Euro Durch Spekulationen um Interventionen gestärkt

Die Gemeinschaftswährung ist bis knapp unter 85 Cent gestiegen. US-Konjunkturdaten und aufflammende Spekulationen über mögliche Interventionen stützten den Kurs.

Frankfurt am Main - Händlern zufolge waren Aussagen von US-Finanzminister Lawrence Summers und von Bundesbankpräsident Ernst Welteke zu Notenbank-Interventionen die Auslöser der Kursreaktion.

Am Nachmittag profitierte der Euro von US-Wirtschaftsdaten, die erneut eine Abkühlung der Konjunktur in Amerika dokumentierten. Am Abend trugen auch Aussagen zur Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zur Euro-Erholung bei.

Welteke sagte in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview mit der "Wirtschaftswoche": "Ich schließe eine neuerliche Intervention nicht aus". Die Europäische Zentralbank beobachte die Entwicklung auf den Devisenmärkten sorgfältig und werde, falls erforderlich, noch einmal eingreifen.

Die Aussagen Weltekes verdeutlichten Händlern zufolge, dass Interventionen nicht von der Tagesordnung der Notenbanken verschwunden sind. Offizielle Äußerungen zu Interventionen, die zuletzt ignoriert worden waren, würden wieder als positiver Faktor für den Euro betrachtet.

"Welteke hat zwar nichts Neues gesagt, aber manchmal braucht der Markt eine Erinnerungsstütze, das hat dem Euro genützt", sagte Philip Shaw, Analyst von Investec in London.

Entscheidend sei, dass in einer Woche die US-Präsidentschaftswahlen sind, sagte Shaw. Danach sei aus politischer Sicht der Weg für weitere konzertierte Aktionen der Notenbanken frei.

Bisher waren erneute Stützungskäufe mit dem Argument für unwahrscheinlich gehalten worden, dass sich die US-Notenbank daran beteiligen müsse, dies aber mit Blick auf die Wahlen am 7. November nicht zu erwarten sei.

Zu Beginn des Devisenhandels in New York stützten Aussagen von US-Finanzminister Summers die neu aufgekommenen Interventionserwartungen.

In einem Interview mit "Bloomberg TV" bekräftigte Summers zwar, man müsse beim Wechselkurs auf die Fundamentaldaten achten und ein starker Dollar sei im Interesse der USA. Interventionen könnten zu bestimmten Gelegenheiten eine Rolle spielen, entscheidend sei aber, sich stets auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren.

Eichels Äußerungen gaben im weiteren Verlauf Händlern zufolge dem Euro neuen Auftrieb. Eichel sagte in Berlin, die jüngste Wirtschaftsentwicklung, die in Europa im dritten Quartal erstmals seit langem besser als in den USA gewesen sei, sei ein Faktor, der dem Euro helfen sollte.

Händlern zufolge ist eine nachhaltige Erholung des Euro jedoch nur möglich, wenn sich die Konjunktur in den USA tatsächlich merklich abkühlen sollte. Das mit schätzungsweise 2,7 Prozent im dritten Quartal zum Vorquartal vergleichsweise schwach gewachsene Bruttoinlandsprodukt alleine gebe noch nicht den Ausschlag. Vorerst müssten weitere Daten abgewartet werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.