Phonoverband Kein Aufatmen bei Internetpiraterie

Der Einstieg von Bertelsmann bei der umstrittenen Musiktauschbörse Napster sorgt nach Ansicht des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft für keine Entspannung beim Streit um Musikpiraterie im Internet.

Hamburg - "Durch die Allianz hat sich nichts Neues für uns ergeben. Wir können nicht aufatmen. Napster ist nur eine Variante von vielen Angeboten", sagte Peter Zombik, Geschäftsführer des Verbandes. Die Musikindustrie will illegale Musikangebote mit neuer Technik und vor den Gerichten weiter bekämpfen.

Begrüßt wird vom Verband die Ankündigung Bertelsmanns, das Geschäftsmodell von Napster zu ändern und sicherzustellen, dass Tantiemen an Künstler, Autoren und Plattenlabels gezahlt werden. "Das Napster-Angebot ist rechtswidrig. Für uns ist nun entscheidend, dass in Zukunft das Urheberrechtsgesetz beachtet wird", sagte Zombik.

Schaden beläuft sich auf 140 Millionen Mark

Allein in Deutschland ist nach Verbandsangaben 1999 durch Raubkopien ein Schaden von rund 140 Millionen Mark entstanden. Durch die rasante Entwicklung des Internets werde sich dieser in diesem Jahr deutlich erhöhen, obwohl insgesamt 1 800 deutsche Websites mit illegalen Musikangeboten im vergangenen Jahr geschlossen wurden. Die Musikindustrie setzte 1999 4,89 Milliarden Mark um bei 272,6 Millionen CDs, MCs und Singles.

Bei der Online-Musik sind Zombik zufolge 90 Prozent des Angebots illegal. Bei CDs, MCs und Singles haben die Musikpiraten dagegen nur einen Anteil von zwei Prozent. "Immer noch zu viel, aber damit kann man leben", sagte Zombik. Die Erfolge bei der Musikpiraterie-Bekämpfung bei physischer Ware sind aber im Internet nicht so leicht zu wiederholen, denn Anbieter aus dem Ausland sind schwer zu kriegen.

Software soll Lösung bringen

Hoffnung setzt der Verband und seine Anti-Piraterie-Abteilung auf die Software "Rights Protection System" (RPS), die kurz vor der Einsatzreife stehe. Damit soll das Herunterladen von illegalen Musiktiteln vor allem aus dem Ausland verhindert werden. "Bisher waren die Piraten unser Ziel. Doch im Netz verschwindet der Pirat hinter dem Angebot", berichtet Zombik. In Deutschland hätte man zwar gesetzliche Handhabe gegen Piraten, im Ausland sei jedoch der juristische Zugriff stark eingeschränkt.

Mit RPS könne das verbotene Angebot gezielt gesperrt werden. Um das System wirksam einzusetzen, müsste es von Providern mit internationalem Zugang installiert werden. Verhandlungen über den Einsatz dieses oder eines ähnlichen technischen Systems laufen seit längerer Zeit. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Zombik.

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