T-Online Bald neuer Chef im Hause?

Telekom-Chef Ron Sommer will United Internet übernehmen. Dessen Lenker Ralph Dommermuth, mit Btx groß geworden, soll der richtige Mann für den führungslosen Online-Dienst sein. Anleger hören das mit gemischten Gefühlen.

Frankfurt am Main - United Internet sah sich am Mittwoch außer Stande, die Pläne zu dementieren. Dommermuth, der sich in Gesprächen mit der Telekom befindet, sei vom Bekanntwerden überrascht worden, erklärten Unternehmenskreise gegenüber manager magazin online.

Zuvor hatte das Anlegermagazin "Die Telebörse" berichtet, die Spitzen Sommer und Dommermuth verhandelten darüber, dass Dommermuth den verwaisten Chefposten bei T-Online übernimmt und als Hauptaktionär United Internet mit in die Ehe bringt.

Gemeinsam aus den Kinderschuhen

Dommermuth und T-Online sind miteinander groß geworden. Als junger Direktmarketing-Experte brachte er mit seiner Firma 1&1 tonnenweise Prospekte unters Volk, in denen die Telekom für ihr Btx und den Nachfolger T-Online warb.

Der Einsatz der Firma aus Montabaur galt als entscheidender zeitlicher Vorsprung, den sich T-Online gegenüber Wettbewerbern wie AOL erwarb.

Die Erlöse aus dem Telekom-Marketing-Geschäft ermöglichten Dommermuth, zum Start der Internet-Gründereuphorie in Webfirmen zu investieren. Aus 1&1 wurde eine Internet-Firma mit zahlreichen Beteiligungen.

Heute ist Dommermuth Vorstandschef und Hauptaktionär der Anfang des Jahres zur United Internet AG umfirmierten 1&1. Direktmarketing ist kein Thema mehr.

Schwache Performance an der Börse

United Internet ist seit März 1998 am Neuen Markt notiert. Seitdem schaffte es Dommermuth, noch zwei weitere Beteiligungen an die Börse zu bringen. Für ihn lukrativ - für die Anleger weniger.

Beim Werbevermarkter Adlink zeigt der Kurs seit der Erstnotiz stetig nach unten. Nach einem Hoch bei 19 Euro kurz nach dem Börsenstart im Mai notiert die Aktie jetzt bei weniger als der Hälfte.

Nicht viel besser sieht es beim Jobvermarkter Jobs&Adverts aus. Selbst mit der eigenen United Internet werden Anleger nicht so richtig froh.

Führungskrise bei T-Online

In den Startlöchern stehen noch die Dommermuth-Beteiligungen GMX - der Mailversender hatte bereits einen Börsenstart sehr kurzfristig abgeblasen - sowie der Finanzinformationsdienst Gatrixx.

T-Online wird seit dem Rücktritt Wolfgang Keuntjes Ende August kommissarisch von Detlev Buchal geleitet. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gesellschaft und Mitglied des Vorstandes der T-Online-Mutter Deutsche Telekom. Vor Dommermuth wurde zuletzt der I-D Media-Chef Bernd Kolb als wahrscheinlicher Nachfolger Keuntjes gehandelt.

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