Nasdaq Drängt nach Europa

Die Technologie-Börse schaut sich in Europa nach Fusionspartnern um. Am heftigsten umwerben die Amerikaner die London Stock Exchange. Aber auch im eigenen Land haben sie große Pläne.

London - Für das kommenden Jahr kündigte ein Sprecher einen Gang der Nasdaq an die eigene Börse an. Die Einnahmen aus der Emission könnten dann zur Finanzierung von Akquisitionen verwendet werden. Die US-Wachstumsbörse ändere dazu derzeit ihre Unternehmensform.

Heißeste Kandidatin für eine Fusion in Europa ist laut "Wall Street Journal" die London Stock Exchange (LSE). Die Nasdaq sieht sich nach dem gescheiterten Zusammenschluss der Briten mit der Deutschen Börse AG (DBAG) in Frankfurt als "natürlichen" Partner der LSE, falls diese eine neue Allianz in Betracht ziehen sollte. Die Londoner Börse wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

"Etwas wird sich in den kommenden sechs Monaten in Europa tun", ließ ein hochrangiger Vertreter der Nasdaq verlauten.

Nasdaq sondierte europäischen Markt

Europäische Investmentbanker hatten sich in den vergangenen drei Monaten intensiv mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Nasdaq in Europa beschäftigt, erklärte der Vertreter. Man verfüge nun über eine ausreichende Reihe von Optionen.

Die Nasdaq hat bereits Gespräche über mögliche Allianzen mit der LSE, der DBAG, der Euronext (dem Zusammenschluss der Börsen Paris, Amsterdam und Brüssel) sowie mit dem schwedischen Börsenbetreiber OM Gruppen AB Stockholm, geführt.

Kaum Chancen für feindliche Übernahme der LSE

Die Erfolgsaussichten für eine feindliche Übernahme der LSE durch die Nasdaq sind eher gering, da sich die Londoner vehement gegen eine Übernahme jeglicher Art sträubten und auf den Erhalt ihrer Unabhängigkeit bestrebt seien, hieß es.

LSE-Chef Don Cruickshank hatte erst in der vergangenen Woche betont, dass er die LSE künftig weder als eine Tochtergesellschaft der OM Gruppen noch einer anderen Organisation sehe. "Die LSE steht nicht zum Verkauf", lauteten seine unmissverständlichen Worte in Richtung der Interessenten. Ein Problem sieht Cruickshank laut "Wall Street Journal" in der voraussichtlichen Forderung der US-Behörden, dem gemeinsamen Markt US-Regularien auferlegen zu wollen.

Doch Experten sind der Meinung, dass sich langfristig die Beibehaltung der Unabhängigkeit für die LSE angesichts der Konsolidierungsbestrebungen an den europäischen Aktienmärkten als teurer Weg erweisen werde.

Auch der Erfolg der Bemühungen der Nasdaq, sich als internationaler Aktienmarkt zu etablieren, lasse bislang zu wünschen übrig. Aus diesem Grunde mache ein Zusammenschluss der Nasdaq mit der LSE und der DBAG durchaus Sinn.

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