordhoch

Die Entscheidung der Schweizer Notenbank, die Kursbindung des Franken aufzuheben, hat den Euro in den Keller geschickt. Der Dax startete eine Aufholjagd, übersprang die 10.000 Punkte und näherte sich seinem Rekordhoch.
Währung in der Krise: Die Schweizer Notenbank gibt die Euro-Bindung des Franken auf. In Zürich brach der Schweizer Index SMI um bis zu 14 Prozent ein

Währung in der Krise: Die Schweizer Notenbank gibt die Euro-Bindung des Franken auf. In Zürich brach der Schweizer Index SMI um bis zu 14 Prozent ein

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Frankfurt am Main/New York - Heftige Turbulenzen hat die Freigabe des Schweizer Franken am Donnerstag am deutschen Aktienmarkt ausgelöst. Letztlich jedoch siegten die Optimisten, und der Dax  übersprang erstmals in diesem Jahr die 10.000 Punkte-Marke. Zeitweise fehlten weniger als 30 Punkte bis zu seinem Anfang Dezember erreichten Rekordhoch von 10.093 Punkten. Mit einem Plus von 2,2 Prozent auf rund 10.033 Punkte ging der Leitindex aus dem Handel, schwankte allerdings im Tagesverlauf insgesamt um mehr als 400 Punkte.

Der MDax  schloss nach einem schwankungsreichen Tag auf einem Rekordhoch bei 17.570 Punkten und verzeichnete damit ein Plus von 1,8 Prozent. Der Technologiewerte-Index TecDax  kletterte um 1,1 Prozent nach oben auf 1436,61 Punkte.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Morgen überraschend den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro  aufgehoben und damit die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise auf 1,1568 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit November 2003. Der Mindestkurs war ursprünglich eingeführt worden, um die schweizerische Exportwirtschaft vor einem allzu starken Franken zu schützen.

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"Der Schritt der SNB, die Wechselkursbindung aufzuheben, hat den Markt völlig überrascht", sagte Portfoliomanager Lothar Koch von der GSAM + Spee Asset Management AG. "Letztlich aber wird es für den deutschen Export viel einfacher, Waren in Richtung Schweiz auszuführen, und das dürfte ein nicht unwesentlicher Grund für die dann wieder deutliche Gegenbewegung gewesen sein."

Mögliches Indiz für Anleihekaufprogramm der EZB

Marktanalyst Andreas Paciorek von CMC Markets verwies zudem noch darauf, dass "Marktteilnehmer die Kapitulation der SNB kurz vor der nächsten EZB-Sitzung als ein zusätzliches Indiz für ein baldiges europäisches Staatsanleihekaufprogramm interpretiert haben". Seit Wochen wird darüber spekuliert, wann die EZB der Konjunktur in der Euro-Zone unter die Arme greift.

An der Wall Street notierte der Dow Jones am Abend  0,4 Prozent tiefer, der S&P-500 gab 0,5 Prozent nach, und der Nasdaq Composite  fiel 0,7 Prozent.

Beiersdorf springen

Auf Unternehmensseite wartete Beiersdorf  mit Umsatzzahlen für 2014 auf, die höher als erwartet ausfielen. Beiersdorf-Titel verteuerten sich um 6,5 Prozent und standen damit klar an der Dax-Spitze.

Im MDax  waren die Aktien von Aurubis  mit plus 6,5 Prozent Spitzenreiter und erholten sich damit etwas vom jüngsten Kursrutsch. In den vergangenen beiden Tagen hatten Analystenkommentare und der Einbruch der Kupferpreise die Papiere des Kupferproduzenten um mehr als 12 Prozent nach unten gezogen.

Hella steigen in SDax auf

Die baldige Aufnahme von Hella-Aktien in den Kleinwerteindex SDax  hat die Papiere um knapp 5 Prozent nach oben befördert. Wie die Deutsche Börse am Mittwochabend mitgeteilt hatte, steigen die Papiere des Autozulieferers am kommenden Montag in den SDax auf. Dafür müssen jene des Öl- und Gasdienstleisters C.A.T. Oil weichen. Dessen Titel zeigten sich davon aber unbeeindruckt und kletterten um 0,16 Prozent.

ts/la/dpa/rtr