Bigword.com Erneut Web-Händler pleite

Unvermindert fordert die Online-Krise in den USA neue Opfer. Betroffen sind neben Internet-Consultern vor allem E-Commerce-Unternehmen – so auch der Online-Fachbuchhändler.

San Francisco - Der Web-Fachbuchshop Bigword.com ist der letzte in einer Reihe von Online-Händlern, denen in den vergangenen Wochen die Luft ausgegangen ist. Informationen des "Wall Street Journal" zufolge musste das Unternehmen seinen Betrieb einstellen und alle einhundert Mitarbeiter entlassen.

Angaben des Bigword-Mitgründers John Bates zufolge hatte die Geschäftsleitung noch versucht, kurzfristig einen Käufer für das Unternehmen zu finden. Übernahmegespräche mit einem Konkurrenten seien allerdings gescheitert.

Im Juni letzten Jahres hatte Bigword noch verschiedene Investoren – darunter etwa das US-TV-Network NBC, die WPP Group PLC oder GE Financial Assurance – gewinnen und Kapital in Höhe von 30 Millionen Dollar auftreiben können. Folgende Finanzierungsrunden konnten allerdings nicht mehr abgeschlossen werden.

Für Aufsehen sorgte in diesem Jahr eine Werbekampagne: Der Internet-Buchladen hatte zur Promotion seines Dienstes 1200 College-Studenten in orangefarbene Overalls gesteckt und an insgesamt 450 US-Colleges Flyer verteilen lassen.

Krise spitzt sich zu

In den vergangenen Monaten waren bereits zahlreiche US-Online-Händler offline gegangen oder hatten Massenentlassungen aussprechen müssen. Zu den Oktober-Pleiten zählen etwa das Teenie-Portal Kibu.com, der Web-Juwelier Miadora.com, die Golfsite Chipshot.com, die christliche E-Commerce-Site iBelieve.com sowie das Gesundheitsportal Gazoontite.com.

Auch der Beauty-Webshop Eve.com hatte aufgeben und seiner kompletten Belegschaft von 164 Mitarbeitern kündigen müssen. Daneben hatte etwa auch Stamps.com angekündigt, 240 Stellen zu streichen und damit 40 Prozent der Mitarbeiter zu entlassen. Das Pharma-Webunternehmen Drugstore.com verringerte seine Belegschaft um rund 60 Angestellte.

Weihnachtssaison beginnt

Insgesamt wurden in der amerikanischen Internet-Branche einer Studie von Challenger, Gray & Christmas zufolge im Oktober 5.700 Entlassungen ausgesprochen – mehr als in allen vorhergehenden Monaten diesen Jahres. Für viele Online-Händler beginnt nun mit der anlaufenden "Holiday Season" in den USA die wichtigste Verkaufssaison des Jahres. Experten rechnen allerdings auch im boomenden E-Vorweihnachtsgeschäft mit weiteren Kündigungswellen.

Die Studie "Consumer and Retailer Mood Survey: Retail Holiday Outlook" von Deloitte & Touche und der National Retail Federation geht davon aus, dass US-Amerikaner in diesem Jahr 28 Prozent ihrer Weihnachtseinkäufe online erledigen werden.

Silvia Kling

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.