Bertelsmann Steigt bei Napster ein

Raubkopien im Internet lassen sich nicht bekämpfen, hat Thomas Middelhoff erkannt. Also fängt er sie ein: Mit Geld aus Gütersloh soll die Tauschbörse Napster seriös werden. Kritiker sind nicht glücklich.

Los Angeles - Ein Darlehen der Bertelsmann E-Commerce-Gruppe BeCG soll der Musiktauschbörse Napster helfen, einen kostenpflichtigen Abo-Dienst aufzubauen. Das gab Napster in den USA bekannt.

Die Finanzspritze kann Bertelsmann in eine Aktienbeteiligung an dem Unternehmen umwandeln. Wenn der neue Service steht, wollen die Gütersloher auch auf ihre Urheberrechts-Klagen gegen Napster verzichten und Konkurrenten dazu bewegen, ihre Gerichtsverfahren ebenfalls zu stoppen.

Napster, bislang Tauschbörse für Raubkopien, wäre dann ein legales Unternehmen. Und die Musikindustrie hätte einen früheren Feind, der mit einer neuen Vertriebsidee Furore machte, in einen lukrativen Vertriebskanal umgewandelt.

Dies sei ein Musterbeispiel dafür, wie es nicht laufen sollte, wenden Kritiker ein. Sie versprachen sich von der Existenz der Tauschbörsen eine Änderung im Urheberrecht.

Stattdessen ermögliche die aktuelle Rechtslage, dass Rechteinhaber auch einen monopolartigen Zugriff auf neue Technologien erhielten. Sie hätten es in der Hand, ob sich moderne Technologien wie netzunabhängige Tauschbörsen oder neue Datenformate durchsetzen oder nicht.

Als Beispiel gilt nicht nur Napster. Auch andere Musikvertreiber im Netz seien die Leidtragenden, da die Musikindustrie Druck auf Kapitalgeber ausübe. Unternehmen wie MP3.com, Scour und MP3Board.com hatten Schwierigkeiten, nötiges Kapital in zweistelliger Millionenhöhe aufzunehmen, weil gegen sie gleichzeitig hohe Schadenersatz-Klagen anhängig waren.

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