Kolumne Aktie Gelb oder Aktie Rot?

Pünktlich zum Termin der Börseneinführung hat die Post AG die ehemalige ÖTV-Chefin und EU-Kommissarin Monika Wulff-Mathies als Direktorin eingestellt. Ein Faktum das Anleger misstrauisch stimmen sollte, meint Georg Thilenius.

Hamburg - Pünktlich zum Termin der Börseneinführung hat die Post AG Monika Wulff-Mathies als Direktorin eingestellt. Die 58-Jährige war viele Jahre lang die Chefin der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV).

In dieser Funktion ist sie allen Freunden einer auf Ausgleich und langfristige Arbeitsplatzsicherung bedachten Tarifpolitik noch in lebhafter Erinnerung. Ebenso wie der Streik im öffentlichen Dienst von 1974.

Wulff-Mathies hat sich nicht mit großer Zurückhaltung in tarifpolitischen Fragen profiliert und auch den einen oder anderen Warnstreik zumindest nicht verhindert.

Diese Tarifpolitik, für die Arbeitsplatzbesitzer mit Brutalität höhere Löhne durchzusetzen und dadurch den Abbau von anderen Arbeitsplätzen zu beschleunigen, hat immerhin zu den 3,6 Millionen Arbeitslosen von heute geführt. Die Kosten der Arbeitslosigkeit für die Allgemeinheit dürften damit bei 110 Milliarden Mark jährlich liegen.

Im nächsten Job war Wulff-Mathies Mitglied der Skandal-umwitterten Kommission unter Jacques Santer, die 1999 auf Druck des europäischen Parlamentes und des europäischen Rechnungshofes komplett zurücktrat.

Die Vorwürfe lauteten auf Korruption, Vetternwirtschaft, Geldverschwendung. Auch wenn gegen Wulff-Mathies direkt keine schwerwiegenden Vorwürfe erhoben wurden, bleibt doch der unschöne Abgang.

Jetzt soll also Wulff-Mathies die Post-Privatisierung unterstützen und den Shareholder Value fördern. Mancher mag sich noch daran erinnern, wie wortreich die ÖTV unter Wulff-Mathies Privatisierungen bekämpfte.

Diese Personalentscheidung könnte darauf hin deuten, dass der Staatseinfluss bei der Post vielleicht nach wie vor doch etwas stärker und die unternehmerische Freiheit kleiner ist, als anlässlich des Börsengangs dargestellt wurde. Immerhin war Wulff-Mathies im Anschluss an die EG als außenpolitische Beraterin von Gerhard Schröder tätig.

Wie die Post mit Wulff-Mathies an Bord den Aktienwert fördern will, wird sicher spannend zu beobachten sein. Wer Post-Aktien zeichnet, muss wissen, dass der Bund noch lange die Mehrheit der Aktien behalten wird und mitreden kann. Nicht nur in Personalfragen.

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